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Auf dem letzten der im Beiheft abgebildeten Fotos hat sich Ana Maria Martinez ein Tuch umgeschlungen. Blick und Haltung scheinen ein wenig eines der grobkörnigen Fotos zu zitieren, die aus dem Dezember 1960 überliefert sind, als Maria Callas an der Mailänder Scala die Paolina neben Franco Corelli in Donizettis Poliuto sang. Trotz und gerade wegen dieser überlebensgroßen Verkörperung blieb die Ausgrabung relativ folgenlos. Wie in vielen Partien trat Leyla Gencer in die Fußstapfen der Diva, allerdings in Les Martyrs, der französischen Fassung der Oper, die Donizetti 1840 für Paris herstellte und die Berlioz als ein Gebet in vier Akten bezeichnet hatte (auch Ricciarelli, Connell, Dragoni, Mazzola sagen u.a. die Paolina, ohne viel Aufhebens damit zu erzielen). Hundert Jahre nach dem Völkermord an den Armeniern kam Donizettis armenische Oper im Vorjahr als britische Erstaufführung heraus, als das Glyndebourne Festival den kompakteren dreiaktigen Poliuto in der neuen kritischen Edition von William Ashbrook und Roger Parker vorstellte, von letzterem stammt auch der Text im Beiheft der Aufnahme (Opus Arte OA BD7201 D). Mit demselben Tenor erschienen kürzlich bei Opera Rara Les Martyrs.

Im Mittelpunkt der Oper über christliche Märtyrer in der von den Römern besetzten armenischen Stadt Melitene steht die Beziehung zwischen dem zum Christentum konvertierten, später als Heiligen verehrten römischen Soldaten Polyeuktos, seiner immer noch dem alten Kult anhängenden Frau Paolina und dem gegen die Christen vorgehenden römischen Prokonsul Severe. Auf der Basis eines Dramas von Pierre Corneille hatte Salvatore Cammarano eine dramatische Liebesgeschichte im klassischen Faltenwurf entworfen, die damit endet, dass Poliuto den Löwen zum Fraß vorgeworfen wird. Paolina, die vergeblich um Gnade für ihren Mann gebeten hatte, folgt ihm in den

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Märtyrertod.

Mariame Clément und ihre Ausstatterin Julia Hansen haben das im 3. Jahrhundert spielende Geschehen weit ins 20. Jahrhundert gerückt und lassen bereits vor der Ouvertüre – gespielt wird in der kritischen Edition die kompaktere Original-Ouvertüre und nicht das aus Les Maryrs in den italienischen Poliuto übernommene Vorspiel mit den vier Solo-Fagotten – ängstlich zwischen den monumentalen Pfeiler blickende Verfolgte über die Bühne huschen. Nazizeit und Judenverfolg bzw. Mussolinis faschistisches Italien, ohne dass Clément aus der brisanten Mischung aus Liebe, Religion, Politik und Paranoia Spannung erzeugt. Es bleib bei allgemeinen Bildern, gefängnishaften Situationen und starren Mechanismen, dazu abgegriffenen Zutaten, wie dem Rollstuhl für Paolina Vater, den armenischen Gouverneur Felice, Taschenlampen, Uniformen, langen Mänteln, Trenchcoats und Benzinkanistern – und wenig zwischenmenschlicher Beziehung, nicht zwischen den Eheleute Poliuto und Paolina, nicht zwischen Paolina und ihrem früheren Geliebten, der sich auf das Bett setzt, während sie sich verschämt an ihn lehnt.

So wenig szenische Spannung die Regisseurin erzeugt, deren flache Arbeit im Lauf des Abends zunehmend verärgert, so farblos blieben die Figuren. Auch der mit viel Spannung erwartete und in Amerika gehypte Michael Fabiano, der zart und verwundbar wirkt, mit Knopfaugen empfindsam in die Runde blickt und mit schülerhaft fiebernder Attacke auftrat, dem es aber an Bühnenpräsenz und Ausstrahlung fehlt und der seinen Poliuto gesanglich, bei nicht immer sicherer Linie, eindimensional gestaltete; das Wort einer britischen Rezensentin von „quite loud to very loud“ machte die Runde. Fabianos Singen, dessen Potenzial er immer wieder aufleuchten lässt, ist vermutlich bei Verdi besser aufgehoben. Ana Maria Martinez singt die Paolina mit eingedunkelt mauscheligem, grau- kräftigem Ton, eigentlich ganz patent, aber ohne rechte Belcanto-Eignung. Bewegend oder anrührend ist sie nie. Eine sehr überzeugende Donizetti-Gestaltung bei wunderbar schattierter Wort-Ton-Behandlung und müheloser Katilene gelingt Igor Golovatenko als Severo, der in Erinnerung rief, dass der eminente Renato Bruson 1978 Gencers Partner in Venedig war und gut zehn Jahre später in Rom in der italischen Mischfassung neben Connell sang. Musikalisch ist Poliuto ein Thriller, lodernd und packend, was Enrique Mazzola am Pult des London Philharmonia Orchestra mit einer auf Verdi verweisenden Instantdramatik unterstreicht, nicht ganz zu Unrecht erinnert doch das herrliche Finale des zweiten Aktes an „Gloria in Egitto“ in Aida, wie denn überhaupt vieles in dieser 1838 entstandenen aber erst zehn Jahre später, nach Donizettis Tod, in Neapel uraufgeführten Oper als früher Verdi durchgehen könnte. Rolf Fath