Opernwunder à la Francaise

Seit ein paar Jahren freuen sich Fans der französischen Oper über die Ausgrabungen  im Gefolge der Sponsorentätigkeit des franco-italienischen Palazetto Bru Zane, benannt nach dem Wohnsitz der Prinzipalin Florence Aliberti, die von ihrem wissenschaftlichen Direktor Alexandrr Dratwicki, selber Musikwissenschaftler von Rang, zu dieser einmaligen Aktion zur Förderung der französischen Oper des 17. bis 20. Jahrhunderts begeistert werden konnte. Bei Operalounge.de gibt es bereits die Rezensionen zu den verfügbaren CDs, und als passionierte Liebhaber eben dieser Gattung werden wir auch weiterhin ein liebevolles Auge auf die CD- und Buch-Ausgaben auf den verschiedenen Labels und dem Eigenlabel Ediciones Singolares haben. Nachstehend eine Zusammenfassung der Ziele des Palazetto Bru Zane und ein paar Fragen an das Topgespann Florence Aliberti und Alexandre Dratwicki. G. H.

Der Ort: Die Geschichte des Casino Zane beginnt 1695, als Marino Zane beschließt, nur wenige Meter vom als Familiensitz dienenden Palazzo Zane entfernt ein „kleines“ Vergnügungspalais errichten zu lassen. Das Geschlecht der Zane, das dem Hause der „Vipzanii nobilissimi“ im alten Rom entstammte, war zunächst nach Padua und dann in die Lagunenstadt übergesiedelt, wo es in die venezianische Oberschicht aufgenommen wurde. Domenico Zane, auch „geistreicher Perikles des Vaterlands“ genannt, ist Gesandter in Österreich und Spanien und erteilt im Jahr 1665 Baldassare Longhena den Auftrag, die Fassade des Palazzo Zane, wo die Familie wohnt, zu restaurieren. Da er ohne direkte Nachkommen stirbt, hinterlässt er sein Erbe seinem Neffen Marino, der ein leidenschaftlicher Bücherfreund, Porzellan- und Gemäldesammler sowie Verwalter des Teatro San Moisè ist. Aufgrund dieser künstlerischen und kulturellen Neigungen plant

Der Palazzo Bru Zane

Der Palazzo Bru Zane/PBZMarino Zane, wenige Meter vom Palazzo Zane entfernt ein Bibliotheks- und Vergnügungsgebäude errichten zu lassen, und beauftragt den Barockarchitekten Antonio Gaspari damit. Es sollte ein intimer und abgeschiedener Ort geschaffen werden, faktisch und gedanklich getrennt von den Räumen im Hauptpalast, die offiziellen und repräsentativen Charakter hatten. Neben einem üppigen französischen Garten (der heute leider nicht mehr existiert) lässt man daher in unmittelbarer Nähe des Palazzo Zane das Casino und die Bibliothek bauen, wobei Letztere an der linken Seite des Gartens entlangführt und zusammen mit dem Casino einen L-förmigen Grundriss bildet. Für die Innenausstattung verpflichtet Marino Zane die renommiertesten Künstler der damaligen Zeit. Von dem Maler Sebastiano Ricci, der europaweit tätig ist und wegen seines auserlesenen spätbarocken Kunstverständnisses von den venezianischen Patriziern geliebt wird, stammen die beiden wichtigsten Fresken: „Die Zeit raubt die Wahrheit“ im Treppenaufgang und „Herkules zwischen Gloria und Tugend“ an der Gewölbedecke des Hauptsaals. Beide Sujets sind Allegorien auf die Verdienste und die Unerschrockenheit des Auftraggebers. Riccis Werk sind außerdem die einfarbigen Medaillons an den vier Seiten der Decke, auf denen die mythologischen Gottheiten dargestellt sind, die für die vier Elemente stehen: Merkur und Diana (Erde), Amphitrite und Neptun (Wasser), Juno und Pan (Luft), Herkules und Zeus (Feuer). Die malerische Ausschmückung wird ferner durch die Fresken des aus Bologna stammenden Quadraturmalers

