Ovationen

 

Begeisterter Applaus, der mehr als einmal die Vorstellung unterbrach, diese konzertante Aufführung von I Puritani von Vincenzo Bellini,deren Premiere am Sonntag, den 3. Dezember im Auditorium Rainier III von Monte-Carlo stattfand, wird die Opernliebhaber prägen. Nichts fehlte der gelungenen Interpretation dieses melodramma serio in drei Akten, dem letzten Werk des italienischen Komponisten, das acht Monate vor seinem Tod am 24. Jänner 1835 am Théâtre-Italien von Paris uraufgeführt wurde. Im September desselben Jahres fand am Teatro di San Carlo von Neapel die Uraufführung von Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti statt, in der wie in den  I Puritani ein ganzer Akt dem Wahnsinn der Heldin gewidmet ist.

Die musikalische Leitung von Domingo Hindoyan ist inspiriert, energisch und wachsam. Inspiriert, weil der junge venezuelanische Dirigent, stets lächelnd, sich sichtbar daran erfreut, die emotionale Seite der Partitur hervorzuheben, insbesondere die, welche aus dem Lyrismus der Sänger entspringt. Energisch, weil der Maestro den Musikern des Philharmonischen Orchesters von Monte Carlo, das in sehr guter Form ist, ungeachtet seiner zahllosen Engagements eine Leidenschaft in den Attacken einflößt, aber auch diese süße Brillanz in den melodischen Teilen: Davon zeugt der schimmernde Kupferglanz in der Ouvertüre, aber auch das Horn-Solo von Andrea Cesari, das die Wahnsinnsarie der Elvira im 2. Akt ankündigt, oder das Harfensolo von Coline Jaget, das die Arie des „Troubadours an der Quelle“ im 3. Akt begleitet. Gar nicht zu sprechen von den Streichern, die einen tollen ersten Solisten haben in einer elektronischen Fassung, denn David Lefèvre hat seine gedruckte Partitur gegen ein Tablet ausgetauscht. Eine aufmerksame Leitung des Dirigenten, der den Künstlern präzise Einsätze gibt. Eine Aufmerksamkeit, die manchmal mehr auf die Sänger als auf das Orchester gerichtet ist: Wir bedauern, dass die Stimmen im 1. Akt manchmal vom Orchester zugedeckt werden. Eine Vorliebe von Domingo Hindoyan für die Stimmen? Erinnern wir uns diesbezüglich an die Worte, die kürzlich von seiner Ehefrau, der Sopranistin Sonya Yoncheva über den Maestro beim  „Grands Entretiens“ von Stéphane Grant auf France Musique gesagt wurden: Sie sagte, dass sie die Intelligenz seiner musikalischen Ratschläge schätze. Ein Paar, das übrigens auch durch die Musicologie im Juli 2016 beim Festival de Radio France à Montpellier auffiel.

Die Gesangsbesetzung (nebenstehend/ Olyrix) kündigte es schon an, aber beeindruckte uns schließlich völlig. Man möge beurteilen: an der Deutschen Oper Berlin gehört, bildet Celso Albelo (Lord Arturo Talbo) mit Annick Massis (Elvira) ein fantastisches Duo, ebenso wie im Februar 2013 in einer unvergesslichen Sonnambula vom Februar 2013 im Fürstentum. Diese beiden zeichnen ihre Liebe in den Marmor der oberen Oktaven mittels D-Dur und natürlichem „e“ (mi naturel) und wurden dafür bejubelt bis zu ihrem glühenden „Credeasi, misera“ am Schluss. In seinem „A te…“ im 1. Akt wagt der Tenor einen atemberaubenden hohen Ton mit seinem “se  rammento il mio tormento“, dann macht er mit gleicher Inspiration weiter bei seinem „la terra sua natale“ im letzten Akt. Er geht das Forte mit brennender Leidenschaft an, insbesonder in seinem „Viens dans mes bras“ oder seinem „Cruels!“ in der letzten Szene. Die Sopranistin Annick Massis, an deren wunderbare Erfolge in den letzten Jahren wir uns erinnern ( La Sonnambula in Monte-Carlo im Februar 2013, Moïse et Pharaon in Marseille im November 2014, Guillaume Tell auf dem Roq im Jänner 2015,  Maria Stuarda in Monte-Carlo im Dezember 2016), bewegt uns durch ihre meisterhafte Stimmtechnik und ihre Gesangslinie, die es immer versteht, wunderbar zwischen fließenden Vokalisen, mächtigen Spitzentönen und kristallklarem Ton zu wechseln.Aber auch in den intimsten Tönen: Ihre Wahnsinnsarie „Suis-je Elvira ?“ und „Ici, sa douce voix“ ebenso wie ihr Terzett mit Giorgio und Riccardo im 2. Akt, sind einfach wunderbar und brachten ihr enorme Beifallsstürme ein.

Und nun auch einmal ein Foto unserer tapferen und stets arbeitswilligen Übersetzerin fürs Französische, Ingrid Englitsch aus Wien – Danke!

Erwin Schrott, früher der Mefistofele im November 2011 in Monte-Carlo, dann der  Don Giovanni im März 2015, immer im Fürstentum, bringt einen höchst überzeugenden Sir Giorgio Valton: Auch wenn der Bass  seinen ersten Dialog mit Elvira im 1. Akt ein wenig forciert, so hat seine Romanze Couronné de fleurs im 2. Akt die großzügige Wärme des Timbres, manchmal durch sein Vibrato durchsetzt. Was ihn nicht daran hindert, uns eine abgründige und wunderbar gehaltene Tiefe in „Que la foudre frappe le traître !“ zu bieten. Seine Cabaletta mit Riccardo im 2. Akt, diese flammende Hymne an die Freiheit, wird betont durch ihr eindrucksvolles forte auf „Pieta“, was den beiden Interpreten fieberhafte Ovationen einbringt. In der Rolle von Sir Riccardo Forth gibt uns Gabriele Viviani schon im 1. Akt eine Probe seines Könnens in seiner bewegenden und intensiven Cavatine „Ah per sempre io ti perdei“: eine wunderbar geführte Stimme des Baritons, die gleichermaßen mächtig und sinnlich ist. Die offensichtliche freundschaftliche Beziehung zwischen den Sängern tut das ihre zum Erfolg dieser  Puritani. Die Mezzosopranistin Marina Comparato (Henrichetta), der Bass In-Sung Sim (Gualtiero und Billy Jackrabbit in La Fianciulla del West) ebenso wie der Tenor Enrico Casari (Bruno und Poisson in der kürzlichen Adriana Lecouvreur) ebenso wie der Chor der Oper von Monte-Carlo (Stefano Visconti), sehr gefordert von Anfang an „Réjouissons-nous !, dann das feurige „All’erta !“ bis zum Ende des Werks, wurden zurecht ebenfalls gefeiert. Jean Luc Vannier/ Übersetzung Ingrid Englitsch (mit Dank an http://www.musicologie.org/ Foto oben: Celso Abelo/ Opéra de Monte-Carlo Trailer))