Erste und letzte Werke

 

Ein wenig glanzloser als sonst zeigte sich die 28. Ausgabe von Rossini in Wildbad, dabei war die Auswahl nicht ungeschickt. Mit Demetrio e Polibio und Le comte Ory bildeten Rossinis erste und vorletzte Oper den Rahmen zu Sigismondo, einem Schlüsselwerk insofern es Rossinis Abschied von Venedig vor seinem Aufbruch nach Neapel markiert: „Willkommen und Abschied“ sozusagen.

 

Rossini in Wildbad 2016/ "Demetrio e Polibio"/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Rossini in Wildbad 2016/ „Demetrio e Polibio“/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Demetrio e Polibio gab es szenisch im Königlichen Kurtheater, ebenfalls szenisch folgte Sigismondo in der Trinkhalle sowie halbszenisch ebendort der Comte Ory. Umgekehrt wäre es vorteilhafter gewesen. Den Werken der Jugend wohnt ein besonderer Zauber inne. Bei Rossinis Erstling Dementrio e Polibio ist es nicht anders. Denn was der 15-jährige Schüler des Liceo Musicale in Bologna seinen Gönnern ablieferte, konnte sich im Rahmen der damaligen Opernproduktion durchaus hören lassen. Mehr noch, mit einigen seiner Nummern schuf der Teenager Standardtypen, an denen sich noch Bellini und andere maßen. Ob er nun tatsächlich erst 15 war, als er die Oper im typischen Seria-Duktus à la Metastasio über zwei Könige und deren Kinder in Angriff nahm, ist heute umstritten. Tatsächlich gelangte die Oper erst nachdem Rossini mit einigen komischen Einaktern in Venedig reüssiert hatte auf die Bühne, uraufgeführt 1812 in Rom von seinen Auftraggebern, der Familie Mombelli, mit Vater und zwei Töchtern, während die Mutter Vincenza Viganò den Text geschrieben hatte, alle mit dem Musikgeschehen der Zeit tief verbandelt. Nach anfänglicher Fortune wurden Demetrius und Polibius völlig vergessen, obwohl Stendhal davon schwärmte und Rossini wegen des Quartetts im zweiten Akt in eine Reihe mit Cimarosa und Mozart stellte. Mich hatte einst die alte Bongiovanni-Aufnahme von 1979 aus Barga fasziniert, welche die erste Wiederaufführung von Demetrio e Polibio gewesen sein dürfte. Erst 2010 folgte Pesaro. Nun auch Rossini in Wildbad, wo das Frühwerk zum Start der diesjährigen Opernsaison so heftig wie ein „reifer“ Rossini beklatscht wurde, was Demetrio e Polibio zum Teil auch ist, was aber auch an der engagierten, gut besetzten Aufführung lag. Außerdem klingt im Minitheaterchen auch alles präsenter, dichter und dramatischer, manche Stimmen drängen geradezu in einen größeren Raum, andere können im größeren Rahmen gar nicht bestehen, wie die eine oder der andere, die in der großen Trinkhalle nicht mal in einer Nebenrolle reüssieren konnten.

