Vom Tuntenball zur „Giselle“

 

Ein Klassiker im Repertoire ist Rossinis Melodramma giocoso La Cenerentola, Massenets Vertonung von Perraults Aschenputtel-Märchen dagegen ein Außenseiter. Unter dem Titel Cendrillon kam die Conte de Fées 1899 an der Opéra-Comique in Paris zur Uraufführung. Die Komische Oper darf sich nun mit dem Verdienst schmücken, das Werk erstmals in Berlin vorgestellt zu haben. Damiano Michieletto gab damit sein Regie-Debüt in der Hauptstadt. In gewissem Sinne ist er das italienische Pendant zu Stefan Herheim – beide Regisseure warten in ihren Inszenierungen mit einer Überfülle von Ideen auf, was dem Zuschauer oft das Verständnis der Handlung und Entschlüsseln der Konzeption erschwert. Meist wird mit Erinnerungen, Träumen, Phantasien und Rückblenden gearbeitet – so auch hier auf der Bühne von Paolo Fantin, die einen schmucklosen, schäbigen Ballettprobensaal mit Neonröhrenbeleuchtung zeigt. Denn Michieletto hat die Geschichte in die Welt des klassischen Balletts verlegt, wo der harte, mitleidlose Konkurrenzkampf um die führenden Positionen den Alltag bestimmt. Hier führt Madame de la Haltière, Aschenputtels Stiefmutter, ein strenges Regiment als Ballettmeisterin, drangsaliert die an der Stange trainierenden Tänzer. Lucette aber, unter dem Namen Cendrillon, hat ein schwerer Unfall die aussichtsreiche Karriere als Ballerina jäh zerstört. Im Krankenbett liegt sie mit geschientem Bein, neben ihr der Tropf und ein Tisch mit Medikamenten. Da rechnen sich ihre beiden Stiefschwestern nun alle Chancen aus, beim Casting vor einer mehrköpfigen Jury für die Hauptrolle auserwählt zu werden. Dieses zeigt der Regisseur mit einer Überdosis Ironie als schrille Klamotte à la Tuntenball, wenn die Chorsolisten der Komischen Oper – männlich wie weiblich – in blauen Tutus klassische Ballettposen versuchen, was natürlich immer (und mal wieder) von grotesker Wirkung ist, wenn auf der Bühne nicht Les Ballets Trockadero de Monte Carlo agieren.

Massenets "Cendrillon" an der Komischen Oper Berlin/ Szene/ Foto Monika Rittershaus

Massenets „Cendrillon“ an der Komischen Oper Berlin/ Szene/ Foto Monika Rittershaus

Rätsel gibt eine verhärmte alte Frau auf, die von Beginn an gebückt durch die Szene geistert – ist es Lucette, die sich im hohen Alter an ihre Jugend erinnert? Aber der Goldstaub, den sie hin und wieder in entscheidenden Momenten aus ihrer Handtasche zaubert, lässt sie dann doch als La Fée erscheinen, Mit ihrem gealterten Elfen-Gefolge, identisch gekleidet in ärmlichen grauen Mänteln (Kostüme: Klaus Bruns), verhilft sie Lucette zum prachtvollen Ballkleid aus blauem Tüll und lässt sie ihre Behinderung vergessen. Doch der Besuch auf dem Fest des Königs, wo sie mit dessen Sohn, dem Prince Charmant, eine zauberhafte Begegnung hat, ist nur ein Traum und endet abrupt mit dem Erwachen im Krankenbett.

Hatte es dem ersten Teil an Charme und märchenhafter Poesie gefehlt, bietet der zweite mehr Magie, wenn sich Lucette nach pathologischen Zuckungen im Krankenbett und einem vergeblichen Selbstmordversuch in einer zauberischen Wald-Kulisse à la Giselle mit dem Prince Charmant auf dem Ball wieder findet. Den beiden Figuren ist hier ein Tanzpaar (Veselina Handzhieva/Miguel Angel Collado) an die Seite gestellt, das in der von John Cranko beeinflussten Choreografie von Sabine Franz in einem neoklassischen Pas de deux die Protagonisten doubelt. Das sieht recht beengt aus, und der Tänzerin geschieht hier jener unglückliche Sturz, der Lucette einst zum Verhängnis wurde. Am Ende überschlagen sich die Ereignisse – der König bringt Lucette brutal zu Fall, Pandolfe, Lucettes Vater, attackiert den Prince, weil er offenbar mit beider Verbindung nicht einverstanden ist, doch vereinen sich die Liebenden in inniger Umarmung. Dass dies auch ein Traum ist, dem wie üblich das Erwachen im Krankenbett folgen wird, unterschlägt die Regie.

Massenets "Cendrillon" an der Komischen Oper Berlin/ Szene/ Foto Monika Rittershaus

Massenets „Cendrillon“ an der Komischen Oper Berlin/ Szene/ Foto Monika Rittershaus

Gesungen wird im originalen Französisch. Sehr erfreulich ist das musikalische Niveau der Aufführung. Nadja Mchantaf ist für die Titelrolle eine Idealbesetzung, denn die auch im klassischen Tanz ausgebildete Sängerin macht körperlich eine blendende Figur. Ihr warmer Sopran mit schönen piani erfüllt besonders die melancholisch-verträumten Passagen der Partie perfekt, schwingt sich in den leidenschaftlichen Ausbrüchen aber auch imponierend auf. Mit ihrem Vater Pandolfe, der in Strickjacke und Hosenträgern ein biederes Bild

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abgibt, hat sie zwei Duette von inniger Lyrik zu singen, in denen Werner Van Mechelen die Qualitäten seines reifen, sonoren Baritons ausstellen kann. Gebührend exaltiert und Furcht einflößend gibt sich Agnes Zwierko als ihre Stiefmutter, Madame de la Haltière, mit resolutem Alt von üppiger Tiefe. Angemessen komisch gackern ihre Töchter Noémie (Mirka Wagner) und Dorothée (Zoe Kissa). Mit leidenschaftlichem Einsatz spielt Karolina Gumos, im Sweatshirt mit Kapuze sehr androgyn in der Ausstrahlung, en travestie den Prince Charmant. Der Mezzo tönt streng in der oberen Lage, weiß aber mit reizvollem Timbre und vehementem Vortrag zu gefallen. Betörend sphärisch singt Mari Eriksmoen die glitzernden Koloraturen der Fée. Die Chorsolisten des Hauses (Einstudierung: Andrew Crooks) erfreuen neben ihrem wie stets totalem szenischen Einsatz mit delikatem Gesang. Henrik Nánási entlockt dem Orchester der Komischen Oper Berlin eine reiche Farbpalette von der lebhaften Introduction über auftrumpfende Märsche und elegisch-duftige Gespinste bis zu dramatischen Affekten. Die Premiere am 12. Juni 2016 endete wie stets an der Komischen Oper im euphorischen Jubel des Publikums (Foto oben: Massenets „Cendrillon“ an der Komischen Oper Berlin/ Szene/ Foto Monika Rittershaus). Bernd Hoppe