Berührendes Vermächtnis

 

Wohl noch eine Herzensangelegenheit war es Dmitri Hvorostovsky, noch einmal seines Lieblingskomponisten Georgy Sviridovs „Russia Cast Adrift zu singen, nicht wie beim ersten Mal 1994 mit Klavierbegleitung, sondern mit der eines volkstümlichen Orchesters, (St. Petersburg State Symphony Orchester, Style of Five Ensemble unter Constantine Orbelian) das auch das Keybord nicht verschmäht, in der Orchestrierung von Evgeny Stetsyuk, die es damit zum ersten Mal auf CD gibt. Der Bariton brachte den Zyklus auch nach Los Angeles und nahm ihn 1996 für Philips auf. Neben Alexander Blok vertonte Sviridov bevorzugt Texte des früh durch Selbstmord verstorbenen Sergej Jessenin, von dem die Verse, zwischen 1914 und 1920 geschrieben, für „Russia Cast Adrift“ stammen, während der Bonus „The Virgin in the City“ auf einem Text von Blok basiert und  dem Zyklus „Petersburg“ entnommen ist.

Die elf Lieder und der Bonus-Track sind geprägt von einer tiefen Liebe zu Mütterchen Russland, einem feinen Sinn für Naturstimmungen und einer auf den ersten Blick naiv wirkenden, aber durchaus nicht so seienden Religiosität.

Das erste, dem Herbst gewidmete Lied, beginnt mit Glockengeläut, lässt eine auch in der tiefen, eigentlich schon eher bassige Lage eine gut ausgebildete Stimme hören, leicht verhangen, die auf „krassnije“, was sowohl „schön“ als auch „rot“ heißen kann, sich strahlend aufhellt. Hier wie auch im zweiten Track, „Ich verließ mein Vaterhaus“, ist die Orchesterbegleitung sanft untermalend, während die Stimme sich in feinen Fermaten ergeht, gipfelnd im „solotoi Rus“, dem goldenen Russland. Im Auf- und Abwiegen unendlicher zärtlicher Melancholie wird der „Schutzengel“ besungen, einen strahlenden Aufschwung in die Höhe nimmt der Bariton zum Himmelstor; mit einem emphatischen „Flieg, goldenes Russland“ endet das der CD den Titel gebende Lied.  Die Opernpranke holt weit aus für das Erscheinen des Judas in „Simon, Peter…“ Für die gefühlte Heimatlosigkeit des Dichters Jessenin und seines Komponisten steht „Gde tuj, otschiy dom“ , „Wo bist du, mein Vaterhaus“, das mit diesem Hilfeschrei beginnt und endet. Als atemloser Ritt durch das Universum stellt sich der über die Milchstraße dar, vom Orchester mit geheimnisvollen Klängen begleitet, und mit starkem Vibrato wirft sich die Baritonstimme dem dräuenden Schicksal entgegen, während sich während des Eulenschreis  sanfte Resignation äußert. Mit einer Endlos-Fermate schmückt sich das Glaubensbekenntnis zum Glück, während der Bonus in kluger Steigerung aufgebaut ist und ebenso bruchlos wieder zur Ruhe zurückkehrt. Ein schönes Vermächtnis und ein letzter Beweis dafür, dass Dmitri Hvorostovsky nicht nur ein Sänger mit einer schönen Stimme, sondern ein kluger Gestalter und bei aller Weltläufigkeit ein sein Vaterland liebender Künstler war (Delos DE 1631). Ingrid Wanja 

 

 

