„Wandern mit Clemens“

 

Was veranlasst einen noch nicht einmal 40 jährigen Sänger, seine Biographie zu schreiben bzw. (von Michaela Brenneis) schreiben zu lassen? Im Falle des Baritons Clemens Unterreiter scheint es die Tatsache gewesen zu sein, dass er im Jahre 2015 auf zehn Jahre Mitgliedschaft zum Ensemble der Wiener Staatsoper zurückblicken konnte, ein Jubiläum, das er offensichtlich nicht hat unbemerkt von der Welt verstreichen lassen wollen. Davon zeugen die über das gesamte Buch verstreuten Glückwünsche anderer, berühmterer Sänger und Sängerinnen, die irgendwann einmal seinen Weg gekreuzt und sicherlich nicht in ihrem Kalender diesen Termin angestrichen hatten. Der Bariton selbst singt an der Staatsoper eher kleinere als mittlere Rollen, bei Festivals und anderen Veranstaltungen, die sämtlich als „renommiert“ apostrophiert werden, auch Partien wie Wolfram, Telramund oder Tonio. Und Agenten wie Opernhäuser werden aufmerken, wenn sie die Wünsche des Sängers, der sich für einen Kavaliers- und Heldenbariton hält, für die Zukunft zur Kenntnis nehmen: Wotan, Rigoletto, Scarpia, Rodrigo, Mandryka, Conte Almaviva. „Sie sind mit ihren Höhen und Tiefen genau mein Fach.“ Ehe es so weit ist, beteuert Unterreiner immer wieder, wie wichtig es ist, auch kleine Partien sehr ernst zu nehmen und ihnen alle Kraft und Aufmerksamkeit zu widmen.

Das Buch hat einige Schwächen, die es mit anderen teilt, so das vorgetäuschte Schreiben in der Ich-Form, das eigentlich (Eigenlob!) Bescheidenheit voraus setzt. Vom eigenen „ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“ zu schwärmen oder „immer ein Liedchen auf den Lippen“ zu haben, klingt peinlich. Unangenehm berührt auch, dass seine „Höhepunkte“ in der Begegnung mit berühmten Sängern bestehen, angefangen von Eva Marton, die in derselben Straße in Wien wohnte, über Edita Gruberova, die sich für Hilfestellung beim Überklettern einer Barriere „mit keckem Lächeln“ bedankte, bis hin zu Natalie Dessay, die er in „Die Regimentstochter“ am Arm festhalten durfte.

Neben der Tätigkeit als Sänger, und die an der Wiener Staatsoper ist sicherlich eine höchst erstrebens- und achtenswerte, um die ihn viele Berufskollegen beneiden, widmet sich der Bariton noch vielem anderen, so der Veranstaltung eines Gesangswettbewerbs (Opera Mania), der augenblicklich aber wohl nicht stattfindet, einem Wohltätigkeitsverein, der Konzerte zugunsten Hilfsbedürftiger organisiert, dem Management, dem Vizevorsitz des Wiener Wagner-Vereins (wohl augenblicklich nicht mehr), auch mal der Veranstaltung „Wandern mit Clemens“ in Anlehnung an Hansi Hintermeier.

Den Kollegen, die nach Aussage Unterreiners kritisieren, er suche zu oft und gern die Präsenz in den Medien, dürfte das Buch ein weiterer Stein des Anstoßes

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sein und Stoff zu weiterem Lästern geben. Aber auch Nichtsänger stört vielleicht eine Aussage wie „Arzt oder Jurist kann man immer noch werden“ und das offensichtliche Gieren nach dem Titel „Kammersänger“ oder „Divo“, auch wenn entsprechende Episoden „humorvoll“ geschildert werden. Bemerkenswert ist immerhin, dass sich der Sänger, der mit fünf Jahren erblindete und erst allmählich das Augenlicht, wenn auch ein eingeschränktes, zurückgewann, durch keinerlei Rückschläge davon abbringen ließ, den Sängerberuf anzustreben , auch deswegen zehn Jahre lang als Statist an der Wiener Staatsoper tätig war, um seine Ausbildung zu finanzieren. Aber immer wieder stören längst bekannte Gemeinplätze über die Anforderungen des Sängerlebens und Aussagen wie „wenn man mich besetzt, wird die Vorstellung auch abseits der großen Arien der Hauptrollen keine schwachen Momente haben“, was allerdings auch dazu führen kann, dass man ihm vorwirft, in Nebenrollen „zu sehr aufzufallen“.

