Psychokrimi

 

So aufwühlend und beklemmend war wohl noch selten ein Abend in der Stuttgarter Staatsoper wie die Salome des derzeit vielgefragten, mittlerweile zum „Kultregisseur“ avancierten Russen Kirill Serebrennikov (46). Bereits vorab hatte der die politisch-religiöse Richtung seiner Inszenierung angedeutet und zugleich darauf hingewiesen, dass das Geschehen auf der Bühne natürlich keine Reaktion auf brisante hochaktuelle Ereignisse sei, stehe sein Konzept doch bereits seit mehr als einem Jahr.

Brisant war die Aufführung der neuen Salome (Premiere 22.11.2015) ohne jeden Hauch von Orient trotzdem und hatte es nicht nur szenisch in sich, sondern machte auch vokal und orchestral beträchtlich Furore. Simone Schneider, die am selben Ort schon als Rosenkavalier-Marschallin punkten konnte, faszinierte mit einer souverän gestalteten und gesungenen Salome. Dabei überzeugte sie nicht nur mit ihrem gewaltigen Stimmumfang, mit dem sie sich mühelos gegen den voluminösen Orchestersound durchsetzen konnte, sondern fand mit lyrischer Stimme auch für die Zwischentöne die feinen, treffenden Klangfarben. Im grandiosen Schlussgesang wuchs sie förmlich über sich hinaus. Da konnte man fast schon froh sein, dass Herodes´ Schlussbefehl, dieses Weib zu töten, von seiner Security nicht befolgt wurde. Den Tetrarchen gestaltete Matthias Klink, in der Scala vor einigen Jahren noch Narraboth, mit exzellenten Charaktertönen, ohne seine Stimme, wie das so oft gemacht wird, karikierend zu verbiegen; ihm ebenbürtig zur Seite Claudia Mahnke als geifernde Herodias.

Eine stimmliche Wucht mit prophetischem Anspruch war auch Iain Patersons Jochanaan, der seine Botschaft mit warmem und doch energisch klingendem Bariton verkündete. Bestens ins wunderbar stimmige Ensemble eingebettet waren Gergely Németi (Narraboth), Idunnu Münch (Page), die „Juden“ Torsten Hofmann, Heinz Göhrig, Ian José Ramirez, Daniel Kluge und Eric Ander sowie die beiden „Nazarener“ Shigeo Ishino und Dominic Große. Roland Kluttig sorgte mit dem perfekt ausbalancierten Staatsorchester für musikalische Hochspannung vom ersten bis zum letzten Takt, wobei er selbst bei den orgiastischsten Ausbrüchen die Sänger nie zudeckte.

"Salome" an der Oper Stuttgart/ Szene/ Foto A. T. Schaefer

„Salome“ an der Oper Stuttgart/ Szene/ Foto A. T. Schaefer

Kirill Serebrennikov (Regie und Kostüme) ist zusammen mit Pierre Jorge Gonzales (Bühne), Ilya Shagalov (Video) und Reinhard Traub (Licht) ein echter Opernthriller gelungen, ein spannendes Psychogramm, das dank Serebrennikovs einfühlsamer und überaus geschickter Personenführung wirklich unter die Haut geht. Salome ist keine erotisch aufgeladene Lolita, sondern ganz einfach ein verwöhnter Teenager im schwarzen Kapuzenpulli, den eigentlich alles anödet – mehr als verständlich, wenn man nicht nur die männergeile Mutter und den unter Verfolgungswahn leidenden Stiefvater betrachtet, sondern auch das edle Wohlstands-Ambiente mit zahlreichen Überwachungskameras. Da wird dieser geheimnisvolle Prophet für sie ein echter Gefühlstreffer. Dabei ist der Jude Jochanaan einmal der brav im Anzug auftretende Sänger der Partie, zum andern der junge attraktive Yasin el Harrouk, der einen islamisch fundamentalistischen Propheten verkörpert, weshalb die anfangs hebräischen Schriftzeichen auf

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der die Bühne dominierenden Videowand arabischen Zeichen weichen. Auf der sind nicht nur Szenen aus diversen Räumen des überwachten Hauses, sondern auch terroristische Gewaltexzesse und die trotz Verpixelung brutale Hinrichtung des Propheten zu sehen, dessen bluttriefenden Kopf Salome am Schluss wie ein Spielzeug in Händen hält. Auf den berühmt-berüchtigten Tanz der sieben Schleier warteten die Premierenbesucher übrigens vergeblich. Der spielt sich spektakulär „nur“ im Kopf des psychisch kaputten Herodes ab. Am Schluss frenetischer Beifall und begeisterte Bravo-Rufe für Sänger, Musiker und Dirigent und ein paar wenige Buhs für das Regieteam. Hanns-Horst Bauer

 

Foto oben: Salome an der der Oper Stuttgart mit Simone Schneider in der Titelrolle/ Foto/ Ausschnitt/ A. T. Schaefer