Schwäne in Monte-Carlo

Tschaikowskys Ballett-Klassiker boomt derzeit in der internationalen Tanzszene. Nach Alexander Ekmans Version A Swan Lake für das Osloer Ballett und Silvana Schröders Deutung Der schwarze Schwan beim Thüringischen Staatsballett Gera liegt nun die Choreografie Lac von Jean-Christophe Maillot für sein Ballet de Monte-Carlo auf DVD bei OPUS ARTE vor (OABD7154D). Es ist eine ungewöhnliche, überaus spannende Sicht auf die Geschichte, die Kindheitsängste und Alpträume verarbeitet, die mehrfach den Wechsel zwischen Mensch und Tier zeigt, den Schwan als Vogelfrau darstellt – uraufgeführt 2011 im Grimaldi Forum, Monaco. Maillots Deutung beginnt mit einem Stummfilm, der die Liebe des jungen Prinzen in Kindheitstagen schildert. Anlässlich seines Geburtstages bei einem Picknick mit den königlichen Eltern erscheint bereits hier eine unheilvolle nächtliche Zauberin mit ihrer Tochter, dem Schwarzen Schwan. Die Choreografie zwischen Neoklassik und modernem Ausdruckstanz ist rasant, und die exzellenten Tänzer setzen sie mit Kraft und Vitalität imponierend um – der sprungstarke Prince (Stephan Bourgond), The White Swan als verängstigt flatterndes Wesen (Anja Behrend), der animalische Black Swan (April Ball) und dessen Mutter, die diabolisch rasende Her Majesty The Night (Bernice Coppieters). Die der Carabosse in The Sleeping Beauty nahe Figur steht für den Zauberer Rotbart, erscheint in Begleitung zweier männlicher schwarzer Engel und ihrer Tochter, die sie vom Schwan am Tag in ein junges Mädchen in der Nacht verwandelt. Keineswegs Episodenrollen sind der gefährlich militant wirkende King (Alvaro Prieto) und die aggressive, herrscherliche Queen (Mimoza Koik). Im 3. Akt am Hof faszinieren sie mit einem artistischen Pas de deux voller spektakulärer Würfe. Auch der Vertraute des Prinzen (Jeroen Verbruggen) imponiert mit einem rasanten Wirbel, den er am Ende des 1. Aktes entfesselt und den Prinzen einbezieht.

Eindrucksvoll sind die Kamerasequenzen aus der Vogelperspektive, welche die ornamentalen choreografischen Formationen plastisch darstellen. Auf Ernest Pignon-Ernests stilisierter Bühne aus Stoffbahnen, Gesteinsblöcken und Schraffur haben die Tänzer in phantasievollen Kostümen von Philippe Guillotel beste Voraussetzungen, diesen genialen choreografischen Wurf umzusetzen.

Bernd Hoppe