Wird der Bariton originell, dann oft auch anfechtbar, wenn er meint, wegen ihrer „wunderschönen Arien“ könne die Königin der Nacht doch gar nicht schlecht sein, was angesichts der Aufforderung an die Tochter zu morden kaum nachzuvollziehen ist.

Insgesamt wird der Leser den Eindruck nicht los, dass das Buch weniger ein Rückblick auf eine große Karriere als eine Werbung dafür ist, dass dem Sänger bisher unerfüllt gebliebene Wünsche doch noch erfüllt werden, und dass es keinen Anhang mit Angaben über die bisherige Tätigkeit gibt, lässt den Leser auch stutzig werden. (Amalthea Verlag Wien: „Wandern mit Clemens“ 2016; 250 Seiten; ISBN 978-3-99050-027-9 eISBN 978-3-903083-13-4) Ingrid Wanja

 

  1. Prof. Gerda Steiner

    Gehässige „Kritik“ welche nicht einmal den Titel des Buches korrekt wiedergibt….
    Wandern mit Clemens ?!?!? das ist doch nicht der Titel ?!? Nicht einmal der Untertitel…
    Ihre Besprechung ist sehr durchschaubar und absichtlich negativ. Sie wollen oder mussten alles anscheinend negativ verstehen. Sie haben das Buch anscheinend nicht gelesen – nicht einmal den Titel geben Sie korrekt wieder- oder absichtlich nicht verstanden?!? Sie zupfen völlig nebensächliche Dinge heraus und verdrehen diese dann. Sie schreiben und urteilen einseitig nur negativ und verknüpfen das mit fast schon Verschwörungstheorien. Sie missverstehen ganz bewusst Tatsachen und interpretieren alles immer in eine Richtung. Sie missverstehen oft Humor und Ironie und stellen es dann als sonderbare Tatsache oder Eigenlob etc hin. Es ist einfach nur traurig wie Sie dann daraus falsche Vermutungen in den Raum stellen. Es ist auch keine Lebens Bio sondern einfach eine Erzählung eines Künstlers über seinen steinigen Weg zur Karriere – der es eben trotzdem geschafft hat – wie man durch eine kurze Blindheit zur Musik kommt und danach trotz großer Widerstände dennoch seinen Lebenstraum erfüllt. Wo liegt denn daran ihr Problem ? Das Alter ?!? Spitzensportler sind sogar oft noch jünger wenn Sie Bücher schreiben. Oder einfach ganz „normale“ Menschen die eben Bücher über ihr Leben und ihren Weg schreiben. Was ist daran so schrecklich ? Ist eben so ? Alter hat doch nichts mit Erlebnissen im Leben oder Karriere zu tun. Und ein Sänger der jetzt erstes Fach an der Staatsooer singt hat Karriere gemacht. Auch international. Er hat auch nie behauptet Weltstar etc zu sein. Einfach stolz darauf von ganz unten und Mini Nebenrollen jetzt Solist an der Wiener Staatsoper geworden zu sein und dort erstes Fach zu singen. Egal wie Sie das absichtlich und gehässig hier jetzt klein schreiben wollen. Das ist eine tolle Geschichte für ein Buch. Jungen Menschen oder Menschen mit Behinderungen mit diesem Buch auch Mut geben. Einfach erzählen wie es war. Darum geht es. Es muss Ihnen dieser außergewöhnliche Weg ja nicht gefallen aber es absichtlich schlecht zu machen gehört sich nicht. Ihre Eifersucht, Missgunst und Abnrigung ist sehr durchschaubar. Das ist einfach ein spannendes unterhaltsames Buch. Weder Lobhudelei noch Wichtigtuerei – einfach Mischung aus ernsten Dingen seines Lebens und auch lustige Geschichten. Und wenn ein ehemals blindes Kind – welches durch die Blindheit zur Musik gekommen ist – seither Augenpatienz ist und deshalb das Buch nicht selber tippt sondern alles in 1 1/2 Jahren selbst konzipiert, aufnimmt und selbst diktiert und ehrlich ist, eben den Namen der Person zu nennen die das dann nach seinen Aufzeichnungen und in gemeinsamer