Küsschen, Blumen und Jubel

Das Antrittskonzert Christian Thielemanns als GMD der Sächsischen Staatskapelle Dresden vom 1.September 2012 hat nun seinen Weg auf eine DVD bei Opus Arte (OP 1115D) gefunden. Ganz eindeutig als Glamour-Faktor wird die Sängerin Renée Fleming als Interpretin der Wolf-Lieder eingesetzt. Sehr blond und extravagant, wenn auch unvorteilhaft gekleidet, sorgt sie erst einmal für den Show-Effekt. Dass sie das eigentlich gar nicht nötig hat, beweist sie aber umgehend mit einem makellosen, nur in der Textverständlichkeit verbesserungswürdigen Vortrag von fünf der bekanntesten Wolf-Lieder. Drei wurden vom Komponisten selbst orchestriert, die verbleibenden von Joseph Marx und Günther Raphael. Die Stimme strömt frei und schlackenlos, spätestens mit der Zugabe von Strauss‘ „Befreit“ hat sie das Publikum erobert, viele Küsschen von Thielemann, Blumen und allgemeine Begeisterung.

Bruckners siebte Symphonie ist da schon von schwererem Kaliber. Hier ist Thielemann aber in seinem Element, und er entlockt seinem Orchester, der „Zauberharfe“, eine reife, ernsthafte Interpretation. Besonders das überlange, dem Vernehmen nach durch die Nachricht von Wagners Tod inspirierte, tief traurige Adagio rührt ungemein an. Das Dresdener Orchester hat mit Thielemann sicherlich die optimale Wahl getroffen. Am Ende nicht nur großer Jubel, auch in Dresden darf inzwischen der Einzelapplaus für einzelne Orchestergruppen oder Musiker nicht fehlen. Sicher gerecht, aber damit geben die Orchester ein wenig von ihrer kollektiven Identität auf. Zeitgeist eben. Dass die Kamera verschiedentlich die Mittelloge fokussiert, in der einige prominente Politiker zu sehen sind, ist eher peinlich. Insgesamt aber ein schönes Dokument von Thielemanns Dresdner Einstand.

Peter Sommeregger