Das letzte Konzert

 

Arthaus hat Otto Klemperer, der unter den großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts eine der interessantesten Gestalten ist, eine repräsentative Box gewidmet (4 058407 092896). Sie besteht aus zwei Filmen des 1932 geborenen niederländischen Filmemachers Philo Bregstein über das Leben Klemperers und dessen letztes Konzert auf jeweils einer DVD. Komplett ist das Konzert vom 26. September 1971 auf zwei CDs enthalten. Zusätzlich gibt es ein hochwertig aufgemachtes Büchlein in englischer, französischer und deutscher Sprache, welches spannende Hintergrundinformationen liefert zu den Filmen, dem Konzert und zu Klemperer ganz allgemein. Es darf als gelungene Draufgabe betrachtet werden.

Nach mehr als vier Jahrzehnten liegt nun Bregsteins hochgelobte Dokumentation „Otto Klemperer’s Long Journey through his Times“ endlich wieder vor, komplett restauriert und neu bearbeitet. Es handelt sich um die dritte Fassung des Films. Nach Klemperers Tod 1973 wurde die Erstfassung ausgestrahlt, die den Qualitätsstandards des Regisseurs nur bedingt genügte. 1984 erschien eine Bearbeitung, jetzt die Neufassung, die auch im Beiheft ausführlich erläutert wird. Darin zeichnet Bregstein den Lebensweg Klemperers nach, von den Anfängen als Assistent Gustav Mahlers über die Tätigkeit als Direktor der Berliner Kroll-Oper während der Weimarer Republik, die langjährige Phase des erzwungenen Exils in den USA während der nationalsozialistischen Diktatur, die beschwerliche Rückkehr nach Europa bis hin zu seinem späten „Indian Summer“ in den 1950er und 60er Jahren. Zwischen 1954 und 1971 entstanden die heute als legendär geltende Einspielungen Klemperers mit dem Philharmonia Orchestra (ab 1964 New Philharmonia Orchestra) für EMI.

Im Film kommen unter anderem der Komponist Paul Dessau (der Klemperers Interpretationen als „antikulinarisch“ charakterisiert und auf die Notwendigkeit des Mitdenkens des Publikums im Brecht’schen Sinne eingeht) und der Philosoph Ernst Bloch zu Wort (der Klemperer als „optisch, plastisch und vor allen Dingen geistig überragende Gestalt“ bezeichnet), daneben auch Lotte Klemperer, die Tochter. Klemperer selbst gibt zahlreiche Anekdoten zum Besten, beispielsweise die Bekanntschaft mit Strawinsky, Richard Strauss und Schönberg betreffend. Besonders geht er auf seine Begegnung mit Gustav Mahler ein, unter dem er Iphigenie in Aulis und Die Walküre noch selbst erlebte und dessen Empfehlungsschreiben er den Auftakt zu seiner eigenen Karriere zuschrieb. Dem Exil in Kalifornien, wo viele deutschsprachiger Künstler Zuflucht vor Verfolgung fanden, wird viel Raum gewidmet. In dieser Zeit ereilten ihn schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Nie ganz erholt hat er sich vom operativen Eingriff, den ein Gehirntumor bedingte. Zurecht wird die Zeit nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg als seine Wiederauferstehung tituliert. Doch auch in diesen goldenen Jahren“ gab es mit dem Tod seiner Frau Johanna 1956 und dem folgenreichen Brandunfall 1958 Tiefpunkte. Klemperer, der beim Rauchen eingenickt war und dabei Feuer gefangen hatte, versuchte den Flammen in einer panischen Reaktion ausgerechnet mit brennbarem Alkohol Herr zu werden. Obwohl abgeschrieben, sollte er sich auch davon wieder erholen. Schließlich wurde 1964 das Philharmonia Orchestra in seiner ursprünglichen Gestalt durch EMI-Produzent Walter Legge aufgelöst, was Otto Klemperer, der sich selbst immer primär als Komponist begriff, letztlich auch überwinden musste. Sein manisch-depressives Naturell wird es ihm nicht erleichtert haben.