paLAZETTo DAVIDFerdinando Fochi bereichert: Scheinarchitekturen, Säulen, Blumenvasen und insbesondere zwei Statuen im Treppenhaus, die die Tugenden „Gerechtigkeit“ und „Vorsicht“ darstellen. Die reichen Stuckverzierungen stammen von dem Tessiner Künstler Abbondio Stazio und seinem Mitarbeiter Andrea Pelli.Die Holzbalustrade des Hauptsalons, die außen mit floralen Einlegearbeiten verziert ist, wurde wahrscheinlich von dem Belluneser Holzschnitzer Andrea Brustolon, dem „Michelangelo des Holzes“, geschaffen: Als Urtyp einer Bühne konzipiert, bot sie Platz für Musikerensembles, die sich an ihren Seiten aufstellen konnten. Der Hauptsaal greift die typische Struktur des venezianischen „Portego“, des weiträumigen zentralen Saals auf, in den die anderen Räume münden. Nach der Ära der Zane und mehrmals wechselnden Eigentümern wird das Casino vom Palazzo, heute Sitz des Istituto Tecnico Livio Sanudo, getrennt. Nachdem der Palazzetto mit Ausnahme des einstmals als Bibliothek dienenden Bereichs (heute Privatwohnungen) in den Besitz der Marquis Taliani übergegangen war, wird er von Erzherzog Dominic von Habsburg-Lothringen übernommen und schließlich 2006 von der Bru-Stiftung erworben.

bach amadis2007 begann die Stiftung dann mit umfangreichen Restaurierungsarbeiten, wobei sie ein doppeltes Ziel verfolgte: dem Gebäude wieder den Geist der damaligen Zeit einzuhauchen und einen Ort der Musik zu schaffen, jener Kunst, für die er ursprünglich bestimmt war. Die Stiftung „Palazzetto Bru Zane – Zentrum für französische Musik der Romantik“ wurde 2008 eigens zu dem Zweck gegründet, diesen Ort durch die Musik mit neuem Leben zu erfüllen. Die Restaurierungsarbeiten erfolgten nach einem detaillierten Plan, bei dem die Akustik und die Notwendigkeit, das Gebäude anlässlich von Konzerten, Konferenzen, Einspielungen usw. für Künstler und Besucher zu öffnen, eine zentrale Rolle spielten. Bei der Restaurierung des Gebäudes wurden alle Aspekte berücksichtigt: von der Säuberung der Fresken bis zur Anpassung der Tragwerkskonstruktion (insbesondere der Fundamente und des Dachs). Es wurde ein Probensaal mit einer Wand aus beweglichen Platten geschaffen, die innen vollständig  mit Samt verkleidet sind, damit die Schallabsorption entsprechend den Erfordernissen der Musiker reguliert werden kann. Der Konzertsaal, der über 99 Plätze verfügt, wurde zu einem idealen Musikraum für Kammerkonzerte gestaltet.

Zum Unternehmen

Alexandre Dratwicki

Alexandre Dratwicki/PBZ

Forschung: Dank stetiger Recherchen können im Rahmen der Forschung in Vergessenheit geratene oder unveröffentlichte Partituren wiederentdeckt werden. Bei der Forschungsarbeit, die in Partnerschaft mit Musikwissenschaftlern erfolgt und durch internationale Einrichtungen präsentiert wird, steht der unmittelbare Kontakt zu den Nachfahren der Komponisten des 19. Jahrhunderts im Vordergrund. Die wissenschaftliche Arbeit findet ihren konkreten Ausdruck in der Durchführung von Symposien und Studientagen sowie in der Digitalisierung und Katalogisierung wertvoller Sammlungen.

Florence Aliberti/PBZ

Florence Aliberti/PBZ

Herausgabe von Büchern und Tonträgern: Dank der verlegerischen Tätigkeit können der breiten Öffentlichkeit eine umfassendere Kenntnis des Repertoires der Romantik vermittelt sowie eine genauere Analyse hierzu nahegebracht werden. Mit der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Texten und Taschenbuchausgaben schafft das Zentrum die Möglichkeit, auch in anderen Bereichen als der Musikwissenschaft an den Überlegungen  von Wissenschaftlern teilzuhaben, nämlich in der Literatur, der Unterhaltungskunst und der Kunstgeschichte. Parallel dazu ermöglicht es die Herausgabe von Partituren, die größtenteils nie veröffentlicht wurden, seltene und ursprüngliche Werke in die Programme aufzunehmen. Schließlich sorgt eine konsequente Strategie von Werkeinspielungen dafür, dass das künstlerische Ergebnis der umgesetzten Vorhaben auf Tonträgern festgehalten  wird.

