EIFERSUCHT UND VERSÖHNUNG

Christopher Wheeldon ist der neue Starchoreograf beim Royal Ballet London. Nach dem turbulenten Spektakel mit Alice’s Adventures in Wonderland 2011 triumphierte er drei Jahre später mit The Winter’s Tale nach Shakespeares Schauspiel. Wieder stammt die Musik von Joby Talbot, sorgt Bob Crowley für eine Ausstattung zwischen Abstraktion und Romantik-Zitaten. OPUS ARTE hat die Uraufführung in Covent Garden für die DVD festgehalten (OA 1156 D). Nicht weniger als sechs Principal Dancers der Company nehmen daran teil, angeführt von dem in der expressiven Reife und tänzerischen Perfektion überwältigenden Edward Watson als Leontes, König von Sizilien, der seine schwangere Frau Hermione der Untreue mit dem gemeinsamen Freund Polixenes, König von Böhmen, bezichtigt und sie ins Gefängnis werfen lässt. Dort bringt sie ein Mädchen zur Welt, das auf Geheiß Leontes ausgesetzt werden soll. Unter dem Namen Perdita wächst es bei böhmischen Schäfern auf und verliebt sich in Polixenes’ Sohn Florizel, was nach vielen Verwicklungen das versöhnliche Ende bringt und auch das sizilianische Königspaar wieder vereint. Die stupenden Leistungen von Lauren Cuthbertson als anmutig elegante Hermione, Federico Bonelli als jugendlich viriler Polixenes, Sarah Lamb als bezaubernde Perdita, Steven McRae als vitaler Florizel und Zenaida Yanowsky als Hermiones fürsorgliche Haushälterin Paulina sowie die vielschichtige Choreografie mit dramatischen und emotional ergreifenden Szenen, zu denen Talbots Musik die atmosphärische Klangfolie liefert, machen die Aufführung zu einem packenden Erlebnis. Bernd Hoppe

Die Liebe triumphiert über die Hässlichkeit: Nach seiner überzeugenden Neudeutung von Le Corsaire hat Kader Belarbi mit dem Ballet du Capitole im Oktober 2013 in Toulouse seine Choreografie La Bête et la Belle gezeigt, welche den Titel der Erzählung von Marie Leprince de Beaumont umkehrt und damit den Schwerpunkt der Fabel auf das Biest verlagert. Takafumi Watanabe gibt dieses nicht als Monster, sondern ist eine Mitleid erheischende Kreatur. Tänzerisch imponiert er durch seine stupende körperliche Beherrschtheit. Julie Loria ist die Beauty – anfangs naiv und ausgelassen-spielerisch, später in berührender Zuneigung zu dem fremdartigen Wesen. Valerio Mangianti tanzt den verführerischen Schwan, Kazbek Akhmedyarov brilliert als zudringlicher Toroador. Viele Fabelwesen sorgen für optischen Schauwert und tänzerische Vielfalt. Die Musik ist eine Collage zwischen schrägen und harmonischen Klängen aus Kompositionen Ligetis, Daquins, Haydns und Ravels, die poetisch-surreale Ausstattung stammt von Valérie Berman.  Die 2005 in Montreal uraufgeführte phantasievolle Arbeit erweist sich auch zehn Jahre später noch als gültig, was der von OPUS ARTE veröffentlichte DVD-Mitschnitt (OA 1157 D) eindrucksvoll bestätigt. Bernd Hoppe