Es ist wieder soweit…

Wer das Adventskonzert 2014 aus der Dresdner Frauenkirche nicht abwarten kann, hat die Gelegenheit, das des Jahres 2013 auf Blu-ray genießen zu können. Voraus gehen ihm Bilder aus dem vorweihnachtlichen Dresden, dem dortigen Weihnachtsmarkt und den schönen Gebäuden, deren wunderbarste die Frauenkirche ist und bleiben wird, sei es das Äußere mit den wenigen, immer noch in ihrer Schwärze  von der grauenvollen Bombennacht des 13.2.1945 zeugenden Originalsteinen, sei es das Innere in seiner noch allzu frisch wirkenden Schönheit in Weiß und Gold. Die Kameraleute haben hier großartige Arbeit geleistet und lassen den Zuschauer aus allen möglichen und unmöglichen Perspektiven das Bauwerk bewundern.

Im Dezember 2013 waren zwei gerade gekürte Echo-Preisträgerinnen und der im Booklet als „einer des besten Wagnersänger weltweit“ apostrophierte Klaus Florian Vogt die Gesangssolisten. Darüber kann man streiten, aber dass er in dieses Ambiente und zu dieser Musik passt, steht außer Frage. In Camille Saint- Saens` Domine, ego credidi ist der Knabentenor am richtigen Platz und trifft in seiner frommen Beflissenheit den richtigen Ton, ebenso in Adams Cantique de Noel, für das der Sänger sogar die staunenden Kinderaugen bereit  hält.

Zur besten Nachwuchssängerin war gerade Julia Lezhneva gekürt worden, und sie erfreut mit einem zarten Mädchensopran voller Reinheit und mit feinen, runden Piani in Mozarts  Esultate, überzeugt mit innigem, fast kindlich-fromm klingendem Gesang und einer schönen Kadenz. Virtuos wird es im Alleluia. In Ausschnitten aus Mozarts Großer Messe c-Moll darf sie an der Seite des absoluten Stars des Abends, Joyce DiDonato glänzen, wobei die beiden Stimmen sich wunderbar miteinander mischen. Die Amerikanerin ist außerdem in Mascagnis  Ave Maria und in Puccinis Salve Regina zu hören und weiß mit dem kostbaren, edlen Material ebenso zu glänzen wie mit hingebungsvoller Expressivität.

Gleich zwei Chöre sind an dem Konzert beteiligt: der Chor der Dresdner Staatsoper und der Kammerchor der Frauenkirche und bestärken den Hörer in seiner Meinung, dass weihnachtliche Musik vor allem Chormusik ist, wobei sich der Kirchenchor nicht hinter dem des Opernhauses  verstecken muss. Das kommt ganz besonders im abschließenden  Macht hoch die Tür mit allen Mitwirkenden zum Ausdruck, zu denen auch die Dresdner Staatskapelle unter Markus Poschner gehört, während der Kammerchor von Matthias Grünert geleitet wird. Obwohl eher Leipzig als Dresden verbunden, ist Mendelssohn Bartholdy gleich mit zwei Stücken vertreten, mit Wachet auf  und Denn er hat seinen Engeln befohlen, in denen die Mitglieder der Oper mit einem herrlichen Decrescendo glänzen, der Kammerchor durch eine besondere Innigkeit überzeugt. Zwei Ausschnitte aus Tschaikowskis  Nussknacker vervollständigen das eine Stunde dauernde Konzert. Auf das diesjährige kann man gespannt sein (Sony 88875033599).

Ingrid Wanja