Nicole Bru unterstützt großzügig das Unternehmen/PBZ

Nicole Bru unterstützt großzügig das Unternehmen/PBZ

Opern und Konzerte: Aufgrund der Entscheidung, Kontakt zu Künstlern in aller Welt aufzunehmen, um zusammen mit ihnen attraktive Programme aufzustellen und dabei die interpretatorischen Besonderheiten jedes Musikers  zu berücksichtigen, kann der Palazzetto Bru Zane in jeder Saison eine breite Palette an Werken anbieten – von Kammermusik bis hin zu Sinfonien und Opern. Jedes Jahr gibt es einige Leitthemen, die einen repräsentativen Überblick über eine Epoche, ein musikalisches Genre oder über das Oeuvre eines unbekannten Komponisten vermitteln. Da die vom Palazzetto geplanten Konzerte auf internationaler Ebene aufgeführt werden, können ein deutlich breiteres Publikum erreicht und erheblich mehr kulturelle Einrichtungen einbezogen werden, wodurch die Arbeit der Künstler eine größere Wertschätzung erfährt. Die Programme „außerhalb der Stadt“, die in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen entstehen, festigen und bereichern das Netz der Partnerschaften, die von China über Kanada bis hin zu den osteuropäischen Ländern reichen.

palazetto bücherWettbewerbe und Ausbildung: Junge Talente werden über Ausbildungsprojekte und internationale Wettbewerbe in die Programmplanung des Palazzetto einbezogen und nutzen ihn somit als Sprungbrett für ihren Einstieg ins Berufsleben. Im Rahmen dieser Projekte werden die jungen Künstler mit der Wirklichkeit des zeitgenössischen Musiklebens konfrontiert. Dabei können sie sowohl ihre Kritikfähigkeit schärfen als auch ihre Persönlichkeit entfalten: Da sie mit Werken in Berührung kommen, für die noch keine musikalische Interpretationstradition besteht, müssen sie in sich selbst Inspiration und Überzeugung finden.

Und nun ein paar Fragen an Florence Aliberti und Alexandre Dratwicki

palazetto danaidesWelche Neuheiten erwarten uns in der Saison 2013-2014 in VenedigF.A.: Für den Palazzetto Bru Zane als venezianische Stiftung spielt es eine große Rolle, fest in der Serenissima und der Region Venetien verwurzelt zu sein und demzufolge dem Publikum während des ganzen Jahres offen zu stehen. In Venedig, wo sich die Arbeit gegenwärtig auf zwei Festivals konzentriert, finden deshalb die ganze Saison über Aktivitäten statt. An die Stelle des Festivals Le salon romantique, das im Februar stattfand, treten von November bis März verschiedene Musikveranstaltungen, und die beiden Themenfestivals bilden die Höhepunkte zu Beginn und zum Abschluss der Saison: Das Herbstfestival 2013 wird Charles-Valentin Alkan gewidmet sein, und im Mittelpunkt des Frühjahrsfestivals 2014 wird Félicien David stehen.

Zu den Konzerten im eigentlichen Sinne gesellen sich außerdem ein Konferenzzyklus und Bildungsprojekte, die sich bereits 2012-2013 bewährt haben. Der Erfolg, den wir mit den Workshops und Konzerten für die Schulen erzielt haben, bestärkt uns darin, diese Strategie der Öffnung und Sensibilisierung weiterzuverfolgen: In der vergangenen Saison kamen 1180 Schüler aus ganz Venetien in den Palazzetto, um Magnard, Gouvy oder Vierne zu hören!

Können aus der bisherigen Arbeit bereits wichtige Lehren für die Forschung und für das Repertoire gezogen werden? A.D.: Tatsächlich kommen uns die Erfahrungen mit Dutzenden von Werken, die uns unter optimalen Bedingungen und gelegentlich in unterschiedlichen Interpretationen zu Gehör gebracht wurden, allmählich zu gute. Das verpflichtet uns heute, eine Auswahl zu treffen, auf deren Grundlage die interessantesten Werke auf besondere Weise  zur Geltung gebracht werden können, damit sie auf Dauer in das Konzertrepertoire aufgenommen werden. Diese Auslese, die in allen musikalischen Gattungen (Quartett, Trio, Sonate, Sinfonie usw.) vorgenommen wurde, erlaubt es uns, Künstlern mit hohem Anspruch schriftliches Material zu bieten, das sie auf jeden Fall zu schätzen wissen werden. Sie ist aber auch insofern wertvoll, als sie als Grundlage für Programme bei internationalen Wettbewerben dient. Und schließlich möchten wir diese Auswahl nutzen, indem wir sie für „Palazzetto Bru Zane“-Wochenenden oder Festivals in anderen Ländern empfehlen, wie zum Beispiel für das neue Pariser Festival, das im Juni 2013 im Théâtre des Bouffes du Nord begann.