Rossini in Wildbad 2016/ "Sigismondo"/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Rossini in Wildbad 2016/ „Sigismondo“/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Es braucht nicht viel für Demetrio e Polibio: vier Sänger, einen Herrenchor, weshalb sich das Königliche Kurtheater ideal eignete. Und tatsächlich kann Luciano Acocella mit den zupackend spielenden Virtuosi Brunenses bereits in der Ouvertüre den künftigen Maestro erahnen lassen. In der Auftrittsarie des Siveno, der erst gegen Ende der Oper erfährt, dass er der Sohn des syrischen Königs Demetrio ist, ist der jugendliche Held, wie ihn Rossini bis zum Arsace immer neu variiert, idealtypisch angelegt, eine Hosenrolle selbstverständlich, in der die stämmige Victoria Yarovaya den großen Tonumfang ihres warmen und vollen Mezzos ausspielen kann, der für den Jüngling vielleicht schon eine Spur zu reif und matronig klingt. Das Duett mit Lisinga, der Tochter des Königs Polibio, ist purer meisterhafter Rossini, betörend in der duftigen Verblendung der Stimmen und Skalen. Im kleinen Raum klingt vieles übermächtig und wuchtig. Sofia Mchedlishvilis durchdringend lauter, auch messerscharfer Sopran mag sich andernorts vorteilhafter entfalten, doch die Georgierin singt mit guter Vocalità und divenhaftem Ausdruck. Es ist, wie nirgends sonst bei Rossini, das Stück der Väter, die sich dem Glück der Kinder nicht in den Weg stellen, was umso vorteilhafter ist, da es den Frieden zwischen den Reichen sichert. César Arrieta hat einen schmalen, technisch gut geführten und perfekt sitzenden, etwas trompetenhaft strahlenden Rossini-Tenor, zudem ein Lächeln viagra and macular degeneration in der Stimme, was seinen Demetrio zum Zentrum der Aufführung macht, während der Polibio, von Luca Dall’Amico mit starken Bass und mächtiger Strahlkraft gesungen, noch nicht mit der Raffinesse später Bassfiguren bei Rossini angelegt ist. Alle vier verbinden sich zum Quartett, auch das eine Seltenheit in den Opern der Zeit, ebenso anmutig wie dramatisch. Nicht alles in dieser Oper ist von Rossini, was im Programmheft dokumentiert wird, und sich in buy 5mg cialis online den auf das Quartett folgenden Arien, zwar alle kleine Paradestücke, erspüren lässt.

Auf der kleinen Bühne macht Davide Bertorello nicht viel Aufhebens um die Geschichte des von seinem Vater in Kriegszeiten in Sicherheit gebrachten und nun an einem anderen Hof erzogenen Sohnes: 1950er Jahre, grauer Ostblock, Soldaten mit Sonnenbrillen, Büro-Tristesse mit Wahltelefon. Am Ende zwingen die glücklich vereinten Königskinder ihre Väter auf die Knie und halten ihnen die Pistole an die Schläfen. Dem braven Rossini hätte das nicht gefallen.

 

Rossini in Wildbad 2016/ "Demetrio e Polibio"/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Rossini in Wildbad 2016/ „Demetrio e Polibio“/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer

Sigismondo war Rossini peinlich. Als ihn das Publikum des Teatro La Fenice zu Beginn der Karnevalssaison am zweiten Weihnachts-Feiertag 1815 feierte, war ihm klar, dass man ihn eher für die voraus-gegangenen hübschen Einakter als diese schwerblütige Seria dankte. Die im polnischen Mittelalter spielende Genoveva-Handlung war der Abschied von der Stadt, die ihn groß gemacht hatte. Die folgenden sieben Jahre in Neapel wurden zu einem der Höhepunkte der italienischen Oper in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in denen er alle Möglichkeiten der ernsten Oper durchdeklinieren konnte. Nach Venedig kehrte er nur noch für Semiramide zurück, seinem endgültigen Abschied von Italien und der Epoche des hemmungslosen Schöngesangs.

