Große Wirkung mit wenig Aufwand

 

Dass man auch mit ganz bescheidenen Mitteln eine eindrucksvolle Opernaufführung zustande bringen kann, zeigt die DVD von Carlisle Floyds Oper Susannah, aufgeführt im Februar 2014 in St. Petersburg nicht in Russland, sondern im US-Bundesstaat Florida. Im Palladium Theater sichtlich ohne Orchestergraben und unterstützt von Spendern, darunter auch einem anonymen, hat man die Umrisse eines Häuschens, das durch die Beleuchtung eines daran angebrachten Kreuzes zur Kirche werden kann, aufgebaut, Treppenstufen schaffen die dritte Dimension, und schon kann das Spiel um die bigotte amerikanische Kleinstadtgesellschaft und ihren eifernden, aber sündigen Prediger beginnen, die die lebenslustige, aber unschuldige Susannah ins Unglück treiben und ihren Bruder zum Mörder werden lassen.

Selten erlebt man ein so intensiv mitfieberndes Publikum, dessen Anteilnahme am Schicksal Susannahs so weit geht, dass die bösen Frauen, die sie aus der Gemeinschaft ausstoßen wollen, beim Schlussapplaus ausgebuht werden. Allerdings könnte das auch an ihren bescheidenen vokalen Möglichkeiten liegen, die jedoch denen der ebenfalls vier „Elder“, des Kirchenvorstands, in etwa gleichkommen.

Susan Hellman Spatafora ist eine sehr hübsche und damit schon einmal optisch glaubwürdige Susannah in leuchtend rotem Kleid, die von Regisseur Michael Unger zu temperamentvollem Spiel angehalten wurde. Ihre Sopranstimme ist frisch und von angenehmer Klarheit, angemessen schlicht singt sie The trees on the mountains,  ausdrucksstark Ain’t it of pretty night  und gestaltet die Wandlung vom naiven zum verbitterten Mädchen sehr eindrucksvoll. Einen ungefügen, aber kraftvollen Bariton setzt Todd Donovan für den zwielichtigen Olin Blitch ein, lässt dessen religiösen Fanatismus deutlich werden. Angenehm klingt der Tenor Anthony Wright Webb als Bruder Sam im volkstümlichen Jaybird song. Scott Wichael gibt dem geistig behinderten Little Bat mit seinem lyrischen Tenor anrührende Züge.

Die karge, aber ihren Zweck erfüllende Szene stammt von Steven Mitchell, die Kostüme entwarf Patricia A. Hibbert. Sehr viel besser als die beiden Quartette der Kirchenältesten kann der Chor bestehen, das St. Petersburg Orchestra unter Mark Sforzini lotet die Dramatik der Partitur wirkungsvoll aus, nimmt aber auch gebührend Rücksicht auf die Sänger (Naxos 2.110381). Ingrid Wanja