Bühnenbild zu Massenets Oper "Le Mage", neu vom Palazetto auf Ediciones Singolares

Bühnenbild zu Massenets Oper „Le Mage“, neu vom Palazetto auf Ediciones Singolares

Wie weit sind die zahlreichen Kooperationsbeziehungen gediehen, von denen einige bereits 2009 geknüpft wurden? F.A.: Eine fünfte Saison ist der ideale Zeitpunkt, um eine Bilanz der Partnerschaften zu ziehen, die für den Palazzetto Bru Zane von grundlegender Bedeutung sind, da er über keinen eigenen Saal für die Aufführung von 3 Sinfoniekonzerten oder Opern verfügt. Alle Partner, mit denen wir in der ersten Saison zusammengearbeitet haben, sind uns erhalten geblieben: Hier wären, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, die Accademia Nazionale di Santa Cecilia, das Bologna Festival, die Opéra Comique, Piano aux Jacobins, das Festival Berlioz, Moselle Arts Vivants, La Salle philharmonique Lüttich, die Opéra de Lille u. a. zu nennen. Der Palazzetto Bru Zane wertet diese Treue als Beweis dafür, dass es sich hier nicht um veranstaltungsgebundene oder prinzipienlose Kooperationen, sondern vielmehr um Partnerschaften handelt, die auf  einem gemeinsamen und grundlegenden Interesse an dem Repertoire beruhen. In Deutschland und Österreich zählen die Deutsche Oper, das Theater an der Wien, der Musikverein und das Wiener Konzerthaus, die Staatskapelle Berlin und das Institut Français Berlin und in Großbritannien das London Philharmonic Orchestra, die Royal Festival Hall u. a. zu den Partnern der gegenwärtigen Saison. In eben diesem Sinne wird die 2011-2012 mit den Ländern des deutschsprachigen Raums auf den Weg gebrachte Aufführungsstrategie fortgeführt, während sich auch im Vereinigten Königreich eine gewisse Entwicklung abzuzeichnen scheint.

"Les barbares" von Saint-Saens kommt vom Palzetto heraus - hier eine zeitgenössische Zeitungsdarstellung/OBA

„Les Barbares“ von Saint-Saens kommt vom Palazetto heraus – hier eine zeitgenössische Darstellung/OBA

Wie kann erreicht werden, dass eine solche Tätigkeit bleibende Spuren  hinterlässt? A.D.: Im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht u. a. das Bestreben, dafür zu sorgen, dass die wiederentdeckten Werke nicht erneut in Vergessenheit geraten, denn das würde bedeuten, dass in einigen Jahren wieder bei Null begonnen werden müsste. Folglich wird den audiovisuellen Medien Priorität eingeräumt: Der Palazzetto Bru Zane  führt seine Partnerschaften im Tonträgerbereich mit etwa 30 Labels fort – hier wären die jüngsten bzw. demnächst bevorstehenden Aufnahmen von Cherubinis Lodoïska bei Naïve-Ambroisie, Vogels La Toison d’or bei Glossa und Gossecs Thésée bei Ricercar zu nennen –, baut aber parallel dazu seine Buchreihen mit CDs weiter aus. Nach den Reihen „Prix de Rome“ (bisher vier Bände) und „Opéra français“ (in der vor kurzem Renaud von Sacchini erschien und nun Le Mage von Massenet herausgebracht wird) ist eine neue Reihe mit Portraits von Komponisten in Vorbereitung. Dabei handelt es sich um eine zweisprachige Buchreihe mit jeweils drei CDs, die einen vielfältigen Überblick über das Schaffen eines Komponisten geben sollen: sinfonische Musik, Opernmusik, Kammermusik usw. Darüber hinaus wird eine Datenbank erstellt, in der eine Unmenge an Informationen im Zusammenhang mit den verschiedenen Aktivitäten des Palazzetto Bru Zane gespeichert und gebündelt und somit allen zur Verfügung gestellt wird.

