Und noch einer …

 

Der Fülle an Einspielungen von Glucks Orfeo ed Euridice fügt das Label Pentatone mit seiner Live-Aufnahme aus London 2018 eine weitere hinzu (PTC 5186 805). Gewählt wurde die Wiener Version von 1762, ergänzt um ein Instrumentalstück für Flöte und Streicher aus der Pariser Fassung, ein Ballo, welcher im Elysium erklingt.

Die Ausgabe erweckt besonderes Interesse wegen der Mitwirkung von Iestyn Davies in der männlichen Titelpartie, der eine rein britische Besetzung anführt. Der Countertenor ist regelmäßiger Gast bei internationalen Festspielen und tritt an allen großen Bühnen weltweit auf.  Seine Stimme ist von weicher, zärtlicher Textur und  leuchtend in der Höhe, was besonders den empfindsamen Nummern („Chiamo il mio ben“ im 1., „Che puro ciel“ im 2. und natürlich „Che farò senza Euridice“ im 3. Akt) entspricht. Besonders in der berühmten Arie nimmt er mit emotionaler Gestaltung und klangvollem Gesang für sich ein.

Perfekt besetzt sind die beiden Sopranpartien mit Sophie Bevan, die die Euridice mit fülliger Stimme singt und in ihrer Arie im 3. Akt „Che fiero momento“ mit fiebriger Erregung zu packen weiß, sowie Rebecca Bottone, die für den Amore ein leichteres Organ einsetzt. In der Arie „Gli sguardi trattieni“ im 1. Akt bezaubert sie mit lieblich getupften Tönen. Die Aufnahme wird geleitet von David Bates am Pult seines Ensembles La Nuova Musica, der ein gewichtiges wie transparentes und jederzeit lebendiges Musizieren garantiert. Die Ouverture ist von dramatischem Impetus, die Balli sind geprägt von einfühlsamer Zeichnung, die Chöre von packender Dramatik und im  Finale von serener Stimmung. Bernd Hoppe