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Sonderkonzerte mit  der Akademie für Alte Musik Berlin und Paul Agnew Sa, 10.02. + So, 11.02.2018; 19:30 Uhr; St. Elisabeth-Kirche Berlin Invalidenstraße 3, 10115 Berlin/ Jean-Philippe Rameau „Pygmalion“ sowie Werke von Georg Philipp Telemann & Jean-Baptiste Lully: Cyril Auvity, Tenor (Pygmalion), Camille Poul, Sopran (L’Amour / Céphise), Deborah Cachet, Sopran (La Statue), Enrico Wenzel, Bass; Akademie für Alte Musik Berlin, Paul Agnew, Musikalische Leitung; www.reservix.de  / Tel 01806 700 733

Vom Erwachen der Liebe erzählt Rameaus Tanzoper über den Bildhauer Pygmalion, der sich in eine von ihm selbst geschaffene Statue verliebt. Rameaus hinreißende Musik voller tänzerischer Anmut machte das Werk zu einer der Erfolgsopern des 18. Jahrhunderts – in seiner straffen Anlage bildet das Werk geradezu die Essenz eines Idealtypus des französischen Musiktheaters dieser Zeit. Die Faszination des Pygmalion-Mythos ist bis heute ungebrochen, ist er doch ein Blick in das Labor der Moderne und stellt die Frage nach einem Ort der Vermittlung von Geist und Körper außerhalb der menschlichen Seele. Zu Rameaus Zeiten erlag man der Faszination der kühnen Erfindungen des Ingenieurs Jacques de Vaucanson. In seinen berühmten Automaten wie dem Flötenspieler oder der mechanischen Ente ahmte er Leben und Natur durch ausgetüftelte Mechanik nach. Tote Materie erschien nun als beseelter Körper, Metaphysik wandelte sich zu einem physischen Konzept. Das vom Bildhauer Pygmalion erschaffene menschliche Abbild – die von ihm selbst erschaffene Traumfrau  – seine femme idèale – beginnt, eine eigene Existenz zu führen, wenn dank Amors Eingreifen die schlafende Schönheit zum Leben erwacht und sich – zunächst noch unsicher – als Tänzerin gebärdet. Die zentrale Bedeutung des Tanzes für die französische Barockopert tritt hier deutlich hervor, denn erst im Tanz mit den Grazien stellt die Statue ihr Menschsein unter Beweis. Bevor Rameaus marmorne Schönheit erwacht, erklingen im ersten Teil des Programms mit Telemanns „Schlaf-Ouvertüre“ und der Arie „Komm Schlaf“ zwei Schlummermusiken des Barock, einem Genre mit eigener Traditionslinie im französischen Musiktheater und Ballett, das vor allem  durch die Schlummerszenen in Werken Lullys, allen voran in seiner Oper „Atys“, geprägt wurde.

Telemanns Musik fungiert hierbei als das zentrale Scharnier einer besonderen ‚French connection‘, der musikalischen Liebesbeziehung zwischen deutschem und französischem Barock. In der Tat kommt Telemanns Verhältnis zu Frankreich, insbesondere zu Paris und Versailles, besondere Bedeutung zu. Dem Hamburger Musikschriftsteller Johann Mattheson gestand er einst, er sei ein „grand Partisan de la Musique Françoise“. Die Reihe der Anhaltspunkte für Telemanns Affinität zum französischen Stil ließe sich mühelos z.B. mit Blick auf seine Pariser Quartette fortsetzen. Wie kein anderer Komponist verstand es Telemann zudem, die musikalischen Charaktere der französischen Tanzsuite mit Humor und Erfindungsgeist auch mit außermusikalischen Inhalten zu füllen. So vermeint man im titelgebenden Satz „Le Sommeil“ tatsäschlich das Schnarchen im Orchestersatz zu vernehmen. Hier zeigt sich die Flexibilität von Telemanns Tonsprache, die mit ihrem Gespür für theatrale Expressivität an Rameau erinnert. Telemanns Ouvertüren-Suiten wären zudem ohne die äußerst populären Editionen der Werke Lullys nicht denkbar, die bereits kurz nach Lullys Tod erschienen. Nun bestimmt für einen kleineren, modernen (d.h. statt fünf- nun vierstimmigen Orchestersatz), wurden sie zumeist unter dem Titel „Overture et tous les airs de…“ veröffentlicht. Dass im Deutschen später dieser instrumentale Suiten-Typ als ‚Ouverture‘ bezeichnet wurde, geht direkt auf diese Tradition zurück – und so geht auch diesem Programm eine Opernsuite aus der Feder Lullys voran. Sie entführt den Hörer direkt in den Trojanischen Krieg: Im Mittelpunkt steht der Achilles, der Abschied von seinem Freund Patroklos nimmt.  Nach der Überlieferung des Mythos soll dieser in der Uniform des Achilles in den Kampf gegen Hektor ziehen und die Kämpfe für die Griechen entscheiden. „Achille et Polyxène“ sollte Lullys letzter Beitrag zur französischen Bühne sein, verstarb der Komponist doch nach der Niederschrift von Ouvertüre und erstem Akt. Bei Telemann und Rameau hören wir, dass sein Oeuvre für die Nachfolger zu einem beflügelnden Vermächtnis wurde.

