Housewives, Flüchtlinge, Stummfilmdiven

Muss man da neidisch werden? Fünf Mal Rossini vom Rossini Opera Festival in Pesaro. Rossini at his best. Mal sehen. Die Auswahl ist jedenfalls merkwürdig, Komisches und Ernstes, wohl eher der Devise folgend, was weg

muss, wird in den Schuber gesteckt: Aufführungen aus dem Jahren 2009 bis 2013, von La scala di seta bis zu L’ italiana in Algeri (Opus Arte 5 DVD Set OA 1180 BD). Wie beginnen? Vielleicht am besten chronologisch.

rossini opus arteIm August 2009 wurde im Teatro Rossini der 1812 in Venedig uraufgeführte Einakter La scala di Seta aufgezeichnet, in der das Titel gebende Requisit dazu dient, dem fülligen Dorvil heimlich den Zugang zu Giulias Kammer zu erleichtern. Wer denkt, dass in Zeiten moderner Eigentumswohnungen, wie sie Paolo Fantini für die Bühne des historischen Theaterchens entworfen hat, der alte Brauch des Fensterlns obsolet geworden ist, muss sich nur an den Zwist erinnern, der vor gar nicht so langer Zeit an der Uni in Passau ausbrach, als dort ein Fensterl-König gekürt werden sollte. Damiano Michieletto, 2009 noch am Anfang seiner Karriere, die ihn inzwischen ans Royal Opera House Covent Garden, nach Zürich, Paris und kürzlich mit Cendrillon an die Komische Oper brachte, bietet beste Vorabendunterhaltung, denn an den Daily Soaps und üblichen Serien muss er sich für seine Wohnküchenintrige vor roter Einbauküche, Waschmaschine, Duschkabine, Sofagruppe, Schlafzimmer und Abstellraum, weniger „Schöner Wohnen“ als Ikea-Katalog, orientiert haben, die auf der Bühne entsprechend des rückwärtigen Wohnungsgrundrisses in „Bagno“, „Pranzo“, „Soggiorno“ und „Disimpegno“ verteilt wurden. Aus dem Aufriss samt Video-Einblendungen ergibt sich das muntere Alltagsgeschehen mit einer ihre Gymnastikübung absolvierenden und mit dem iPod davon hüpfenden Giulia, ihrem asiatischen Boy, Bügeln, Pasta-Zubereitung. Das ist genauso international gültig wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Schemata der Commedia dell’ arte auf der halben Welt durchschaut wurden. Michieletto muss sich nicht übermäßig anstrengen, um die Handlung am Laufen zu halten und die Sänger zu einem umtriebigen Aktionismus anzutreiben, den die Kamera detailverliebt einfängt. Erfüllter ist das virtuose Spiel des Orchestra Haydn di Bolzano e Trento, das von dem damals 75jährigen Claudio Scimone aus erster Hand instruiert wird, wobei die Begleitung der Rezitative ein wenig matt bleibt. Olga Peretyatko ist hinreißend als verzweifelte Hausfrau, sie hat genau die richtige Stimme für die Giulia, beweglich und quecksilbrig, dabei verführerisch und mit dem rechten Komödien-Kick, an den der Rest des Ensembles, darunter der Tenor José Manuel Zapata als Dorvil und Daniele Zanfardino als Dormont, nicht heranreicht, auch nicht der populäre, ein wenig aufdringliche Paolo Bordogna als Germano.

Für die dreiaktige Azione tragico-sacra Mosè in Egitto hatten Graham Vick und sein Ausstatter Stuart Nunn im August 2011 den Sportpalast der Kleinstadt, die Arena Adriatica, ingeniös den Forderungen des Werkes angepasst und in ein Flüchtlingslager mit den Fotos vermisster Personen samt den kampierenden Hebräern und dem demolierten, mit Kitsch-Requisiten voll gestellten Königspalast mit den Porträts der Herrscherfamilie samt dekadenten Machtapparat des Pharaos umgestaltet. Versiert nutzt Vick den riesigen Kuppelsaal der Sporthalle, die ansonsten 15.000 Besucher fasst, für eine szenische Installation, die das biblische Geschehen in die Gegenwart schwenkt und die Besucher, zwischen denen die Flüchtlinge in blutverschmierten Klamotten umherwandern, auf die brennenden Konflikte zu stoßen. Eine vom Krieg gezeichnete Landschaft, irgendwo zwischen Bagdad und Beirut, geborstene Gebäude, Ruinen, Guerillakämpfer, religiöser Fanatismus, Folter, Maschinengewehre, Sprengstoffgürtel, Gasmasken, eine Schaltzentrale mit Computern, Predigen, die mit einer Kamera aufgezeichnet und in die Welt geschickt werden, also das gesamte Arsenal moderner Kriegsführung und Berichterstattung. Letztlich gut gemachtes Betroffenheitstheater. Am Schluss ein veritabler szenischer Coup: Rossini und sein Textdichter Tottola lassen Moses und sein Volk ins gelobte Land ziehen, während Pharao und die Seinen vom Roten Meer verschlungen werden. Vick setzt eine andere Pointe dagegen: Ein Junge schnallt sich einen Bombengürtel um, worauf ihm ein dem Panzer entstiegener israelischer Soldat Feuer reicht. Vick, der bereits 1997 in Pesaro Moise et Pharaon inszeniert hatte, landete mit der italienischen Urfassung von 1818 einen großen Erfolg (erstmals war Mosè 1985 beim Festival erklungen und in was für einen tollen besetzung!). Die 1200 Besucher in der Sporthalle mag das handwerklich gekonnte Spiel mit den einstürzenden Mauern und einem Panzer mehr fasziniert haben als den Betrachter am Bildschirm. Roberto Abbado hält das Geschehen mehr als nur routiniert zusammen und lässt Chor und Orchester des Teatro Comunale Bologna einen feierlichen Ton anstimmen. Großes Theater mit einer ordentlichen Besetzung: Alex Esposito ist ein prägnant akzentuierender und machtvoll singender Pharao; gut sind auch Sonia Ganassi, die etwas sopranheller heller klingen könnte und deren Stimmcharakter nicht zur Elcia zu passen scheint, Dmitry Korchak mit etwas verhangenem Tenor als Osiride, Olga Senderskaya mit schönen Tönen, aber auch technischen Mängeln als Amaltea, Yije Shi mit sicher sitzendem Tenor als Moses Bruder Aronne, Riccardo Zanellato als würdiger Moses und Enea Scala als auffallend prägnanter Mambre.

