Zwischen Tradition und Moderne

 

An Gesamtaufnahmen der neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven besteht wahrlich kein Mangel. Selbst wenn man sich bloß aufs einundzwanzigste Jahrhundert beschränkt, sind da unter anderem die Zyklen von Paavo Järvi mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen (RCA), Frans Brüggen mit dem Orchestra of the Eighteenth Century (Glossa), Emmanuel Krivine mit La Chambre Philharmonique (Naïve), Riccardo Chailly mit dem Gewandhausorchester Leipzig (Decca) und Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern (Sony) zu nennen. Järvis und Thielemanns Einspielungen erschienen auch zusätzlich auf DVD/Blu-ray (Sony bzw. Unitel), der Trend nimmt diese Richtung. Die Gesamtaufnahme des schweizerischen Dirigenten Philippe Jordan geht sogar noch einen Schritt weiter und kommt (vorerst?) nur in Videoformaten auf den Markt (Arthaus 109248 / DVD bzw. 109249 Blu-ray). Über Sinn und Unsinn dieser Entwicklung könnte man lange diskutieren.

Philippe Jordan, Sohn des Dirigenten Armin Jordan (1932 – 2006) und seit 2009 Musikdirektor der Opéra National de Paris, ist niemand, der sich allein auf Oper beschränken will. Dass er und seine Pariser Musiker auch konzertantes Repertoire draufhaben, bewiesen sie unlängst mit einigen viel gelobten CD-Veröffentlichungen. Konnte man bei den sinfonischen Auszügen aus dem Ring von Wagner (Erato) noch auf die Operntradition des Orchesters verweisen, griff dieser Erklärungsversuch spätestens bei der Alpensinfonie von Richard Strauss und Werken von Debussy, Strawinsky und Ravel (beides naïve) zu kurz. Etwaige Vorbehalte gegenüber dem genuinen Opernorchester sind also hinreichend entkräftet. Überhaupt: Bereits Carlo Maria Giulini legte Anfang der 1990er Jahre einen bemerkenswerten Beinahe-Zyklus der Beethoven-Sinfonien (die Neunte fehlt) mit der Filarmonica della Scala vor, der aufhorchen ließ. Wie Jordan in seinem ans Publikum gerichteten Begleittext betont, sei Beethoven für ihn „das A und O der Symphonik“, mit dem sich jeder Dirigent immer wieder auseinandersetzen müsse. Die Tatsache, dass das Pariser Opernorchester diese Werke noch nie gespielt hat, war für Jordan ein weiterer Ansporn für dieses Projekt.

Philippe Jordan ganz traditionell gewandet/ Screenshot Arthaus

Aber in medias res: Wie klingt dieser schweizerisch-französische Beethoven? Anders als im vor einigen Jahren erschienenen französischen Zyklus unter Emmanuel Krivine verzichtet Jordan auf Originalinstrumente und lässt Vibrato zu. Gleichwohl ist unstrittig, dass er durchaus Einflüsse der historischen Aufführungspraxis in seine Interpretationen einfließen lässt. Beethoven ist bei ihm nicht der Titan, wie ihn uns frühere Dirigenten vermittelten. Weder von Furtwängler’schen Nebelschwaden noch von wagnergleichem Pathos á la Knappertsbusch oder der Entdeckung der Langsamkeit wie beim späten Klemperer kann hier die Rede sein. Stetig vorwärtsdrängend, der Zukunft zugewandt, dabei jedoch nicht die Vergangenheit völlig aus den Augen verlierend, das umschreibt Jordans Ansatz. Besonders die fünfte Sinfonie darf als Bewährungsprobe gelten. Fast jeder namhafte Dirigent seit Arthur Nikisch Anno 1913 hat sie zumindest einmal aufgenommen. Ein epochales Werk wie dieses verträgt vielerlei Arten der Herangehensweise. Mit dem berühmten Auftakt steht oder fällt bereits vieles. Wilhelm Furtwängler verzögerte die ersten Takte unnachahmlich, Paavo Järvi preschte beinahe wahnwitzig vor. Jordan vermeidet die Extreme und entscheidet sich elegant für den Mittelweg. Sofort fällt der satte Orchesterklang auf, der ins Ohr geht. Pointiert gestaltet Jordan Details, lässt die Holz- und Blechbläser prominent hervortreten und die Pauken deftig knallen. Einen Streicherklangteppich wie weiland bei Karajan wird man nicht erwarten dürfen. Der langsame Satz trieft bei Jordan nicht vor Larmoyanz, sondern lässt bereits Hoffnung am Horizont erkennen. Im intermezzoartigen Scherzo spürt man förmlich den Geist des Aufbruchs, der sich in einer der genialsten Überleitungen in der Musikgeschichte (hier in beschwingten 39 Sekunden) schließlich seinen Weg bahnt und im fulminanten Finalsatz mündet. Einer gewissen Agogik ist Jordan übrigens nicht abgeneigt, weswegen er auch in keine Schublade passt. Die Blechbläser lässt er zum Beispiel stellenweise geradezu altmodisch langsam „anschwellen“. Natürlich spielt er die vorgeschriebenen Wiederholungen. Das Werk klingt ohne Manierismen, wie sie Nikolaus Harnoncourt in seiner letzten Aufnahme verewigt hat, aus.

