Konzentration und Legato

 

Mit Interesse liest man im Programmheft, was das Produktionsteam nach einem Gang zu den Quellen – Handschriften, frühe Klavierauszüge, aber auch Dokumente zu den ersten Interpret/-innen – bei dieser Norma anders als in der Aufführungstradition der letzten Jahrzehnte zu machen beschlossen hat. Originaler.

"Norma" am Opernhaus Zürich/ Foto Hans-Jörg Michel

„Norma“ am Opernhaus Zürich/ Foto Hans-Jörg Michel

Und wie klingt das nun? Meinem Erlebnis nach – großartig! Einiges ist erwartungsgemäß ungewohnt. So sitzt im Graben nicht das Opernorchester, die Philharmonia Zürich, sondern das hauseigene Ensemble für historische Aufführungspraxis La Scintilla. Die Orchesterfarben überraschen – heller, kühler als gewohnt, die verschiedenen Instrumentalklänge mischen sich weniger. Dies wird je länger desto reizvoller, Bellinis oft belächelte Orchestrierung erweist sich als farbig. Giovanni Antonini am Pult fegt mit Verve durch die schnellen Teile der Ouvertüre, setzt aber auch in der Folge auf dynamische Kontraste, wechselt souverän zwischen Dramatik und Innerlichkeit.

Dass das, mit der Produktion aus Salzburg übernommene, Bühnenbild so groß ist, dass im kleineren Zürcher Haus damit die vordersten Logen und ein großer Teil des Grabens abgedeckt werden müssen, erweist sich als Glücksfall – auch im sonst in dieser Hinsicht kritischen mittleren Parkett werden die Stimmen nicht vom Orchester zugedeckt.

"Norma" am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

„Norma“ am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

Cecilia Bartoli singt die Norma natürlich anders als die in der Callas-Nachfolge üblichen Jugendlich-Dramatischen (die ich keineswegs missen möchte), aber auch anders als die Koloraturkollegin Gruberová. Vom ersten Ton an schafft sie musikalische Dramatik, nur eben nicht mit Stimmgröße, sondern mit Intensität der Tongebung und Gestaltung. Und auch die Koloraturen transportieren hier nicht wie bei Rossini Heiterkeit oder Überschwang, sondern intensivieren ernstere Gefühlszustände. Und urplötzlich ist das Stück (wie im Orchester) sehr nah an Cherubinis Medea. Von der angesagten Indisposition (18.10. 2015) war nichts zu hören. Mit ausgeruht klingender Stimme sang sie eine „Casta Diva“ von visionärer Konzentration und

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makellosem Legato. Die Höhen bereiten keine Probleme, und die Frage, ob sie ein Sopran oder ein Mezzo ist, kann als erledigt gelten – sie ist die Bartoli. Szenisch sowieso. Obgleich sie auch hier ein neues Fach erkundet – an die unwiderstehlich witzigen Rossinirollen erinnert hier kaum etwas, diese Norma erinnert schon mit dem ersten Auftreten an die jungen Heldenmütter des italienischen Kinos, eine Loren oder eine Magnani. Dabei zeigt sie schonungslos auch die Abgründe; wie Norma aus ihrem eisernen Willen heraus aus Eifer- und Rachsucht Fehler begeht. Ein Beispiel für das grandiose Spiel sei herausgegriffen: In ihrem öffentlichen Schuldbekenntnis im Finale singt sie das fatale „Son ‚io“ Pollione direkt ins Gesicht. Es folgt eine Generalpause, in der aus dem hasserfüllten Anstarren (mit John Osborn als kongenialem Partner) allmählich ein weicherer Blick wird, der zum gemeinsamen Tod überleitet.

"Norma" am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

„Norma“ am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

Auch in Rebecca Olvera hat sie eine würdige Partnerin. So ungewohnt es ist, dass Adalgisa von einem leichteren Sopran gesungen wird, so einleuchtend ist es, bedenkt man, dass sie jünger und als Priesterin unerfahrener ist als Norma. Olveras hellerer, aber auch warmer Sopran harmoniert glücklich mit Bartoli und steht ihr an agilità und Legato nicht nach. Die verschiedenen Seiten Adalgisas – die Liebende, die Verzweifelte, die Entschlossene – stellt sie glaubwürdig und sympathisch dar.

Pollione bleibt neben und zwischen den beiden starken Frauen blasser, simpler gestrickt. Das liegt aber gewiss nicht an John Osborn, dessen so geschmeidige wie packende Stimme für die Rolle ideal ist – kein Heldentenor mit Handbremse, sondern ein stilsicherer Belcantist mit strahlender Höhe und natürlicher Bühnenpräsenz, bewährter ebenbürtiger Bühnenpartner der Diva. Oroveso bescherte dem Zürcher Publikum ein hochwillkommenes Wiedersehen und -hören mit dem ehemaligen Ensemblemitglied Péter Kálmán und seinem edel-kernigen, wendig geführten Bass. Liliana Nikiteanu ist für die mütterlich besorgte Clotilde eine Luxusbesetzung, solide Reinaldo Macias als hier sehr früh von den Galliern getöteter Flavio.

"Norma" am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

„Norma“ am Opernhaus Zürich/ Szene/ Foto Hans-Jörg Michel

Ach ja, damit wären wir bei der Inszenierung von Patrice Caurier und Moshe Leiser. Ihre unbestreitbare Stärke liegt in der dichten, packenden Personenführung (nicht nur bei den Hauptfiguren!). Die Verlegung der Handlung ins besetzte Frankreich der 40er hat als Grundeinfall etwas für sich, geht aber in vielen Aspekten letztlich nicht auf. Dass die Besatzer in den Übertiteln immer noch Römer genannt werden, ist das eine, doch dass die französische Résistance ihre Norma religiös verehrt und kultische Handlungen vollführt, bleibt ein schiefes Bild, erst recht im Schlussbild, wo der Widerstand, um Norma und Pollione zu bestrafen, seine eigene Zentrale, das ehemalige Schulhaus, als Scheiterhaufen anzündet.

Sei’s drum. Dieser musikalisch wie darstellerisch eindrücklichen Produktion kann das nichts anhaben. Der Dernière folgte der gigantischste Applaus, den ich in 24 Jahren an diesem Hause erlebt habe, innert Sekunden nach dem Vorhang stand das ganze Publikum, und niemand versuchte dies für einen schnellen Gang zur Garderobe zu nutzen, sondern der Beifall toste 11 Minuten lang ungemindert. Mit Recht. Samuel Zinsli

 

Foto oben: „Norma“ am Opernhaus Zürich/ Szene/ Ausschnitt/ Foto Hans-Jörg Michel