Rossin: "Ciro in Babilonia"/ Szene/ Foto Amati Bacciardi/ Rossini Festival Pesaro

Rossini: „Ciro in Babilonia“/ Szene/ Foto Amati Bacciardi/ Rossini Festival Pesaro

Im Sommer 2012 gab es: nein keinen Stummfilm, wie es während der Sinfonia mit dem aufgeregt tippelnden Personal à la Pickford und Fairbanks auf der Leinwand inklusive der netten Zwischentitel noch den Anschein hat, sondern Rossinis erste Fastenzeit-Oper. Rossinis vierte professionelle Oper, der 1812 in Ferrara uraufgeführte Ciro in Babilonia, sollte mit der biblischen Geschichte von Belsazars Festmahl den Bestimmungen, die während der Fastenzeit an eine Theaternutzung geknüpft waren, Genüge tun. Ein merkwürdiges Stück in einer merkwürdigen Wiedergabe. Denn tatsächlich wohnen die als Kinobesucher des frühen 20. Jahrhunderts verkleideten Chorsänger, deren Anteil an der Oper nicht so groß ist wie es die Bezeichnung als dramma con cori nahelegt, dem Geschehen, das Davide Livermore als Stummfilm mit Musik vor ihren Augen abrollt, wie Kinobesucher bei, die gelegentlich in die Handlung eingreifen: mächtig aufgeputzte und nachdrücklich weiß geschminkte und schwarz angemalte Figuren agieren vor ebenso überzeichneten Kulissen mit augenrollender Inbrunst und ausfahrender Gestik. Das ist plakativ und dekorativ, ohne den Versuch zu unternehmen, die Geschichte von Belsazar zu erzählen, der Ciros Frau Almira und ihren Sohn entführt hat und Amira heiraten möchte. Verkleidet als Botschafter gelangt Ciro an den Hof, trifft auf seine Gattin, wird entdeckt und verhaftet. Ciro und die Seinen werden zum Tode verurteilt, aber von den persischen Streitkräften befreit, die Babylon einnehmen. Alles schwarzweiß. Die Bühne wird von Leinwandgeflimmere überzogen. So könnte eine frühe Verfilmung des Stoffes bzw. ein Besuch in den Studios ausgesehen haben. Jeden Moment könnte David Wark Griffith oder ein anderer Hollywood-Mogul durchs Teatro Rossini schreiten. Das kunstvolle Spiel und die eindrucksvollen Kostüme und Szenerien sind ästhetisch zunächst höchst recht reizvoll. Das ermüdet aber bald, denn die Akteure werden auf Podesten hereingefahren, erwachen trotz des gespreizten, hochpathetischen Spiels kaum zum Leben, und eine Rollengestaltung findet nicht ansatzweise statt. Wäre da nicht Ewa Podles. Sie hatte den Ciro bereits kurz zuvor beim unweit von New York stattfindenden Caramoor Festival gesungen, wo diese Produktion im Rahmen von Will Crutchfields „Belcanto at Caramoor“ ihre Premiere erlebt hatte. Zusammen mit der Produktion und dem Dirigenten Cruchtfield ist Podles nach Pesaro gekommen, um einen der größten Triumphe ihre Karriere zu wiederholen. Sie sieht gruselig aus: eine kleine propere Frau, beklebt mit einem Bart und behängt mit Kleidern, die ihr nicht schmeicheln, dazu einen Käfig auf dem Kopf, eine Mischung aus der späten Adele Sandrock und einer russischen Kugelstoßerin. Über die lachhafte und groteske Erscheinung muss man hinwegsehen, denn wie Podles die Partie singt – „es ist die umfangreichste Altrolle bei Rossini überhaupt“ schreibt Richard Osborn mit Beiheft – ist von unleugbarer Größe. Natürlich meistert sie die enormen Tonsprünge, verfügt über ausgezeichnete Atemkontrolle und ein edles Legato, singt die Läufe und Koloraturen mit bewundernswerter Bravour, doch vor allem fesselt ihre dramatische Gestaltung, die Art und Weise wie sie den Rezitativen Gewicht und den Arien Inhalt verleiht, der Figur Würde und Pathos gibt. Bedeutender Rossini-Gesang kommt auch von Michael Spyres, dessen Tenor über die gesamte Spannweite der Partie des Belsazar bzw. Baldassare von gleichbleibender Qualität und Intensität ist. Zweifellos ist vieles an Jessica Pratts Gesang ausgezeichnet, vor allem die akkurat gestochenen kleinen Noten, wobei ich sie immer etwas kalt und ausdruckslos finde. Aber ihre Stummfilmstar-Amira trägt an der Seite von Podles zu einem der vokalen Höhepunkt des Festivals bei, denn – Osborn sagt es wieder sehr schön – „Mit ihrer antiken Unverdorbenheit und angeborenen Melancholie blicken die beiden Figuren auf die Liebenden in Rossinis erster Oper Demetrio e Polibio zurück und deuten die Liebenden in Tancredi voraus, der Oper, die

