Harry Kupfer

 

Der bedeutende deutsche Regisseur Harry Kupfer ist tot. Die Komische Oper Berlin schreibt: Wir trauern um Harry Kupfer: Der Tod von Harry Kupfer erfüllt das Ensemble der Komischen Oper Berlin mit großer Trauer. Harry Kupfer war von 1981 bis 2002 Chefregisseur des Hauses und kehrte mit seiner Inszenierung von Händels Poros, die im März dieses Jahres Premiere feierte, erstmals seit 2002 wieder an das Opernhaus an der Behrenstraße zurück. Poros war seine letzte Regiearbeit.

Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur: »Kaum eine andere Künstlerpersönlichkeit war der Komischen Oper Berlin künstlerisch und emotional so tief verbunden wie Harry Kupfer. Seine außerordentlichen künstlerischen Instinkte, sein virtuoses Regiehandwerk, seine leidenschaftliche Art zu kommuni-zieren, seine große Liebe zu Detail und Rhythmus und nicht zuletzt sein einzigartiger, wunderbarer Humor machten ihn zu einem der außergewöhnlichsten und einflussreichsten Musiktheater-Regisseure der vergangenen 60 Jahre. Die Komische Oper Berlin war seine künstlerische Heimat und er wird im Geiste und in unseren Erinnerungen immer bei uns sein. Wir sind zutiefst traurig über den Tod von ‚unserem‘ Harry und senden seiner Familie unser Beileid.

Auf mich persönlich hat kein anderer Regisseur während meines Studiums einen ver-gleichbaren Einfluss gehabt wie Harry Kupfer. Als junger, naiver Student aus Australien sah ich in den 1980er Jahren mehr als ein Dutzend Kupfer-Inszenierungen in Deutschland und im Rest der Welt. Sie haben einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen, den ich bis heute in mir trage.« Harry Kupfer starb am 30. Dezember 2019 in Berlin.

 

Und die tüchtige Wikipedia schreibt: Harry Alfred Robert Kupfer (* 12. August 1935 in Berlin; † 30. Dezember 2019 ebenda[1]) begann seine Karriere in den 1950er Jahren in der DDR. Zunächst studierte er von 1953 bis 1957 Theaterwissenschaft an der Theaterhochschule Leipzig. Danach ging er als Regieassistent ans Landestheater Halle und debütierte dort 1958 mit seiner Inszenierung von Antonín Dvořáks Rusalka. Von 1958 bis 1962 war er Oberspielleiter der Oper am Stralsunder Theater. Die gleiche Funktion erfüllte er von 1962 bis 1966 in Karl-Marx-Stadt unter Operndirektor Carl Riha. Es folgten Engagements von 1966 bis 1972 als Operndirektor am Nationaltheater Weimar und in derselben Funktion von 1972 bis 1981 am Staatstheater Dresden. In die Dresdner Zeit fallen viele wichtige Regiearbeiten Kupfers, mit denen er international bekannt wurde (darunter Schönbergs Moses und Aron und mehrere Uraufführungen von Werken Udo Zimmermanns). 1971 inszenierte er erstmals an der Berliner Staatsoper: Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss. Seine erste Arbeit im Ausland war 1973 Elektra von Richard Strauss am Opernhaus Graz.

Von 1977 bis 1981 hatte Harry Kupfer eine Professur an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden inne. 1981 wurde ihm die künstlerische Leitung („Chefregisseur“) der Komischen Oper in Berlin übertragen. Hier avancierte er zu einem der profiliertesten Opernregisseure Europas und inszenierte unter anderem einen viel beachteten Mozart-Zyklus. 2002 verabschiedete er sich mit der Inszenierung von Benjamin Brittens Oper The Turn of the Screw von der Komischen Oper. Kupfer erhielt für die Inszenierung den Bayerischen Theaterpreis.

Harry Kupfer hat in seiner Laufbahn mehr als 175 Inszenierungen erarbeitet; insbesondere Strauss, Wagner und Mozart gehörten zum Kernrepertoire seines Schaffens. Neben seinem Wirken in Weimar, Dresden und Berlin gastierte er noch zu Zeiten der DDR in Graz, Kopenhagen, Amsterdam, Cardiff, London, Wien, Salzburg, Barcelona, San Francisco, Moskau, Zürich und auch in Westdeutschland. Bei den Bayreuther Richard-Wagner-Festspielen inszenierte er 1978 den Fliegenden Holländer und 1988 den Ring des Nibelungen. Gemeinsam mit dem Komponisten Krzysztof Penderecki schrieb er das Libretto zu dessen Oper Die schwarze Maske (nach Gerhart Hauptmann) und inszenierte die Uraufführung bei den Salzburger Festspielen 1986. Auch in der Sparte Musical war Harry Kupfer erfolgreich. So inszenierte er 1992 das Musical Elisabeth im Theater an der Wien. Am Gran Teatre del Liceu Barcelona inszenierte Kupfer von 2003 bis 2004 erneut Wagners Ring und wurde dafür zum „Besten Regisseur“ gewählt.[2] Zu Kupfers jüngsten Regiearbeiten zählt Der Rosenkavalier, den er 2014 für die Salzburger Festspiele erarbeitete.[3] 2016 wurde die Inszenierung an der Mailänder Scala gezeigt.[4] Seine letzte Inszenierung war im Frühjahr 2019 Händels Poro an der Komischen Oper.[5]

Harry Kupfer arbeitete mit zahlreichen bedeutenden Dirigenten zusammen, darunter Claudio Abbado, Wolfgang Rennert, Gerd Albrecht, Hans Vonk, Herbert Blomstedt, Daniel Barenboim, Rolf Reuter, Sebastian Weigle, Colin Davis, Simone Young und Zubin Mehta. Zu den mit Kupfer arbeitenden Szenografen gehörten u. a. Reinhart Zimmermann, Peter Sykora, Valeri Lewenthal, Wilfried Werz, Hans Schavernoch und Frank Philipp Schlößmann.

Kupfer war Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, der Freien Akademie der Künste Hamburg und Professor an der Berliner Musikhochschule. 2004 wurde er auf Vorschlag von Staatsopernintendant a. D. Hans Pischner zum ordentlichen Ehrenmitglied der Europäischen Kulturwerkstatt (EKW) Berlin-Wien berufen.

Kupfer war mit der Sopranistin und Gesangspädagogin Marianne Fischer-Kupfer (1922–2008) verheiratet; beider Tochter ist die Schauspielerin Kristiane Kupfer (* 1960). Harry Kupfer starb Ende 2019 nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren (Foto Komische Oper Berlin/ Monika Rittershaus)

  1. Dorlit Kuhn-Beckmann

    Harry Kupfer war mein Lehrer zunächst in der Opernschule in Weimar und ab 1981 an der Komischen Oper Berlin, mit dem ich die meisten Inszenierungen als Chorsolistin machen durfte.Vor jeder Probe begrüsste er uns mit:“Na Meisters“ oder Hallo Meisters; obwohl e r doch d e r Meister war! Er bleibt für mich ein leuchtendes Beispiel für Professionalität; Disziplin; liebevolle; ehrliche, stets fordernde Zusammennnarbeit;ohne den Chef rauszukehren! Die Opernwelt verliert einen grossen Streitet für das Musiktheater im Sinne von W.Felsenstein; Meister; du bleibst unvergessen.!

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