Kunst mit Masken? Nein Danke!

 

Lange haben wir gezögert, unsere Position zur gegenwärtigen Situation der Kunstszene und vor allem der Live-Aufführungen zu formulieren, zu erklären, warum wir bislang so gut wie keine Rezensionen von Live-Aufführungen an den Theatern gebracht haben. Nun hat die neue Saison 2021/22 begonnen und wir erklären, warum wir unsere Enthaltung auch in dieser Periode beibehalten werden.

Die Redaktionsmitglieder – nicht unbedingt die Korrespondenten – sind der Ansicht, dass uns Oper unter diesen gegenwärtigen Hygienumständen keinen Spaß macht. 5 Stunden Walküre mit Masken in einem halb gefüllten Zuschauerraum ist erstens extrem unangenehm zu ertragen (und die Neigung zu Lippen- oder Nasenherpes wird durch die stets eingeatmete feuchte Eigenluft gefördert). Und weiß man, wer drei leere Plätze weiter neben einem sitzt? Frisch getestet? Ist darauf Verlass? Es ist dies eine deprimierende Veranstaltung, auch für die Künstler bedrückend. Und sie ist drittens ungesund besonders für Argumenten-Resistente Nicht-Geimpfte (und durchaus einigen Geimpfte) wegen der Aerosole, die natürlich in der kaum gefilterten Luft herumschwirren. Auch in sehr hohen Theatersälen. Die verfügen ja nicht oder nicht ausreichend wie Flugzeuge über gute, virentötende Filteranlagen.

Solange die Theater nicht auf eine 2-G-Politik wie in Berlin (Clubs) oder Hamburg (viele locations) ohne Masken umschwenken werden wir auf Berichte der Live-Szene verzichten. Masken sind keine Lösung. 2G schon, selbst wenn hier ein kleines Restrisiko bleibt. Aber eben nur ein ganz geringes, einkalkulierbares.

Ganz ehrlich: Wenn wir als verantwortungsvolle Bürger das Risiko einer Doppelimpfung auf uns nehmen (und auch ja nicht mit absoluter Sicherheit wissen, was für Folgen das für unseren Körper hat), dann wollen wir von anderen diese Risikobereitschaft und eben Solidarität auch verlangen. Wir wollen nicht jene subventionieren, die uns potenziell bedrohen. Ganz einfach so. Deshalb keine staatlich bezahlten, mehr als unsicheren Tests mehr, sondern Zugang zur Kunst nur mit Impfung oder Genesung. (Ausnahmen nur gegen Attest.)

Natürlich lieben uns die Theater deswegen nicht, manche Leser auch nicht. Und wie bei jeder starken Überzeugung sollte es Ausnahmen geben. Bei ganz besonders seltenen, wichtigen  Operntiteln werden wir eben Ausnahmen machen, bei wenigen unserer Auswahl. Die ist sicher subjektiv, aber so ist das mit Auswahlen ja immer. Und dafür sind wir ja auch die Redaktion.

Unsere Bitte um Verständnis deshalb an die Opernhäuser und Konzertveranstalter und natürlich an unsere Leser. Nicht alle werden mit unserer Meinung einverstanden sein, aber so ist das eben im Leben. 2 G ist das Wort der Stunde, auch für die Kunst. Geerd Heinsen

 

  1. Matthias Käther

    Viel Wahres dran – Ich möchte allerdings an dieser Stelle ergänzen, daß in vielen Theatern – zumindest in der Saison 2020 – viel Abstand eingehalten wurde – und die Maske am Platz – und nur dort – während der Vorstellung abgenommen werden durfte. Eher gelitten habe ich unter stark gekürzten Versionen (wo man nicht länger als 1 Stunde spielen durfte) oder „redizierten Orchesterfassungen“ (will man das?). Ich glaube aber – und so habe ich es persönlich erlebt – diese ganzen Vorstellungen waren quasi bei aller Qual emotionale „Platzhalter“ – man geht hin, weil sich die Zuschauer nach Oper sehnen und die Künstler auch. Daß es dabei mehr um Durchhalte-Häppchen geht als um vollwertige Kost, ist, denke ich, allen klar.

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  2. Thomas Roth

    Da stimme ich mit Ihnen ganz überein.
    Sogar die zwei Hauptstützpfeiler des Jahres bei mir als Alt-Wagnerianer sind gefallen.
    Einer davon ist die hervorragende Parsifal-Inszenierung in Mannheim, die ich bereits acht Mal besuchte. Es kam so gut wie keine andere außer Budapest mit (Dresden, Leipzig, Darmstadt, Kassel …) – bald kommt eine vierjährige Umbaupause (in Mannheim), ich werde also theoretisch das Werk erst wieder sehen können, wenn ich in Rente bin, wenn ich dann noch kann…aber es ist ja so oder so eher für Alt-Wagnerianer 🙂

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