An Sigismondo, den Rossini in Wildbad bereits 1995 – immerhin mit Carmen Oprisanu in der Titelrolle – gegeben hatte, haben die Zeitgenossen vor allem das schwache Textbuch bekrittelt. Mit der Distanz will die bleierne Handlung nicht übler scheinen als so viele der Zeit. Aldimira, so der Name dieser Genoveva-Nachfahrin, wurde von dem how does viagra look abgewiesenen cialis coupon walgreens Ladislao des Treuebruchs beschuldigt. Unglücklicherweise hat dieser das Ohr ihres Gatten Sigismondo, welcher sie daraufhin verbannt. 15 Jahre später treffen die Gatten wieder aufeinander: Sigismondo erkennt sie natürlich nicht und glaubt zu träumen, verliebt sich in die Fremde, die seiner Gattin so ähnlich sieht und will sie, bestärkt durch Aldimiras Retter Zenovito, sogar ihrem Vater, dem König von Ungarn, als seine angeblich immer noch viagra generic online lebende Tochter vorstellen. Intrige über Intrige, Täuschung und Trug, Sigismondo glaubt ständig, an Wahnvorstellungen zu leiden, weshalb die Aufführung in Pesaro das Stück vor Jahren gleich in eine Irrenanstalt verlegte. Dieser Versuchung kann auch Jochen Schönleber nicht wiederstehen, der den Bösewicht Ladislao als Leiter eines Sanatoriums zeigt, der sich auf seinen Corbusier-Sesseln schnell ein paar Koks Lines reinzieht. Eine Personenregie ist ansonsten nicht zu erkennen. Das hätte man auch gleich konzertant machen können. Mit leichter Hand hat Rossini eine schöne, in Teilen sogar originelle Partitur hingeworfen, die jedoch nicht über die starre Abfolge virtuoser, aber schematischer Arien, und die nicht sehr inspirierte Anlage hinwegtäuschen kann. Wildbad hat die Rarität gut besetzt. Margarita Gritskova gestaltet den an Selbstzweifeln leidenden, vom Geist seiner toten Frau verfolgten Titelhelden mit großer Intensität und einem kernig auftrumpfenden, in allen Lagen gut verblendeten Mezzosopran. Für das Waldmädchen Aldimira bietet Maria Aleida einen in der Mittellage einfarbigen, in der Höhe

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etwas puppenhaft engen Sopran, der im Duettino mit Sigismondo im ersten Akt „IL segreto è il mio tormento“ und dem Duett im zweiten „Tomba di morte e orrore“ hinreichend Lyrik entfaltet. Rossini hätte den Bösewicht Ladislao später vermutlich interessanter ausgemalt, aber Tarver ist ein musikalischer und präsenter Sänger, dem man gerne zuhört, da er schön phrasiert und sein angenehmen Tenor bruchlos in die Höhe führt. Aldimiras Ziehvater Zenovito sowie ihren Vater, den ungarischen König Ulderico, sang der Ungar Marcell Bakonyi mit einem interessant angeschwärzten und ausholenden Bass. Antonio Fogliani hatte den immer länger werdenden Abend, der mit einer bekannten Ouvertüre eingeleitet wird (Il turco in Italia) umsichtig einstudiert.

 

Als dritten Rossini gab es noch die Abenteuer des Comte Ory, der während der Abwesenheit ihres Gatten die schönen Gräfin Adèle zu erobern versucht und von seinem Page Isolier ausgestochen wird. „Er hat uns alle an der Nase herumgeführt“, muss der liebestolle Graf resigniert erkennen, der mehr Angst vor der Strafpredigt seines Vaters als von der Rache des heimkehrenden Kreuzrittes hat.

Rossini in Wildbad 2016/ "Il Conte di Marsico"/ Szene/ Foto (c) Toni Bofil

Rossini in Wildbad 2016/ „Il Conte di Marsico“/ Szene/ Foto (c) Toni Bofil

Rossini lässt in den Episoden aus der Kreuzritterzeit die italienische Buffooper hinter sich und kreierte eine französische Komödie, deren Ansprüche an Sänger und Orchester nicht zu unterschätzen sind. Zwei Stunden lang lässt Luciano Acocella dieses Räderwerk aus Arien, Ensembles und Rezitativen ineinandergreifen, bringt die feingliedrige Musik zwischen hurtigem Parlando und eleganter Melodik zum Funkeln und Strahlen. Die Virtuosi Brunenses trotzen den akustischen Widrigkeiten des Raumes und erzielen nach dem dumpfen Prélude eine elektrisierende Dynamik, die im ersten Finale und dem großen Terzett Adèle/Ory/Isolier ihren Höhepunkt findet. Gheorghe Vlad hat als Ory nicht nur in der Übergangslage und in der Höhe und bei den Koloraturen Mühe und ist ein reichlich uncharmanter Verführer. Sara Blanch, die in Pesaro im Rahmen der Accademia bereits die Contessa di Folleville gesungen hat, deren Musik aus „Il viaggio di Reims“ nun der Adèle zugefallen ist, dagegen hat einen apart gefärbten, brillanten Sopran mit sicherer Höhe. Die Ragonde stattete Mae Hayashi mit einem reichen Alt aus, wie man ihn nur noch selten antrifft, und Raimbaud, die einzige wirkliche Buffofigur der Oper, gestaltete Roberto Maietta mit draller Fabulierlust und drahtigem Bariton. Karina Repova mag sich als Isolier noch entwickeln, Shi Zong gab den Erzieher des Grafen mit lautem Bass.