Der Komponist Théodore Gouvy/Wiki

Der Komponist Théodore Gouvy/Wiki

Warum wurde 2013 zum Beispiel Théodore Gouvy ein Festival gewidmet? Wir fanden es spannend, mitten im Wagner-Jahr einen französischen Komponisten vorzustellen, der im Herzen und im Geiste sein ganzes Leben lang „deutsch“ war, ohne sich jedoch vom Wagnerismus beeinflussen zu lassen. Damit wollten wir eine bewusste unabhängige Entscheidung treffen und keine Kontroverse auslösen. Gouvy war als Bewunderer von Schubert, Mendelssohn, Schumann und Brahms der einsame Held der absoluten Musik, ein großartiger Nachfolger von Onslow. Beide maßen sich nicht an der Opernkomposition und wurden deshalb von der Pariser Gesellschaft geächtet. Andererseits wechselte Gouvy zwischen der Provinz und dem Ausland hin und her, wo die Musikkritiker gnädiger  waren. Das Schaffen dieses Komponisten umfasst daher viele Werke, die von höchstem Interesse sind. Und die Vielfalt der Genres, in denen sich Gouvy versucht, macht ihn zu einer idealen Zentralgestalt für ein Festival, bei dem die verschiedenen Ansätze zelebriert werden: Streichquartette und -quintette, Sinfonie, Kantate, Klaviermusik, Stück für große Bläserensembles, Klaviertrio und -quintett.

wagner holländer minkowskiAuf welche Bereiche wird sich die Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen in Deutschland konzentrieren? Der Palazzetto Bru Zane ist bestrebt, seine Aktivitäten in Deutschland und Österreich in der Saison 2012-2013 auszuweiten und verschiedenartige  Partnerschaften einzugehen: Wir wollen mit Musikern und Orchestern (in Berlin, Wien, München, Hamburg, Dresden, Nürnberg, Gießen usw.) und mit wichtigen Einrichtungen wie dem Musikverein, dem Konzerthaus und der Oper in Wien oder der Deutschen Oper Berlin zusammenarbeiten. Aber auch die Ausbildungsprojekte (wie das mit der Bauhaus-Universität Weimar) und das Institut Français Berlin, das sich der Pflege dieses Repertoires angenommen hat, dürfen nicht vergessen werden. Wir konnten auf Anhieb feststellen, was in Paris oft bedauert wird: Die französische Musik wird in den Nachbarländern Frankreichs (insbesondere in Großbritannien und Deutschland) positiver aufgenommen als in Frankreich selbst. Und so konnten wir einzigartige Neuerungsprojekte ins Auge fassen wie die Oper Le Vaisseau fantôme (Das Geisterschiff) von Dietsch, die innerhalb von wenigen Tagen von zwei verschiedenen Künstlerensembles im Wiener Konzerthaus und im Konzerthaus Berlin aufgeführt wurde (in Wien und Versailles zusammen mit dem Holländer 1841 unter Minkowski, später auch in Barcelona).

Der Start der neuen Editionsreihe L’Opéra français mit Büchern und CDs muss ohne jeden Zweifel als wichtigstes Ereignis der vergangenen Saison betrachtet werden. Die Originalität des Weges, der  hier eingeschlagen wurde, zeigte sich bereits an  den ersten beiden Titeln – Amadis de Gaule und La Mort d’Abel. Darüber hinaus sei der vierte Band unserer Reihe „Musique du prix de Rome“ erwähnt, der Max d’Ollone gewidmet ist. Was die Bücher angeht, so setzen wir unsere verlegerische Arbeit mit zahlreichen wichtigen Veröffentlichungen wie dem Dictionnaire des théâtres parisiens von Nicole Wild oder der Herausgabe einer unveröffentlichten Schrift von Castil-Blaze mit dem Titel Histoire de l’opéra-comique fort. Weitere Veröffentlichungen sind geplant, wie oben erwähnt.