Es wird im Film sehr schön deutlich, dass Klemperer alles andere als ein Perfektionist war. Er äußert sich abfällig über die Schallplattengesellschaften, die jeden noch so kleinen Verspieler zu seinem Leidwesen tilgen wollten. Auch behagte es ihm wenig, weitgehend auf Beethoven reduziert zu werden. Tatsächlich war sein Repertoire ungeheuer groß und erstaunlich expressiv. Und es hieße, Klemperer zu verkennen, würde er nur in der späten Zeit wahrgenommen. Seit etwa 1967 wurden die Tempi immer langsamer, wie auch das Beiheft zutreffend bemerkt. Dies dürfte vorrangig gesundheitliche Gründe gehabt haben. Der heute als „typisch“ empfundene langsame Klemperer der letzten Jahre ist aufgrund seiner diskographischen Verfügbarkeit in Wahrheit überrepräsentiert.

Der zweite Film widmet sich — wenngleich seinerzeit so nicht beabsichtigt — Klemperers letztem Konzert, das in der Royal Festival Hall in London stattfand. Gespielt wurden die „König Stephan“-Ouvertüre und das vierte Klavierkonzert von Beethoven sowie die dritte Sinfonie von Brahms. Bregstein konzentriert sich auf die Probenarbeit, besonders auf den ersten Satz der Brahms-Sinfonie. Damit wird zwar die Arbeitsweise Klemperers gut beleucht, ein Ersatz des gesamten Konzerts ist es nicht. Außer dem besagten Satz sind nur Fragmente erhalten. Gleichwohl wird Klemperers körperlicher Verfall, auf den nicht gesondert eingegangen wird, überdeutlich. Beim eigentlichen Konzert kann er das Podium nur mit fremder Hilfe erreichen. Sobald der erste Takt erklungen ist, scheinen die Gebrechen wie weggeblasen.

Die Dritte von Brahms war eine Spezialität Otto Klemperers und ist somit zu seinem musikalischen Testament geworden. Verglichen mit seinen früheren Aufnahmen klingt dieser Mitschnitt von 1971 dunkler, in der Tempogestaltung zelebrierter, ohne je langsam herüberzukommen. Im Ganzen sind Untertöne des Abschieds durchaus vernehmbar. Auch im vierten Klavierkonzert spielt (ungewohnt) der Dirigent die Hauptrolle. Daniel Adni bleibt als Solist etwas blass, und es darf ohnehin bezweifelt werden, dass die Konzertbesucher seinetwegen in die Royal Festival Hall pilgerten. Die kaum gespielte „König Stephan“-Ouvertüre leitet das letzte Konzert ein. Sie ist König Stephan, dem Heiligen aus Ungarn, zugeeignet. Das prägnante, ohrwurmartige Hauptmotiv dient übrigens auch als Musik für das DVD-Menü. Klemperer nahm sie bereits

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Jahre zuvor im Studio auf. Es dürfte bis heute keine langsamere Aufnahme geben als diese allerletzte.

Klemperer TestamentTontechnisch ist nicht wirklich eine Verbesserung gegenüber des seit langem beim Label Testament vorliegenden „Last Concert“ feststellbar (SBT 1425). Trotz hingebungsvoller Restauration des Filmmaterials wurde bei der technischen Umsetzung insgesamt kein Wunder erzielt. Die Bildqualität ist allenfalls durchschnittlich zu nennen. Die eingespielten Interviews leiden mitunter an schwer verständlichem Klang. Überhaupt kann man sich des Eindrucks von einer Art Amateurproduktion nicht erwehren. Dafür spricht auch, dass versäumt wurde, das Konzert in Stereo einzufangen. Eigentlich ein Unding im Jahre 1971. Tontechnisch klingt auch die reine Audioumsetzung so, als sei sie zwanzig Jahre älter, fast nach einem inoffiziellen „In House“-Mitschnitt“. Es stellt sich die Frage, was sich die BBC — die es ja auch versäumte, Klemperers Live-Darbietung des Lohengrin von 1963 mitzuschneiden — dabei gedacht haben mag. Der Gesamteindruck ist gleichwohl ein positiver, auch wenn die Preisvorstellungen des Labels nicht unbedingt dazu geeignet sein werden, dieser Box zu einer allzu großen Verbreitung zu verhelfen. Daniel Hauser