Träume in Ruinen

 

In den Jahren 1957 bis 1964 hatte die zeitgenössische Oper einen bedeutenden Platz im Repertoire der Wr. Staatsoper. Zugegeben, es gab keine Uraufführungen, aber viele Werke wurden bald nach ihrer Uraufführung in den Spielplan aufgenommen. So auch Benjamin Brittens Shakespeare-Vertonung als A Midsummer Night´s Dream. DIe Produktion, die erste einer Brittenoper im Haus am Ring überhaupt, hatte damals am 18. Oktober 1962 Premiere. In der Regie von Werner Dueggelin und unter der musikalischen Leitung von Heinrich Hollreiser sang u.a. der unvergessene Gerhard Stolze die zentrale Partie des Oberon. Gesungen wurde in deutscher Sprache, da die Originalsprache damals auf das italienische und französische Repertoire beschränkt war. (…)

Nun kehrt das Werk wieder auf den Spielplan der Staatsoper zurück und diesmal in der englischen Originalsprache. Im Gesamten gesehen war es eine ordentliche Aufführung. Mit der Inszenierung von Irina Brook kann man jedenfalls leben, denn im Gegensatz zur Katastrophenproduktion im Theater an der Wien im vorigen Jahr, wo Damiano Michieletto eine komplett andere Geschichte über das Werk gestülpt hat, wird hier das Libretto realisiert. Zwar spielt das Stück hier nicht direkt im Wald, sondern in einer Burg- oder Schlossruine, die sich in einem Wald oder Park befindet (Bühne: Noelle Ginefri-Corbel). Einziger Wermutstropfen ist der Umstand, dass die Kostüme (Magali Castellan) nur für die Elfenwelt phantasievoll sind, während die Menschen Alltagskleidung tragen. Es ist zwar nicht alles logisch, was da auf der Bühne abläuft – der Sinn der in den ersten beiden Akten immer wieder auftauchenden Schlange hat sich mir z.B. nicht erschlossen – aber man wurde durch nichts wirklich verstört.

Brittens „Midsummer Night´s Dream“ an der Wiener Staatsoper/ Szene/Wiener Staatsoper / Foto wie auch oben Pöhn/ Wiener Staatsoper

Auch musikalisch konnte man zufrieden sein, auch wenn es natürlich einiges kritisch anzumerken gibt. So hatte ich den Eindruck, dass Valentina Nafornita die Rolle der Helena eine Spur zu dramatisch ist, denn sie klang stellenweise ziemlich scharf. Darstellerisch war sie wie immer engagiert. Josh Lovell (Lysander) lässt eine hübsche frische Tenorstimme hören und auch mit der Gestaltung her konnte man mit ihm zufrieden sein. Rachel Frenkel sang und spielte die Hermia wie immer verlässlich, ohne jedoch größere Akzente zu setzen. Sehr gut Rafael Fingerlos als Demetrius. Sein Bariton strömt sehr schön und auch darstellerisch macht er seine Sache gut. Lawrence Zazzo als Oberon sang zwar tadellos und spielt auch rollendeckend,  aber er ließ mich kalt. Aber vielleicht liegt das daran, dass ich ein grundsätzliches Problem mit Countertenören habe. Erin Morley sang die nicht einfache Partie der Titania sehr gekonnt, konnte aber ebenfalls keine Gefühle vermitteln. Ein Fall für sich ist der Puck des Théo Touvet. Dieser Schauspieler und Artist stellte ein Feuerwerk der wildesten Bewegungen auf die Bühne, allerdings konnte man mit seiner Umsetzung des Sprechtextes überhaupt nicht zufrieden sein. Da blieb vieles undeutlich und unartikuliert. Die wahrscheinlich beste Leistung bot Peter Rose als Bottom. Er hatte eine große Bühnenpräsenz, sang mit schöner Stimme und wirkte durchaus komisch. Benjamin Hulett bemühte sich als Flute ebenfalls komisch zu sein und sang ordenlich. Wolfgang Bankl sang den Quince mit auftrumpfender Stimme und agierte seiner Rolle entsprechend. Als übrige Handwerker ergänzten Thomas Ebenstein (Snout), William Thomas (Snug) und Clemens Unterreiner (Starveling). Peter Kellner sang den Theseus zufriedenstellend und Szilvia Vörös ließ wieder einmal ihren schönen Mezzo hören, ist aber in jedem Fall für die Hippolyta eine Überbesetzung.

Das Staatsopernorchester spielte unter der Leitung von Simone Young ausgezeichnet. Alles klang sehr kammermusikalisch, ohne zu vergessen, an den Stellen wo es notwendig ist, auch Kraft zu zeigen. Gut der Chor der Opernschule und in einer kurzen Passage das Wr. Staatsballett.

Am Ende gab es Jubel für alle. Ob die Produktion nachhaltig sein wird ist jedoch mehr als fraglich, denn schon zu Beginn waren zahlreiche Plätze leer und das steigerte sich nach der Pause. Heinrich Schramm-Schiessl (mit freundlicher Genehmigung des Online-Merker )