Sommerwind vom Wörthersee

Arthaus veröffentlicht zwei Konzertmitschnitte des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks unter seinem Chefdirigenten Mariss Jansons. Der etwas sperrige Name des Orchesters hindert diesen hervorragenden Klangkörper nicht daran, im Wettstreit der drei großen Münchner Orchester seit je „die Nase vorne“ zu haben. Das liegt nicht zuletzt an der klugen Wahl der Chefdirigenten. Bereits seit 2003 ist dies aktuell der Lette Jansons, der inzwischen zur Internationalen Dirigentenelite zählt. Das Konzert mit der 2. Sinfonie von Johannes  Brahms, fast sommerlich heiter zu nennender Symphonie, gepaart mit Janáceks spröder, aber eindringlicher Glagolitischen Messe fand bereits im März 2012 bei einem Gastspiel in Luzern statt. Zu beiden so unterschiedlichen Werken scheint der Dirigent eine große Affinität zu haben, die Brahms-Symphonie gerät ihm wunderbar luftig, man meint im ersten Satz förmlich den Sommerwind vom Wörthersee zu spüren, an dessen Ufern Teile des Werkes entstanden. Bei der Janácek’schen Messe steht Jansons ein hervorragendes Solistenquartett zur Verfügung: Tatiana Monogarova, Marina Prudenskaja, Ludovit Ludha und Peter Mikulas. Ihnen gelingt eine dichte, hoch emotionale Interpretation des selten gespielten Stückes (101684).

71BmqWtHclL__SL1024_Mahlers 2., die Auferstehungs-Symphonie, wurde bei einem Konzert in der Münchner Philharmonie am Gasteig im Mai 2011 aufgenommen. Auch hier scheint Jansons in seinem Element, spürbar wird auch die inzwischen große Vertrautheit zwischen Dirigent und Orchester. Es ist ein Vorteil der filmischen Wiedergabe eines Konzerts, dass die scheinbar anonyme Masse der Instrumentalisten auf einmal individuelle Gesichtszüge bekommt, Soli mit der richtigen Zuordnung zum jeweiligen Instrument auch optisch besser wahrgenommen werden können. Der Chor des Bayerischen Rundfunks und die Solisten Anja Harteros und Bernarda Fink bewegen sich auf höchstem Niveau. Jansons ist sehr vertraut mit der monumentalen Architektur des Werkes, zieht alle Register seines Könnens. Trotzdem fehlt mir ein Letztes an Verinnerlichung, wie sie beispielsweise dem bereits jetzt schwer vermissten Claudio Abbado zu Gebote stand.

Eine zeitgenössische,16stimmige Bearbeitung des Mahler-Liedes Ich bin der Welt abhanden gekommen erklang als Einleitung des Konzerts. Interessant, aber doch eher unerheblich (101685). Die den DVDs beiliegenden Booklets bieten Werkeinführungen, enthalten aber keinerlei Informationen über die Künstler und das Orchester.

Peter Sommeregger