Gérard Mortier ist tot

(Baron) Gérard Alfons August Mortier (* 25. November 1943 in Gent; † 9. März 2014 in Brüssel) war belgischer Opern- und Theaterintendant und künstlerischer Leiter u. a. der Salzburger Festspiele sowie zuletzt des Teatro Real in Madrid (das Foto oben zeigt ihn bei der Pressekonferenz am Teatro Real in Madrid zu Rihms Eroberung von Mexico/(c).Javier del Real / Teatro Real). Mortier war der Sohn eines Bäckers und stammte aus der flämischen Stadt Gent. Er wuchs dort im Muidekwartier auf, einem Arbeiterviertel im Norden der Stadt. Nach Beendigung seiner Schulzeit am Sint-Barbaracollege, einem Jesuitenkolleg in der Savaanstraat, studierte er von 1960 bis 1965 an der Universität Gent Jura und wurde anschließend promoviert. Von 1966 bis 1967 absolvierte er ein Zweitstudium in Kommunikationswissenschaften.

Mortier mit Charles Wuorinen (dem Komponisten von "Brokeback Mountain" im Oktober 2013 in Madrid/Foto © Javier del Real / Teatro Real

Mortier mit Charles Wuorinen (dem Komponisten von „Brokeback Mountain“ im Oktober 2013 in Madrid/Foto © Javier del Real / Teatro Real

Seine Karriere begann er 1968 als Assistent des Direktors des Flandern-Festivals. In den Jahren 1973 bis 1980 leitete er die Betriebsbüros von Christoph von Dohnányi und Rolf Liebermann in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Paris. 1981 übernahm er für zehn Jahre die Leitung der Brüsseler Oper La Monnaie. Gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Sylvain Cambreling entwickelte er ein neues Opernverständnis, modernisierte sie und machte so das Opernhaus international bekannt. 1991 berief man Mortier zum Intendanten und künstlerischen Leiter der Salzburger Festspiele. Er sollte die Festspiele einem jüngeren Publikum erschließen und das Festival programmatisch auf das 21. Jahrhundert vorbereiten. Unter seiner Ära erlebten 25 Opern des 20. Jahrhunderts ihre Aufführung in Salzburg.

Auf Einladung der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen gestaltete er den ersten Zyklus der Ruhrtriennale von 2002 bis 2004. Ab der Spielzeit 2004/05 leitete er bis Juli 2009 die Pariser Oper. Eine Woche vor dem Zusammentreten des Stiftungsrates zur Neubesetzung der Leitung der Bayreuther Festspiele am 1. September 2008 bewarb er sich gemeinsam mit Nike Wagner. Für den Fall eines Engagements in Bayreuth wollte er außerhalb der sechswöchigen Bayreuther Festspiele auch die New York City Opera leiten, hätte Bayreuth im Falle eines Zeitkonflikts jedoch den Vorrang gegeben. Den Zuschlag zur Leitung erhielten allerdings unerwartet einstimmig Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, und die City Opera zog sich ebenfalls zurück.

Ab 2009 sollte Mortier die Leitung der New York City Opera als General Manager und Artistic Director übernehmen. Aufgrund schwerwiegender finanzieller Einbußen der New York City Opera durch die Finanzkrise ab 2007 sah sich Mortier trotz einer zweijährigen Vorbereitung nicht mehr in der Lage, ein künstlerisch anspruchsvolles Programm anbieten zu können, und nahm von der bevorstehenden Leitung Abstand. Im Jahre 2010 übernahm er die Nachfolge von Antonio Moral am Madrider Opernhaus Teatro Real.

Mortier starb im Alter von 70 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs, welcher im Jahr davor diagnostiziert worden war.

Auszeichnungen: Gérard Mortier war Mitglied der Akademie der Künste Berlin. 1991 Commandeur in de Kroonorde, Brüssel; 1991 Großes Bundesverdienstkreuz; Ehrendoktor der Universität Antwerpen; Ehrendoktor der Universität Salzburg; Träger des Ehrenzeichens Belgien und Bundesrepublik Deutschland; Commandeur der Arts et des Lettres in Frankreich; 2002 Silberne Mozartmedaille der Internationalen Stiftung Mozarteum (ISM); 2005 Chevalier de l’ordre de la Légion d’honneur (Wikipedia)

https://de.wikipedia.org/wiki/Gérard_Mortier

 

Zudem ist bei Metzler Gérard Mortiers letztes Buch in deutscher Übersetzung erschienen (eine Rezension folgt) : Oper mit Leidenschaft – Gérard Mortier zieht die Bilanz seines Lebens für das Musiktheater: Gerard Mortier: Dramaturgie einer Leidenschaft. Für ein Theater als Religion des Menschlichen. Aus dem Französischen von Sven Hartberger. Bärenreiter-Verlag / Verlag J. B. Metzler 2014. ISBN 978-3-7618-2060-5. 126 Seiten. € 24,95.