Muttermord en espanol

 

Elektra zu programmieren ist für jedes Opernhaus eine immense Herausforderung. Der Palau de les Arts von Valencia unter Leitung seines Künstlerischen Direktors Jesús Iglesias hat diese Aufgabe hervorragend gelöst. Das ausdrucksstärkste Werk von Strauss hat im Opernhaus von Valencia den Glanz vergangener Epochen wiedererweckt. Das Orquestra de la Comunitat Valenciana musizierte unter Marc Albrecht glanzvoll wie zu Zeiten von Maazel, Mehta, Prêtre, Chailly und anderen Größen, die hier oft zu Gast waren. Gleichfalls faszinierte die schlichte, minimalistische und hochrangige szenische Arbeit von Robert Carsen, der seine bekannte Inszenierung von der Opéra de Paris, welche in Koproduktion mit Florenz und  Tokyo entstand, wiederholte. Die auf das Wesentliche reduzierte Szene von Michael Levine konzentrierte das Geschehen in einem geschlossenen, schwarzen und beklemmenden Einheitsraum. Eine weiße Matratze ist das Reich Klytämnestras. Durch das rechtwinklige Grab Agamemnons auf dem Boden treten die Personen auf und gehen wieder ab, einschließlich seines regungslosen nackten Körpers, den Elektra umarmt und liebkost.  Viel mehr braucht es nicht, um das ungeheure dramatische Gewicht der Komposition zu verdeutlichen. Nichts ist überflüssig und nichts fehlt in dieser schmucklosen und stimmigen Inszenierung mit ihrer gespannten und gemäßigten Aktion. Die Kostüme sind schwarz (der Schatten von Bernarda Alba ist in dieser Elektra latent) und tragen dazu bei, das bedrückende Ambiente noch zu verstärken – wie auch die Choreografie von Philippe Giraudeau.

Doris Soffel: Ópera „Elektra“ de Richard Strauss. Les Arts. Fotografías: Miguel Lorenzo / Mikel Ponce

Die schwedische Sopranistin Irene Theorin war eine Garantie für die immense Titelrolle, die sie erfolgreich bereits 101mal verkörperte. Zweifellos verfügt ihre Stimme, die mit Erfolg auch solche Partien wie Isolde, Brünnhilde oder Turandot gemeistert hat, über die nötige Stimmprojektion, doch war sie hier eher eine lyrische denn dramatische Elektra, begrenzt hinsichtlich Volumen und Atem, die die kolossalen orchestralen Barrieren nicht überwinden konnte. Beim Eingangsmonolog warf sie sich auf den Boden und sang quasi nur für die vorderen Plätze hörbar, nicht aber für das Publikum in den hinteren Reihen. Hatte Theorin stimmlich also nicht ihren besten Tag, so aber die amerikanische Sopranistin Sara Jakubiak, die eine Chrysothemis der Träume war und mit ihrer Potenz erstaunlicherweise ihre Schwester übertraf. Doris Soffel ist eine lebende Legende, eine Art wonderwoman der dramatischen Strauss- und Wagner-Partien, die sie mit der reifen Erfahrung ihrer langen Laufbahn packend und hochindividuell gestaltet. Die ganze Wucht ihres gebieterischen Auftritts gibt der Klytämnestra auch menschlich anrührenden Nachdruck, und die Zerrissenheit des Charakters dieser Person bleibt dem Betrachter lange im Kopf – so hat man das wirklich selten erlebt. Der australische Bassbariton Derek Welton war ein szenisch wie vokal eloquenter Orest – Qualitäten, die er bereits bei seinem gefeierten Klingsor in Bayreuth demonstrierte. Bei den nächsten Salzburger Festspielen wird er gleichfalls als Orest auftreten. Stefan Margita ergänzte die Besetzung als solider Aegisth.

Gebührende Würdigung verdient die Arbeit von Marc Albrecht, dem es gelang, den Glanz und die opulente Sonorität des Orchesters wieder zu erwecken und eine Strausssche Atmosphäre ersten Ranges zu erzeugen, vergleichbar mit den besten Opernhäusern und Orchestern. Marc Albrecht (Sohn des Dirigenten Georg Alexander Albrecht und nicht Gerd Albrecht, mit dem ihn keine verwandtschaftliche Beziehung verbindet) ist einer der besten Orchesterleiter, die in den letzten Jahren auf dem Podium des Palaus standen. Das ist eine Option für die Zukunft angesichts der vakanten Position. Er entfaltete in Valencia eine penible und detailreiche handwerkliche Arbeit mit bestens vorbereiteten Instrumentengruppen, um einen reichen Klang im gesamten dynamischen Spektrum sowie den vielfältigen Registern und Farben zu erlangen. Iglesias, der Nachfolger von Helga Schmidt, besaß den Mut, diesen Operntitel anzusetzen und hat mit dem Erfolg die Talsohle der Periode von David Livermore überwunden. Angel Flórez/ Stefan Lauter