Maya Plisetskaya

 

In der Reihe Elegance – The Art of… hat ARTHAUS nun auch ein Porträt der legendären Primaballerina Maya Plisetskaya wieder veröffentlicht, das die Tänzerin in fünf Tanzszenen festgehalten hat, worauf sich auch der Untertitel der DVD (109321) A Tribute in Five Ballets bezieht.

Das Programm beginnt mit der Carmen-Suite ihres Komponistengatten Rodion Shchedrin in einer Aufzeichnung aus dem Jahre 1978 – eine Paradenummer der Ballerina, die sie auf vielen Galas und weltweiten Tourneen bis ins hohe Alter gezeigt hat. Die Aufnahme ist auch deshalb von Bedeutung, weil ihr charismatischer Partner als Don José der nach seiner Flucht in den Westen auf mysteriöse Weise umgekommene Alexander Godunow ist. Alberto Alonsos Choreographie in ihrem rhythmischen Drive und der rasanten Bewegungsfolge ist wie geschaffen für die Plisetskaya, die sich zunächst aufreizend lässig, dann aber fatalistisch gibt wie in einer griechischen Tragödie In einem Special Feature als Bonus der DVD ist die Tänzerin noch in einem Gespräch über diese von ihr kreierte Rolle zu sehen.

Zwei Jahre früher entstand die Aufnahme eines Tanzduos mit dem Titel Romantic Encounter nach Turgenjews Novelle Frühlingsfluten in der Choreographie von Valentin Elisariev auf Musik von Tschaikowsky. Hier ist Anatoly Berdyshev an der Seite der Plisetskaya, die zunächst einen Vamp mit flammend rotem Haar und pathetischer Expression gibt, danach sich in keuschem Weiß mit ihrem Partner als gänzlich veränderter Frauentyp zeigt. Schließlich ist sie im leuchtend roten und wiederum weißen Kostüm in leidenschaftlichen Pas de deux mit artistischen Hebungen zu sehen.

Ein Edelstein der Sammlung ist das Rosen-Adagio (Grand adage à la rose) aus Tschaikowskys Dornröschen von 1977 aus dem Bolshoi Theater, denn die Rolle der Aurora gehörte nicht zu ihrem Kernrepertoire. Die heikle Nummer mit ihren schwierigen Balancen zelebriert sie in wahrhaft aristokratischer Manier, auch wenn sie in ihrer strengen Aura eher einer Carabosse ähnelt.

Von Roland Petit stammt die Choreographie La Rose Malade auf das Adagietto der 5. Sinfonie  von Gustav Mahler. Seit Jahren zeigen es Lucia Lacarra und Marlon Dino vom Bayerischen Staatsballett bei Galaveranstaltungen. Hier assistiert Valery Kovtun dem Star. Beide geben ein traumverlorenes Paar mit ekstatischen Höhepunkten und schließlich dem Vergehen in Todessehnsucht.

Den Abschluss bildet eine Schöpfung Maurice Béjarts, Ave Maya auf Bach/Gounods „Ave Mara“, die der Franzose der 1925 geborenen Russin zu ihrem 75. Geburtstag gewidmet hatte. Aus dem Jahre 2000 stammt auch die Live-Aufnahme dieses Solos, das sie in japanisch inspirierter Manier mit zwei Fächern in einem strengen Ritual festhält.

Das Cover dieser Veröffentlichung zeigt die Tänzerin als Sterbender Schwan – gleichfalls eine ihrer Visitenkarten. Doch auf dieses berühmte Solo wartet man vergeblich, es hätte diese Zusammenstellung geziert, wenn nicht gekrönt. Bernd Hoppe

 

Wieder aufgelegt hat ARTHAUS auch die Tschaikowsky-Klassiker Schwanensee und Nussknacker – ersten in Alexander Ekmans Version der Wasserspiele aus Oslo (A Swan Lake/109323), letzteren in Toer van Schayk & Wayne Eaglings Lesart vom Amsterdamer Dutch National Ballet als The Nutctacker and the Mouse King (109322). Beide Ausgaben wurden auf diesen Seiten bereits besprochen. B. H.