Theo Adam

 

Theo Adam ist tot. Der in Dresden geborene Bassbariton starb am 10. Januar 2019 im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt. Die letzten Jahre seines Lebens hatte er in einem Pflegeheim verbracht. Still war es nie geworden um ihn. Seine Platten sind immer wieder neu aufgelegt worden und gelten immer noch als Referenz, vor allem bei Wagner. Zuletzt hatte Profil Edition Günter Hänssler Ende vergangenen Jahres mit dem Mitschnitt einer Daphne von 1950 aus Dresden überrascht. Der erst vierundzwanzigjährige Adam, der in der folgenden Spielzeit schon selbst zum Peneios aufsteigen sollte, ist einer von vier Schäfern. Unverkennbar in der winzigen Rolle, die meist nur im Quartett zum Einsatz kommt. Seinem Talent, gründlicher Ausbildung und seiner musikalischen Begabung hatte er es zu verdanken, dass er sich nicht sehr lange bei den kleinen Rollen des Anfängers aufhalten musste. Schon gleich zu Beginn seiner langen und glanzvollen Karriere, die ihn um die ganze Welt führte, finden sich Auftritte als Eremit (Freischütz), Don Ferrando (Fidelio) oder Komtur (Don Giovanni). Seine erste im Studio entstandene Aufnahme war 1954 das von Georg Solti geleitete Deutsche Requiem von Brahms mit Lore Wissmann in Frankfurt. Danach nahm ihn die DDR-Schallplattenfirma Eterna unter Vertrag und produzierte sofort Arien aus Mozarts Figaro, den Messias von Händel und Haydns Jahreszeiten. Die erste Liedplatte waren Balladen von Carl Loewe, die bis heute nie aus den Katalogen verschwunden sind, weil sie einen ganz neuen und frischen Ansatz im Umgang mit diesem Komponisten markieren.

Zum 90. Geburtstag von Theo Adam brachte Berlin Classics eine Edition mit einem Querschnitt seiner Plattenaufnahmen heraus. Das Foto oben ist ein Ausschnitt des Covers.

Lieder und Oratorien blieben ein fester Bestandteil seines Wirkens, bei dem sich schon frühzeitig die besondere Eignung für Richard Wagner abzeichnete. Sein Einstieg in das Werk dieses Komponisten war der Seifensieder Hermann Ortel in den Meistersingern von Nürnberg. Noch bevor die im Krieg zerstörte DDR-Staatsoper Berlin 1955 Unter den Linden wieder aufgebaut war, gehörte er zu deren Ensemble. Bei der festlichen Eröffnung des Hauses an alter Stelle mit den Meistersingern machte Adam als Veit Pogner Eindruck. 1968 war er dann erstmals selbst der Hans Sachs. In dieser Rolle ist er mir unvergessen. Er hatte sich Zeit gelassen für die wortreiche Rolle, die er nach intensivem Studium aus dem Effeff beherrschte. War er mit der Schlussansprache zu Ende, hätte die ganze Vorstellung noch einmal von vorn beginnen können. Seine stimmlichen Reserven schienen grenzenlos. Als jung gebliebener Sachs war er eine durchaus ernstzunehmende Konkurrenz für den um Eva werbenden Walther von Stolzing. Diesen Aspekt der Handlung gestaltete er sehr bewegend und überzeugend. Er gab nicht den alten und weisen Schuster, er war vor allem Poet und Träumer. Den Sachs empfand ich auch deshalb immer als seine beste Leistung, weil sie seine Ressourcen genau abbildete. Er musste nie so forcieren wie beispielsweise in den dramatischen Ausbrüchen Wotans in der Walküre, als Holländer oder als Pizarro/Fidelio und Scarpia/Tosca. Beim Sachs floss die Stimme mit dem unverkennbaren goldenen Schimmer, den er sich bis zu einem Abschied erhielt.

Im Studio blieb er nach meinem Eindruck hinter seinem Vermögen auf der Opernbühne etwas zurück. Mir kommt es so vor, als strengte er sich in dem Bestreben an, ja alles richtig und vollkommen zu machen. Dafür zahlte er mit Spontaneität. Eine Eigenschaft, der er mit vielen Kollegen teilt. Für mich war Theo Adam vor allem ein „Bühnentier“. Trotz des Schwerpunktes auf Wagner, der ihn auch nach oft nach Bayreuth führte (Böhms Ring bei Philips), bewahrte sich Adam, der auch selbst inszenierte, ein waches Interesse an zeitgenössischen Werken. In der Uraufführung der Oper Einstein von Paul Dessau gestaltete er 1974 die Titelpartie. Die hundertste Rolle – so auch der Titel eines seiner lesenswerten Bücher – war der Baal in der gleichnamigen Oper von Friedrich Cerha, die erstmals bei den Salzburger Festspielen 1981 gezeigt wurde. Seine Fans werden sich auch gern an den Conférencier erinnern, der bei seiner auch im DDR-Fernsehen ausgestrahlten Unterhaltungsshow „Theo Adam lädt ein“ mit viele internationale Opernstars aufwarten konnte, die wohl auch ihm zuliebe angereist waren. Rüdiger Winter

  1. Henning Beil

    Theo Adam hat in mir -eemeinsam mit der Dvorakova – die Liebe zur Oper erweckt. Ich hatte das Glück, ihn ungezählte Male in der Staatsoper Berlin hören zu können. Neben seinen stimmlichen Qualitäten fiel mir auch immer auf, dass man jedes Wort verstand. Er war ein äusserst kluger Sängerdarsteller. Seine Bücher sollt jeder Opernliebhaber lesen. ich werde ihn nie vergessen

    Henning Beil

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