Zum Nationalfest

 

Im Rahmen der Feierlichkeiten des monegassischen Nationalfests wurde Adriana Lecouvreur, Oper in 4 Akten von Francesco Cilea, auf den Spielplan der Oper von Monte-Carlo gesetzt. Drei Aufführungen, deren letzte nach der kraftvoll von den Chören der Oper von Monte-Carlo (Stefano Visconti) gesungenen Nationalhymne am Sonntag, dem 26. November im Grimaldi Forum stattfand. Diese neue Produktion, in Koproduktion mit der Oper von Saint-Étienne und der Oper von Marseille, kontrastierte buchstäblich in ihrer einfachen mit der kühneren Version der Oper von Nizza im Jahr 2014. Es war wohl deshalb so, weil im ganzen 4. Akt Sarah Bernhardt gehuldigt werden sollte.

Der unzweifelhafte Erfolg dieser Adriana Lecouvreur ist in erster Linie der klug ausgearbeiteten Dramaturgie von Davide Livermore (Inszenierung und Bühnenbild) zu verdanken und dem Designerstudio Gio Forma, geleitet von Cristiana Picco, Florian Boje und Claudio Santucci:  Unterstützt durch die äußerst eleganten Kostüme von Gianluca Falaschi und die Lichteffekte von Nicolas Bovey, schafft die Arbeit des künstlerischen Direktors des Palau des arts Reina Sofia in Valencia eine eindrucksvolle Szenographie, deren Bewegungen nie die dramatische Intensität des Werks stören. Alles bleibt im Gleichgewicht, das durch diese ständige Rotation zwischen dem Ort und der Theaterszene hervorgerufen wird — „Life is like a poor actor who struts and worries for his hour on the stage and then is never heard from again,  Macbeth“   – und in der Genauigkeit der Bewegungen, die der psychologischen Darstellung der Charaktere dienen. Vielleicht stört uns ein wenig die Rückkehr zu statisch in der Mitte der Szene interpretierten Arien zum Zwecke de größeren Effekts.

 

„Adriana Lecouvreur“ in Monte-Carlo/ Szene/ Foto Alain Hanel

Man erlebte mit Vergnügen als Dirigenten (erinnern wir uns an Stiffelio zum Abschluss der Saison 2013 auf dem Hügel oder an La Wally, die im Jänner 2016 in Monte-Carlo gespielt wurde) Maurizio Benini, dessen oft fiebriges, präzises Dirigat mit dem philharmonischen Orchester von Monte-Carlo die weitesten und großzügigsten musikalischen Höhenflüge schafft. Es werden für unser Gehör diese unmerklichen Erinnerungen an andere Werke hervorgehoben: Mehr als einmal hören wir Tosca von Puccini, die zwei Jahre davor entstand (1900) und sogar eine Passage aus Manon (1884) von Jules Massenet, deren Premiere am 6. November 1902 am Teatro Lirico von Mailand stattfand.

Barbara Frittoli  in der Titelrolle eröffnet uns den bewegenden Lyrismus einer großen Tragödin, deren klares und angenehmes Timbre dennoch seine Grenzen kennt in den durch das starke Vibrato nicht gut geführten Höhen. Wenn in der ersten Arie „Io son l’umile ancella“ eine wunderbare Lyrik über das Spinto vorherrscht, ebenso wie für das finale „Poveri fiori“, so hält ihre Gesangslinie, ungeachtet eines großartigen hohen Tons in „Quelle lâcheté!“ im 2. Akt, in den Duetten mit Roberto Alagna kaum durch, wo ihre Stimme zu oft fast unhörbar wurde. Der Tenor überwältigt, wenn würde es wundern, alles: von der kürzlichen Carmen an der Bastille 2017 oder dem Liebesfeuer am Palais Princier 2014, um nur zwei Beispiele zu nennen aus zwei grundverschiedenen Tonregistern, Roberto Alagna gibt mit seiner gewohnten Leichtigkeit in seinem kraftvollen Ton die ganze Spannweite, das Feuer und die Weichheit der Gestalt Maurizios, des Herzogs von Sachsen.

Und nun auch einmal ein Foto unserer tapferen und stets arbeitswilligen Übersetzerin Ingrid Englitsch aus Wien – Danke!

Aber er findet in dem Bariton Alberto Mastromarino einen seriösen Gegenpart, der einen Michonnet, einen höchst überzeugenden Theaterregisseur gibt: kraftvoller Gesang, technisch tadellos und vor allem bewegend in seinem „Ecco, il monologo“ im 1. Akt, und noch mehr in seinem „Taci, mio vecchio cuor“ im 4. Akt. Die Mezzosopranistin Marianne Cornetti versteht es, stimmlich den Zorn und die Eifersucht der Prinzessin von Bouillon auszudrücken, trotz ihres monochromen Timbres in ihrer großen Arie am Beginn des 2. Akts.

Würdigen wir auch die anderen Leistungen, die viel zum Erfolg dieser Aufführung beigetragen haben: die Mezzosoprane Diletta Sciandiuzzi (Mlle Jouvenot) und Loriana Castellano (Mlle Dangeville), der Bass Alessandro Spina (der Prinz von Bouillon), der Tenor Luca Casalin (Abbé de Chazeuil), der Tenor Enrico Casari (Poisson), der Bass Antoine Garcin (Quinault), der Tenor Domenico Cappucio (Majordomus) ebenso wie der Schauspieler Pascal Carbon, die Statisten Yoann Piazza und Nicolas Vitale ebenso wie die Tänzer des Balletts Urteil des Paris“ (Windy Antognelli, Jean-François Bizieau, Sophie Boursier, Jeanne Chossat, Morena di Vico, Gleb Lyamenkoff, Karine Miquelis, Konstantin Neroslov und Manon Pizzardini) (27. November 2017). Jean-Luc Vannier/ mit Dank aus aus: http://www.musicologie.org/ Übersetzung Ingrid Englitsch