Dmitri Alexandrowitsch Hvorostovsky (* 16. Oktober 1962 in Krasnojarsk, Sowjetunion; † 22. November 2017 in London) war einer der führenden internationalen Baritone. Hvorostovski studierte in Krasnojarsk Gesang und debütierte am dortigen staatlichen Opernhaus als Marullo in Giuseppe Verdis Rigoletto. Internationale Beachtung fand Hvorostovsky, als er 1989 den Wettbewerb Cardiff Singer of the World gewann – vor dem eigentlich favorisierten Bryn Terfel. Sein Debüt außerhalb der UdSSR fand im selben Jahr in Nizza statt, wo er in Pique Dame auf der Bühne stand. Von da an hatte Hvorostovsky Engagements an den meisten namhaften Opernhäusern weltweit: Am Teatro La Fenice in Venedig sang er die Rolle des Eugen Onegin in der gleichnamigen Oper von Tschaikowski – eine Rolle, die er nach Meinung vieler Kritiker besonders gelungen gestaltete. Auch an der Metropolitan Opera, am Londoner Opernhaus Covent Garden, an der Mailänder Scala und an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin war er in verschiedenen Rollen zu hören und zu sehen. Er gab 2016 bekannt, wegen eines Hirntumors zukünftig auf Opernrollen verzichten zu wollen. Immer wieder hatte Hvorostovsky in der Vergangenheit wegen seiner Erkrankung zahlreiche Engagements absagen müssen. Vor zweieinhalb Jahren war bekannt geworden, dass der Sänger an einem Gehirntumor litt. 2009 trat Hvorostovsky zusammen mit Anna Netrebko beim Open Air auf dem Münchner Königsplatz auf. Für 2015 hatte er seine Teilnahme bereits aus gesundheitlichen Gründen absagen müssen. Nach eigenen Angaben hatte Hvorostovsky aufgrund der Krankheit Probleme mit dem Gleichgewicht. Ende 2016 hatte sich der Bariton offiziell von der Opernbühne zurückgezogen. Sein letztes Konzert gab Hvorostovsky im vergangenen Juni beim Festival Grafenegg in Österreich. Noch im November dieses Jahres war er an der Wiener Staatsoper für die Aufführungen von Verdis „Un ballo in maschera“ vorgesehen gewesen. Er erlag am 22. November 2017 in London seinem Krebsleiden. Hvorostovski war in zweiter Ehe mit der Sängerin Florence Chworostowski verheiratet und hat insgesamt vier Kinder, davon zwei aus erster Ehe. (Quelle Wikipedia/ BR/ Foto Dmitri Hvorostovsky/ Foto Delos )

  1. Gennadij

    Bin gestern zufällig auf einige Aufnahmen von Dmitrij Hvorostovskij gestoßen. Zuerst war ich einfach sehr erfreut, dass in Russland noch solche Musik gespielt wird, dass sie präsent ist und geliebt wird. Nach einigen Videos bin ich auf seine Geschichte gestoßen, habe einige Interviews über ihn und mit seiner Frau gesehen. Habe den Respekt der Menschen vor ihm als Sänger und noch mehr Liebe zu ihm als Menschen gesehen. Habe gesehen wie liebevoll er mit allen Menschen umgegangen ist, wie sehr er seine Familie geliebt hat. Habe gehört mit wie viel Liebe Florence über ihn gesprochen hat… Tränen sammelten sich in meinen Augen. Es lässt mich tief traurig, dass so eine liebevolle Familie ihres Vaters beraubt wird, dass die leider viel zu seltene Harmonie zwischen den nahen Menschen so ein Leid erfahren muss.
    Gleichzeitig bin ich sehr glücklich diese Harmonie überhaupt gesehen zu haben, dass sie in der Welt nicht verloren gegangen ist, dass sie weiterhin existiert! Es ist ein großes Glück sowohl für die Welt als auch für diese Menschen selbst, dass sie sich getroffen haben.
    Глубокий поклон, tiefe Verbeugung vor Florence für ihr liebevolles, herzliches und gutes Wesen!

