Irmgard Arnold ist tot

 

Irmgard Arnold ist tot. Wie erst jetzt bekannt wurde, starb die Opernsängerin bereits am 31. Januar 2014 im 95. Lebensjahr. Sie gehörte über viele Jahre zum Ensemble Walter Felsensteins an der Komischen Oper Berlin, deren Ehrenmitglied sie war. Ihren Ruhm begründete sie als Schlaues Füchslein in der gleichnamigen Oper von Jeos Janácek. Davon hat sich ein Film erhalten, der  beim Label Arthaus zu haben ist. Bei Gastspielen errang sie in dieser Rolle auch international Erfolg. Felsenstein wurde bereits 1950 auf die Arnold aufmerksam, als er eine junge Sängerin für die Frau in Darius Milhauds Einakter Der arme Matrose (Le pauvre Matelot) suchte. Er wurde in Halle fündig,  wo die Sängerin seit 1947 engagiert war.  Zuvor hatte sie als Soubrette an den Bayerischen Landesbühnen München und am Stadttheater Augsburg gewirkt. Debütiert hatte sie als Christel von der Post in Zellers Vogelhändler. Wie bezaubernd sie dieses Fach beherrscht hat, lässt sich in Lortzings Wildschütz nachhören. In dieser Produktion des DDR-Rundfunks von 1951 singt  Irmgard Arnold das Kammermädchen Nanette neben Anny Schlemm als Baronin Freimann. Lieder hat es diese Aufnahme nicht auf CD geschafft. Ihre meisten Tondokumente liegen bis jetzt im Deutschen Rundfunkarchiv, darunter die Georgette im Mantel (Il Tabarro) von Puccini. Anrührend ist ihre Liu in einem Querschnitt durch Puccinis Turandot, der leider seit Jahren vergriffen ist.

Platte ArnoldEine andere wichtige Facette ihres Wirkens waren Lieder von Hanns Eisler, die sie auch live bei Auftritten im Ausland vorgetragen hat. Der Komponist selbst schätze ihre Intelligenz, ihre Anmut, aber auch ihre Härte und ihren Ernst. „Dazu kamen echter Fleiß und der Wille, es immer besser zu machen, der gute Ehrgeiz, der vorwärts treibt“, so Eisler über die Arnold. Während das Füchslein als Film überdauert hat, ist ihre Violetta in Verdis La Traviata –  das berühmte Gegenstück ihrer langen Karriere – als Ganzes nur in der Erinnerung von Zeitzeugen und in Beschreibungen bewahrt. Es dürfte keinen Mitschnitt geben. Dabei soll sie weniger durch ihre stimmlichen Mittel, die auch begrenzt gewesen sind, als vielmehr durch ihre Ausstrahlung  zu einer Wahrhaftigkeit gelangt sein, die das Publikum tief bewegte und erschütterte.

Sehr gern erinnere ich mich an einen Besuch in ihrem Haus am Rande Berlins, der gut sieben Jahre zurückliegt. Ich konnte es mir nicht verkneifen, sie als „die Traviata Felsensteins“ zu begrüßen, was sie wohl sehr gern hörte, denn sie antwortete mit einem spontanen Ausflug in die Höhenlage dieser Partie, die ihr noch immer erstaunlich geläufig gewesen ist. Sie war überaus herzlich, unprätentiös und neugierig. Es gab selbst gebackenen Apfelkuchen und guten Kaffee. Mit sehr wachem Interesse nahm sie noch immer am Berliner Kulturleben teil, das nun nicht mehr in Ost und West geteilt war. Als wir dann gemeinsam in einer Vorstellung des Schlauen Füchslein in der Deutschen Oper Berlin saßen, das Katharina Thalbach bunt, üppig und mit einem gehörigen Schuss Naivität auf die Bühne gestellt hatte, wurde sie sehr still. Es hatte ihr wohl nicht gefallen. Dabei war sie es, die diese Oper in Deutschland einst populär gemacht hatte. (Das private Foto oben zeigt Irmgard Arnold mit dem Autor des Beitrages, das kleine Foto ist das Cover der CD mit Eisler-Liedern bei Berlin Classics).

Rüdiger Winter

  1. Henning Beil

    Als Füchslein war sie sicher kaum zu überbieten. Auch ich war begeistert. Ihre Violetta hingegen habe ich als ziemlich schwer erträglich empfunden, weil die Stimme überhaupt nicht ansprach und der Rolle einfach nicht gewachsen war. Vielleicht war sie an dem Tage auch nicht in Form. Wie auch immer, da fand ich die MUSZELTY doch wesentlich besser besetzt. Arnold war offensichtlich eher Schauspielerin als Sängerin. Mich würden allerdings die frühen Aufnahmen doch sehr interessieren. Das Ensemble der Komischen Oper hatte ehe Zauberflöte mit Kesteren, Schöner und Vulpius aufgenommen. die hätte ich gern, aber leider kann man sie nirgends finden. Herzliche Grüsse – Henning Beil

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