Nicola Berloffa hatte die vielschichtige Verwechslungskomödie auf der leeren Bühne so geschickt und animierend zwischen den Stuhlreihen des Chores eingefädelt, dass man über die fehlende Inszenierung nicht undankbar war. Dass Isolier seinen Herrn, der als falscher Eremit in schwarzer Konzertkleidung und Beffchen erscheint, nicht erkennt, muss man in dieser halbszenischen Produktion als gegeben hinnehmen, dafür gelingt es Berloffa die im dunklen Schlafgemach der Gräfin („A la faveur de cette nuit obscure“) spielende Szene, bei der der Graf glauben muss, endlich ans Ziel seiner Wünsche zu kommen, sich stattdessen aber an Isolier heranmacht, mit handgreiflicher Erotik aufzuladen. Wie in der Rettungsoper der Nach-Revolutionszeit kündet ein Trompetensignal die Heimkehr der Ehemänner an. Adèles Ehre bleibt unangetastet.

 

 

Rossini in Wildbad 2016/ "Il Conte di Marsico"/ Szene/ Foto (c) Toni Bofil

Rossini in Wildbad 2016/ „Il Conte di Marsico“/ Szene/ Foto (c) Toni Bofil

Außerdem: Seit Jahren kümmert sich das Festival um die Salonopern von Giuseppe Balducci. Vier Jahre jünger als Rossini und nur wenige Dutzend Kilometer unweit von dessen Geburtsort Pesaro in Jesi geboren war Balducci ein bestens ausgebildeter und ähnlich frühreifer Komponist, der seine Opern sozusagen für die Schublade schrieb. Seine Salonopern wurden einzig im privaten Kreis der Familie der Marchesa Capece Minutolo in Neapel aufgeführt, um dann in völlige Vergessenheit zu geraten und erst nach 1980 langsam erforscht zu werden. Es sind kultur- und musikhistorisch interessante Petitessen. Auch in Il Conte di Marsico von 1839 operiert Balducci geschickt mit den Möglichkeiten seiner Schülerinnen und zeigt sich informiert über das Opernschaffen seiner Epoche von Mayr und Paër bis Mercadante und Pacini. Ein ernster, in der Stauferzeit spielender Stoff mit den Mitteln der opera semiseria, was heißt mit vielen Zweier- und Dreierszenen, kleinen Ensembles, mit drastischen Erzählungen, finsteren Berichten und grusligen Szenen, ein lebhafter arioser Schlagabtausch, der anspruchsvoller klingt, als er tatsächlich ist – eine Schüleroper eben. Wie die Abschlussarbeit einer Opernklasse mutet Jochen Schönlebers Inszenierung an, die in Barcelona ihre Premiere hatte, und in er die sechs Sängerinnen mit allerlei Putz- und Haushaltsgerät beschäftigt hält. In der von den Pianisten Davide Bertorello, Federico Piccolo und Achille Lampo an zwei Klavieren begleiten Aufführung fielen Mae Hayashi mit staunenswerten Alttönen auf, dazu Serena Sáenz mit einem leichten Sopran von einigem Liebreiz und Paula Sánchez-Valverdi mit ihrem komischen Talent.

Mehr als interessant dürfte Bellinis Bianca e Gernando gewesen sein, die ich leider zeitlich nicht mehr schaffte und den ich allein schon wegen Maxim Mironov gerne gehört hätte (und dazu gibt`s dann eine englischsprachige Kritik von John Jernigan/ Foto oben/Rossini in Wildbad 2016/ „Demetrio e Polibio“/ Szene/ Foto (c) Patrick Pfeiffer). Rolf Fath