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  2. Hannelore Berger

    Ich kann nur alle Kommentare bestätigen 😢
    Es ist unendlich traurig das diese wundervolle Stimme verstummt ist!
    Viel Kraft für seine Frau Florenca , Maxim und Nina❤️

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  3. Sylvia Liem

    Ich empfinde genauso! Jeden Tag höre ich eine CD oder schaue ein Video mit Dmitri Hvorostovski . Er war ein begnadeter Sänger. Ein Mann mit unglaublicher Ausstrahlung und Gestaltung, er sah fantastisch aus, ich denke, er war ein liebevoller Ehemann und Vater, er hatte eine so positive Ausstrahlung, sein Lachen war ansteckend. Ich bedaure zu tiefst , dass ich ihn niemals Live erleben durfte. Rip

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  4. Frauke Schmidt

    Wer ihn einmal gehört hat, kann diesen besonderen und charismatischen Menschen und hervorragenden Sänger mit seinem warmen Timbre und seiner hohen Musikalität nicht mehr vergessen. Ich höre ihn jeden Tag, er macht das Leben lebenswert. Nur eine Frage habe ich: warum musste dieser einzigartige Sänger so früh sterben. Mir kommen immer und immer wieder die Tränen. Danke, dass er uns seine Seele durch seine Musik geschenkt hat. Danke, Dima.

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    1. Lydia Como

      Ich kann nur jedes Wort unterschreiben, was Sie liebe Frauke geschrieben haben.
      Was ein Charisma, was für eine Stimme, was für ein schöner Mensch.
      Ich habe Ihn vor vor ca. Zwei Jahren mit Netrebko im Fernsehen gehört, natürlich Aufzeichnung.
      Ich war so beeindruckt von Dima, aber ich schätze, dass er vielleicht zu dieser Zeit gerade verstorben war. Er hat einen starken Eindruck bei mir hinterlassen.
      Jetzt erst, vor ca. zwei Wochen habe ich zufällig bei YouTube mitbekommen, dass er gestorben ist, am 22. Nov. 2017. Ich war so traurig.
      Ich sitze jetzt halbe Tage jeden Tag und gucke seine Videos, höre seine Lieder, diese russische gefühlvolle Lieder und mir kommen ständig die Tränen.
      Kann ich mit Ihren Worten auch nur sagen: Danke, dass ich Sie, lieber Dima, jetzt etwas näher kennengelernt habe. Danke für Ihre Lieder.
      Ich habe mir sofort auch eine CD im Internet bestellt.

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  5. Horst Roettgen

    Wenn es ein Duett gibt und das noch von zwei der grossen Stimmen unserer Zeit und Freunden dann
    ist es das Duett aus die Perlen Fischer das in meine Seele geht
    Schade das Dimitri nie mehr singen wird,

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  6. Günther Elm

    Ein wundervoller Sänger, mit einer enormen Ausstrahlung. Seine großartige Stimme mit der er mitgerissen hat begeisternd seine Gestaltungsfähigkeit.
    Er bleibt unvergessen, denn er bleibt im Herzen der Menschen, die ihn gesehen und gehört haben, sei es im Film oder auf CD.
    Wir trauern um diesen sypathischen Künstler, mit seiner Familie.

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  7. PETER RINGWELSKI29313 HAMBÜHREN

    mir kamen die tränen so einmalig isr seine stimme seit sonntag 6 april 2019 bin ich FAN von dmitri an diesem tag zum ersten mal gesehen und gehört bei einem freund ..in der DDR gross geworden auch die russische sprache erlernt werde ich diesen wundervollen DMITRI nicht vergessen!!! noch nie geschrieben

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  8. Elisabetta

    Seine kraftvolle Stimme und sein unglaublicher Charme waren einmalig.
    Ich bin tief betrübt, ist er doch an meinem Geburtstag – 22.11. – verstorben.
    R.I.P.

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  9. Elke Schmitt

    Dimitri Hvorostovsky hat mich mit seiner wundervollen Stimme verzaubert. Er wirkt äußerst sympathisch und ich bin überzeugt, er war auch ein wundervoller Mensch. Ruhe in Frieden Mr. Hvorostovsky.

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