(Dank an Ulrike Wilkens von OPHELIAS Culture PR; letter@ophelias-pr.com und BRU-ZANE.COM)

 

vogel toison d´orAusblick für das nächste Jahr: Wagners und Dietschs Doppelfeature ist bereits auf dem Markt bei naive, Vogels Toison d´or kommt bei Glossa in Kürze. Ebenfalls Le Mage von Massenet vom Radio Festival Montpellier aus dem letzten Jahr bei Ediciones Singolares.

Spannend wird das nächste Jahr 2014, in dem viele Buchveröffentlichungen geplant sind. So ist eine der Opernaufführungen (und natürlich auch Konzerte und Schwerpunkte – hochwillkommen für die aficionados )von Félicien David, dem im kommenden Jahr vom 5. April bis zum 17. Mai ein Festival an verschiedenen Spielorten in Venedig gewidmet ist: Le Saphir in der Fassung für neun Instrumente und Gesangssolisten unter Julien Chavin sowie Klaviermusik von ihm und anderen aus der Folge. Ebenfalls die gesamten Streichquartette. In Venedig gibt’s es am 12. April Davids Mélodies orientales et briese orient, während in Paris/Cité de la Musique sein Gesangsstück Le Desert zur Aufführung kommt (am 6. Mai). Im Schlosstheater 

david 1von Versailles gibt es am 8. März Davids Oper Herculaneum mit Véronique Gens u. a. unter Niquet, am 20., März in Sofia seinen Moise au Sinai (dto. am 4. April in Thessaloniki). Und bei Radio Festival von Montpellier wird im August Christoph Colombe unter Francois-Xaviér Roth gespielt. All dies erreicht uns dann als Mitschnitte auf den diversen CD-Labels. (Dazu ebenfalls als Information: Die in New York und Washington im Januar 2013 aufgeführte David-Oper Lallah-Roukh von der Opéra Lafayette erscheint bei Naxos, ebenfalls ein Projekt des Palazetto Bru Zane.)

Weiterhin gibt’s es 2014 absolute goodies: von Théodore Dubois wird dessen Hamlet konzertant beim  Festival Classica in Monteregie unter Jean-Claude Malgoire aufgeführt, Grétrys Guillaume Tell gab es bereits an der Opéra de la Wallonie und kommt als CD heraus (Claudio Scimone), Nicola Piccinnis Atys aus der Abbaye-Ecole Sorèze unter Julien Chauvet ist bereits im Anrollen. Von Berlioz kommen Béatrice et Bénedict  vom vergangenen August in La Côte-Saint-André unter Roth; ebenfalls der französische Orphée in der Berlioz-Fassung mit Marianna Pizzolato unter Chalvin von der derselben location im vergangenen August, im Oktober 2013 gibt/gab es die Troyens in Wien mit einer rein russischen Crew unter Valery Gergiev. Und Christophe palazetto mozartRousset dirigiert in einem Mitschnitt vom November 2013 in Versailles Salieris großartige Oper Les Danaides mit dem prachtvollen griechischen Bass-Bariton Tassis Chrstoyannis. Ebenfalls im November kommt aus der Salle Pleyel in Paris Mozarts Mysterien der Isis unter Niquet, Offenbachs Fantasio im Dezember aus London unter Mark Elder (ein Unternehmen der Londoner Opera Rara), von Delibes dann im Januar 2014 dessen Lakmé unter Francois-Xaviér Roth an der Pariser Opéra-Comique. Und wer kennt Les Barbares von Saint-Saens? Die kommen vom 14./16. Februar 2014 aus Saint-Etienne (Laurent Campellone dirigiert eine gute Besetzung, angeführt von Kate Aldrich).  Pelléas et Mélisande gibt es im Februar in Paris, Das Herculanum unter Niquet erreicht Versailles am 8. März. Von Halévy spielt man in Avignon am 18. April dessen Oper Le Dilettante d´Avignon unter Michel Piquemal, und von Charles Lecocq hört man die comique Ali-Baba unter Jean-Pierre Haeck. Das Ballett La Fille mal gardée von Hérold gibt’s in Avignon im Juni unter Favcal Karoui. Und schließlich als Leckerl zum Schluss: Les Huguénots von Meyerbeer aus Nürnberg unter Guido Johannes Rumstadt ebenfalls im August (Juni 15, 17, 22, Juli 2, 14) – ob es nun alle genannten Titel auf die CD schaffen, mag man noch nicht sagen, aber die seltenen allemal. G. H.