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Rossini im folgenden Jahr für das Teatro La Fenice in Venedig komponierte.“ Crutchfield dirigiert Chor und Orchester aus Bologna, die kleineren Partien sind gut besetzt. Also habenswert.

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weiter im Themenpark „Rossiniland“, in den die experimentelle Gruppe Teatro Sotterraneo aus Florenz mithilfe der Accademia di Belle Arti di Urbino das Teatro Rossini für den Einakter Il Signor Bruschino verwandelt. Die Handwerker treffen die letzten Vorbereitungen, um das Gelände für die Besucher aufzurüsten, haben Wegweiser zu La gazza Ladra und Guglielmo Tell wie zur „Osteria da Filiberto“ angebracht, bestücken den Souvenir-Shop und posieren in historischen Kostümen für Fotos. Das ist amüsant, aber auch angestrengt unterhaltsam. Der erfahrenen Roberto de Candia als Bruschino und der ebenfalls versierten Carlo Lepore als sein Gegenspieler Signor Gaudenzio sind zwei gewiefte Buffonisten, die sich im schnellen Plappergesang zu übertreffen versuchen. Ihnen wurden mit der kubanischen Sopranistin Maria Aleida als Sofia, deren Stimme sich vor allem in den extremsten Höhen am bravourösesten zeigt, dem Katalanen David Alegret als ihrem Tenor-Liebhaber Florville sowie Francisco Brito, dem als Bruschino Junior die Stotter-Arie „Padre mio!..mio, mio!“ zufällt, welche das Publikum der Rossini-Zeit so verstört hatte, stilsichere junge Sänger an die Seite gestellt, die unter Daniele Rustionis quicker Anleitung des Orchestra Sinfonica G. Rossini ein gutes Ensemble bilden, unter das sich immer wieder Touristen und Zuhörer mischen. 90 kurzweilige Minuten (eine Tracking-Liste fehlt bei allen Aufnahmen).

Der Bruschino wurde übrigens 1985 erstmals in bei den Festspielen in Pesaro gespielt, L‘ italiana in Algeri bereits 1981. Auch damals wäre die Welt Barbarellas, der psychedelischen Kunst und Installationen und der wilden Grün-, Orange- und Pinktöne schon etwas historisch gewesen. Davide Livermore ließ in seiner Neuinszenierung 2013 die 1960er Jahre aufleben, die Comics und den Film – inklusive eines filmischen Vorspanns, der Lindoros Gefangennahme schildert – und die bizarrsten Auswüchse der damaligen Mode, deren bunteste Beispiele von dem schwulen Eunuchen und den beiden Hostessen getragen werden. La cage aux folles. Man muss schon sehr aufpassen, um auf die Sänger zu achten. Alex Esposito dominiert als herrlich selbstgefälliger, springfreudiger und gerne nach der Viagra-Pille greifender Ölmagnat Mustafà mit seinem herrischen Bassbariton und den locker fließenden Koloraturen das Geschehen. Yije Shi, wir erinnern uns, er war der Aronne in Mosè in Egitto, singt den Lindoro mit großem Aufwand, guter Höhe, aber auch uncharmant und in der Cavatine wenig verführerisch. Zurückhaltend wirkt Anna Goryakovas Isabella in „Cruda sorte“; zwar sitzt die Stimme, perlen die Koloraturen gekonnt, doch der pure Aktionismus zügelt offenbar ihr Gesangstemperament; überzeugender die tändelnden Duette „Ai cparicci“ und „Che muso“, stimmungsvoll „Per lui che adoro“, prachtvoll „Pensa alla patria“. Mario Cassi machte aus dem Taddeo eine würdevolle Nebenfigur, Chor und Orchester aus Bologna sind unter José Ramón Encinars Leitung bestens aufgelegt. L’ italiana hat ihren 200. Geburtstag gut überstanden. Rolf Fath