Ach ja…

 

Zwei DVDs zu einer Blu-ray zusammengefasst hat Arthaus mit einem Portrait und einem eigentlich aus zwei Teilen, einem aus Neuseeland und einem aus dem Old Royal Navy College in Greenwich,  bestehenden Konzert von Kiri Te Kanawa, von dem wiederum einige Tracks zumindest in Bruchstücken auch im Portrait vorhanden sind (I could have danced all night).

Eine sie selbst, aber auch den Zuschauer bewegende Heimkehr zu ihrer Familie, der Vater war Maori, fand 1990 statt und ihren Höhepunkt in einem Freiluftkonzert vor 70 000 Zuschauern in Wellington mit einem in Ausschnitten gezeigten Programm von Oper über Musical zum Traditional. Wir begegnen der Sängerin am Grab der Mutter, erfahren von ihrer Erziehung in einem katholischen, von Nonnen geleiteten College, wo eine der Lehrerinnen ihre Stimme entdeckte, die später in London von Vera Rózsa betreut wurde. Zunächst sang die junge Kiri, auch davon gibt es Dokumentarisches im Film, in Bars und bei Unterhaltungssendungen, 1970 gab sie ihr Debüt in La Donna del Lago, 1970 sang sie zum ersten Mal an Covent Garden.

Das Portrait zeigt eine erste Probe zu Capriccio, wo Tessitura und Sprache noch einige Probleme zu bereiten scheinen, die Zusammenarbeit mit Jeffrey Tate bei Arabella, die Arbeit mit Solti an Strauss‘ Vier letzten Liedern, ihre Contessa mit Colin Davis, kurze akustische Einblicke in Louise und Zaide und schließlich den Schluss aus Capriccio in San Francisco.

Das Konzert wird teilweise von der Künstlerin selbst moderiert, wobei es seltsam anmutet, wenn sie ganz in Weiß vor einem Weihnachtsbaum sitzt und erzählt, was sie anschließend in Knallbunt unter südlichem Vollmondhimmel singt. Hier brachte sie, was im Portrait nicht einmal zu vermuten war, auch italienische Arien zu Gehör, eine „umil‘ ancella“ mit schönen Crescendi und Decrescendi, eine zunächst durch irgendetwas leicht irritiert Manon „in quelle trine“ mit verwaschener Diktion, aber einem wunderschönen „d‘ amor“ zum Abschluss, ein „Pace, Pace“, dem die tiefe Tragik des Schicksals der Leonora wenig  anzumerken ist und eine Liù mit naiv-niedlichem Klang, die auch vokal zum Schluss über sich selbst hinauswächst. Ein feines Schweben bewältigt der Sopran im Sogno di Doretta, ehe es volkstümlich wird und Jubel erklingt nach Pokarekare,  Sweet Home und I could have danced. Wie eine weihnachtlich glitzernde Braut zeigt sich Kiri Te Kanawa in Greenwich mit Händel und Mozart, wobei in Letzterem Exsultate, jubiliate kein Hörerwunsch offen bleibt bei einem phantastisch leichten Tonansatz, ebenmäßiger Stimmführung und einer sanft-runden Sopranstimme schönsten Timbres (Arthaus 109126).  Ingrid Wanja

  1. kevin

    ach ja…. In der Tat. Diese Töne und diese Leichtigkeit der Präsensation, sowohl vor 70.000 Leuten Open Air und im Mozart Konzert, ganz konzentriert und technisch perfekt, muss erst mal jemand der wunderbaren te Kanawa nach machen. Ihre italienischen Arien habe ich mal in München live gehört, recht spät und nach ihrer Plattenkarriere. toll! Und die Doretta ist seit 25 Jahren oder mehr ihr Dauerbrenner. keine wie sie…. Oder so.

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