 

EUROPA: Programm & Konzept: Dr. Andrea Palent | Thomas Höft: Vom 8. bis 24. Juni 2018 bringen die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci in den Schlössern und Gärten von Sanssouci EUROPA zum Klingen: mit Hymne und Fanfare, Barockoper multinational, einer Musiknacht der Alliierten im Cecilienhof, einem Völkerball in Sanssouci und vielem mehr. In über 80 Konzerten, Opern und Führungen präsentieren Künstler aus mehr als 30 Ländern Tradition und Vielfalt der europäischen Musik. Sie verfolgen die grenzüberschreitenden Wanderungen der Künste ebenso wie die Vernetzung regionaler Musikkulturen, und feiern schließlich die Utopie Europa: als Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 »Sharing Heritage«.

Potsdam ist ein Brennspiegel europäischer Geschichte. Die Schauplätze der Musikfestspiele erzäh- len davon – vom schöpferischen Miteinander ebenso wie vom verhängnisvollen Spiel der Mächte. Der Riss, der nach 1945 die politischen Lager teilte, ging mitten durch Potsdams einmalige Kul- turlandschaft. Dass hier wieder zusammenwächst, was zusammengehört, ist ein ermutigendes Zeichen für die Lebenskraft des Europagedankens. Ein guter Grund für die Musikfestspiele, die Vielfalt europäischer Musikregionen und Musiktraditionen in ihrer Eigenart wie in ihrem Verbun- densein zu erforschen und die Musik als Spiel ohne Grenzen für ein harmonisches Europa zu feiern.

Gleich im Eröffnungskonzert: Grenzenlos Europa! werden die Migrationsbewegungen von Musi- kern der Barockzeit buchstäblich hörbar: Fabio Biondi und sein italienisches Starensemble EUROPA GALANTE kombinieren Sätze aus Werken von Komponisten diverser Nationen,  deren Wege  sich einst in Europa kreuzten, zu neuen Suiten und Concerti, die man so zum ersten Mal hört.

Auch zwei Musiktheater-Premieren nähern sich Europa: André Campras Ballettoper »L’Europe galante« zeigt Liebende vierer Nationen in Aktion, kommt als barocke Musicalrevue von hohem Unterhaltungswert daher und bietet stilechten Barocktanz auf höchstem Niveau. Alessandro Melanis Opernrarität »L’Europa«, eine der wenigen Vertonungen des Mythos von der Entführung der Europa durch Göttervater Jupiter in Stiergestalt, wird verknüpft mit Musik von Georg Muffat, die  Stile  und  Nationen freundschaftlich vereint.

Wie aus alten Quellen frische Musik sprudelt, wenn sich die Alte-Musik-Szene mit regionalen Volksmusiktraditionen kurzschließt, ist nicht nur bei Christina Pluhar & L’ARPEGGIATA mit ihrem neuen Programm All’Improvviso Balkan zu erleben. Dreimal FolkBaroque von Keltisch bis Baskisch gibt es am Tag der Nationen, bevor das Orangerieschloss Sanssouci samt Umgebung bei der Sanssouci Folknacht: Völkerball zur europäischen Tanzzentrale mutiert.

Schließlich er-fährt man »Potsdams Europa« vom Holländerviertel bis zum Schweizerdorf beim Fahrradkonzert an 18 Originalschauplätzen mit Europabezug. Und wenn das Festival beim Sanssouci Prom Concert: Ode an die Freude mit Eurovisionsfanfare und Europahymne in Origi- nalgestalt zu Ende geht, heißt es auch für Dr. Andrea Palent als Künstlerische Leiterin Abschied nehmen: nach 28 Jahrgängen, in denen  sich  nicht  nur  die  Musikfestspiele  Potsdam  Sanssouci  von den Parkfestspielen der DDR zu einem der führenden Alte-Musik-Festivals Deutschlands entwickelt haben, sondern sich zeitgleich auch das Gesicht Europas nachhaltig gewandelt hat. Kartenvorverkauf ab 12. Januar 2018/ Informationen  und  Karten:  Tel:  +49  (331)  28  888  28  | www.musikfestspiele-potsdam.de

 

Singt sie? Anna Natrebko als Elsa 2018 in Bayreuth? Im der französischen Musikmagazin Revopera liest man:  Dans une interview donnée au magazine Classica, Anna Netrebko a dévoilé plusieurs projets et des futures prises de rôle : Au Festival de Salzbourg (2018 ou 2019 ?), elle chantera Lisa dans La Dame de Pique de Tchaikovski, sous la direction de Mariss Jansons. Elle abordera également deux nouveaux rôles de Verdi : Amelia du Bal Masqué et Leonora dans La Force du destin. Elle chantera le rôle-titre de Salomé ;