Zum 70. und zum 50.

 

Sonderkonzert Edita Gruberova – Triumph des Willens. Vielleicht hat das Allerbeste versäumt, wer bereits nach der ersten Zugabe das Haus verließ, doch wie konnte man annehmen, dass die Hallenarie der Elisabeth eventuell noch getoppt werden konnte beim Galakonzert zum 50jährigen Bühnenjubiläum (am 8.2.2018) von Edita Gruberová, dem ersten von zweien an der Deutschen Oper  am 30.11.2017 und weiteren in München, Zürich und Wien.

Edita Gruberova an der Deutschen Oper Berlin/ Foto Bettina Stöß/ DOB

Fast ausverkauft war das Haus, bereits auf der Treppe zu den Rängen hörte man „Ich liebe die Gruberova“, und schon bei ihrem ersten Erscheinen auf der Bühne gab es zu begeistertem Applaus standing ovations. Hans-Jürgen Schatz moderierte den Abend, führte sich zunächst mit „mir ist die Ehre widerfahren“ und launigem Hinweis auf den Berliner Fluchhafen für den Hauptstadtgeschmack etwas zu anbiedernd ein, wurde im Verlauf des Abends zunehmend sachlicher und damit des Anlasses würdiger mit Hinweisen auf die großen Partien, mit denen man den Namen Gruberová verbindet: Zerbinetta, Königin der Nacht und Lucia, Letztere noch vor vierzehn Tagen zum 221. Male in Japan gesungen. Gewidmet war der erste Teil Mozart und damit dreien seiner Partien, die die Sängerin im Verlauf ihrer Karriere verkörpert  hat: Konstanze, Donna Anna und Elettra. „Traurigkeit“ bildete den Auftakt und offenbarte die Stärken, aber auch die verständlicherweise nicht fehlenden Schwächen der Stimme: ein feines, gut ansprechendes Piano in der oberen Lage, sichere, wenn auch rasiermesserscharfe Höhen, eine schwach ausgeprägte Mittellage und eine nicht vorhandene Tiefe. Natürlich weiß auch die Sängerin selbst über den Zustand ihrer Stimme Bescheid, und so legte sie sich nicht nur diese Arie, sondern auch Donna Annas „Crudele!“ und Elettras „D’Oreste“ geschickt zurecht, legte unendlich viel Intensität in die manchmal fast flüsternde Stimme, hangelte sich geschickt von Vokal zu Vokal, tippte an, wo man auch aussingen könnte oder gar sollte, wusste geschickt vokale Defizite in eine ganz besondere Intensität des Ausdrucks, der Verinnerlichung zu verwandeln.

Nach der Pause und dem Wechsel ins italienische Repertoire, das, soweit es den Belcanto betrifft, nach Angaben des Moderators für die Gruberová in den Champagner Rossini, den Weißwein Donizetti und den schweren Rotwein Bellini zerfällt, vermochte sie die Hinfälligkeit Violettas im Finale der Traviata eindrucksvoll mit den ersterbenden Pianissimi, feinen Decrescendi, fast Tonlosem zu verdeutlichen, machte aus der Not einer nicht in allen Registern mehr ansprechenden Stimme die Tugend der Zerbrechlichkeit einer Todkranken, die der Tenor nach dem „Oh gioia“ auffangen musste. Weniger gelang die doch auch herrscherliche Attitüde der Elisabetta im Finale von Donizettis „Roberto Devereux“, und von Belcanto konnte bei dieser eher veristischen Charakterstudie natürlich nicht mehr die Rede sein. Umso überraschender gelang dann trotz des fehlenden stimmlichen Fundaments die Hallenarie der Elisabeth dank des intakten oberen Registers und des unbedingten Gestaltungswillens der Künstlerin. Nicht nur hier, aber hier besonders begleitete das Orchester der Deutschen Oper unter Peter Valentovic sehr sensibel und einfühlsam.

Es war ein schöner Abend, der nicht zuletzt wegen der Hingabe der Gruberová an ihre Kunst und die des Publikums an den von ihm verehrten Star noch einmal zeigte, was Oper und ihre Sänger auch sein können. Ingrid Wanja