Arbeit tippt – das ist einfach ehrlich. Das sollten sich andere Beispiel nehmen die das nämlich nicht machen. Eben KEIN ghostwriter. Deshalb aufgezeichnet von …. Wieso diskriminieren und kritisieren Sie jemanden der durch seine Augenerkrankung eben nicht ein ganzes Buch selber TIPPT sondern sich professionell eben dabei beim tippen unterstützen lässt ?!? Er hat natürlich alles selbst in ich Form erzählt aufgezeichnet und etc. aber eben nur nicht selbst getippt. Das ist großer Unterschied. Wo ist hier ihr Problem und wieso stellen Sie das gleich in die Ecke des quasi „Betruges“ am Leser ?!? Auch ihre absichtlich missverstandenen Zitate als Kind (Königin) oder seine ironisch gemeinten Momente die sie ihm negativ dann auslegen lassen ihre anscheinend persönliche Abneigung gegen das Buch erkennen. Ihr Geschmack sei ihnen unbenommen aber wenn sie sich zu einer Kritik aufschwingen wollen, sollte diese seriös und nicht tendenziös sein. Sie reißen da Dinge aus ihrem Kontext oder verstehen Ironie oder Humor ganz bewusst nicht. Ihre „Kritik“ am Buch ist entlarvend vorsätzlich, denn was Sie schreiben ist einfach verzerrt. zB. „Klassik Mania“ – sie können nicht einmal den Wettbewerb richtig schreiben. Sie machen sogar einen Wettbewerb schlecht der lange Jahre hindurch junge Sänger gratis und ohne Gebühr unterstützt und über Jahre viele Karrieren gefördert hat. Sie machen alles schlecht. Das wirkt ja schon fast absichtlich. Sehr bedauerlich. Nehmen sie sich doch lieber ein Beispiel und machen selbst einmal Karriere, oder tun sie so viel Gutes und betätigen sie sich auch mal karitativ. Dann freue ich mich wenn ein Buch über sie erscheint. Jeder der will kann googeln – wozu Anhang im Buch was er alles macht ? Hätte er das geschrieben, hätten sie ihn dafür kritisiert, dass er sich selbst lobt und sich wichtig macht… also sie sehen schon – egal was es ist, sie wollen den Künstler und sein Buch einfach schlecht machen. Der Leser Ihrer „Kritik“ wird nur bei ihrem Stil und Verschwörungstheorien und sonderbaren Andeutungen stutzig. Sehr entlarvend…. Bevor sie wieder ein Buch absichtlich „verreißen“ informieren Sie sich doch lieber über den Menschen dahinter, lesen Sie über die Person bevor sie etwas schlecht machen… Das Buch war immer ganz positiv im Fernsehen im Radio in Zeitungen etc
    Und es ist gute, kurzweilige sympathische Unterhaltung über einen Menschen und seinen außergewöhnlichen Weg….nicht mehr aber auch nicht weniger…

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    1. Geerd Heinsen Artikelautor

      wobei um der gerechtigkeit willen gesagt werden muss, dass die ÜBERSCHRIFT in anführungszeichen, wie bei uns üblich, nicht von der autorin, sondern von der redaktion gewählt wurde, um einen eye-catcher zu bringen. wir fandens lustiger – die zuschreiberin offenbar nicht. das buch selbst ist ja mit dem originalen titel abgebildet, auch für jene, die mehr als eine zeile lesen und sich nicht in emotionalen vorwürfen verstricken… aber ich nehms auf mich, den richtigen titel nicht wiederholt zu haben und den lustigeren unten im artikel fälschlich eingefügt zu haben. der verlag möge uns verzeihen und fand keine beanstandung, als wirs veröffentlichten: die abbildung des buches selbst korrigiert ja ohnehin alles. aber es ist schön, dass der wiener bariton einen so streitbaren champion in frau prof steiner hat. hoffentlich weiss er davon und würdigt dies…gh

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