Le Génie de la Liberté: Die Julisäule spiegelt sich in der Glasfassade der Opéra Bastille. Dort wurden die Sinfonien 1, 3, 4, 5, 6, 8 und 9 aufgezeichnet. Foto: Winter

Ein weiteres „Schlachtross“ ist seit jeher die dritte Sinfonie, die Eroica. Ihre Ausmaße sprengten 1803, zum Zeitpunkt der Uraufführung, alles bis dahin Dagewesene. In rascher Abfolge erfolgen bei Jordan die berühmten beiden Schläge zum Auftakt. Er nimmt die Tempobezeichnung Allegro con brio wörtlich, wirft gleichwohl hie und da ein originelles Ritenuto ein und entzieht sich schon dadurch wieder dem Schubladendenken, das in traditionelle und moderne Interpretationen einzuteilen versucht. Schön ausgekostet die berühmte Coda, der heroischste Moment des Kopfsatzes, allerdings leider ohne markante Paukenschläge am Höhepunkt. Den als Marcia funebre bezeichneten langsamen Satz entkleidet Jordan jedes Anfluges von Pathos, sieht ihn nicht anachronistisch von Siegfrieds Trauermarsch aus der Götterdämmerung her betrachtet, sondern noch klar als ein Produkt der Wiener Klassik. Eine gekonnte Tempogestaltung lässt Jordan dem Finalsatz angedeihen. In der Coda wiederum ein Vermeiden der Extreme.

In der vierten Sinfonie wollte schon Robert Schumann „eine griechisch schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“ erkennen. Richtig ist an diesem Ausspruch zweifellos, dass sie seither im Vergleich zur Eroica und Fünften einen etwas schweren Stand hat. Dabei ist bereits die langsame Einleitung in b-Moll ein kunstreicher Kniff des Komponisten, der dem Hörer gleichsam vorgaukelt, ihn erwarte nun ein bedeutungsschweres Opus. Mitnichten. Selten klang Beethoven so ausgelassen wie im nun folgenden Hauptteil des Kopfsatzes in B-Dur. Das wohl unwiederholbare Momentum Furtwänglers (besonders mit den Wiener Philharmonikern 1953 live in München, Tahra u.a.) bei diesem abrupten Stimmungswechsel erreicht er zwar nicht, doch wissen Jordan und seine Pariser diese Heiterkeit gleichwohl auf ihre Art formidabel umzusetzen. Einzelne Instrumentengruppen hervorzuheben fällt schwer, da das gesamte Ensemble überzeugt. Das Adagio nimmt Jordan flott, eher allegretto-artig, wodurch der Unterschied zum nachfolgenden Scherzo etwas weniger stark ausgeprägt ist. Feurig gerät das Finale.

Ludwig van Beethoven ist an der prachtvollen Fassade der Opéra Garnier in Paris, dem Aufführungsort der 2. und 7. Sinfonie, verewigt. Foto: Winter

Zu Beethovens Lebzeiten war sie seine am höchsten geschätzte und noch heute zählt sie fraglos zu den beliebtesten seiner Sinfonien: Die Rede ist von der Siebenten, die manch einem als die Vollendung der klassischen Sinfonie überhaupt gilt. Beim einleitenden Auftakt gibt es bei Jordan kein langes Verweilen, es drängt geradezu aufs Vivace hin, eines der absoluten Highlights in einem Kopfsatz des Beethoven’schen Œuvre. Der Dirigent bleibt seiner bewährten Linie treu und vermeidet die Extreme, worin ihm das Orchestre de l‘Opéra National de Paris bereitwillig folgt. Die ganze Interpretation erinnert mich an den denkwürdigen letzten Auftritt des 92-jährigen Sir Neville Marriner in Wien, der ebenfalls eine ganz hervorragende und ungemein aufgeweckte Darbietung dirigierte. Vielleicht ist Jordans Beethoven tatsächlich jenem Marriners näher, als man glauben möchte. Beide nehmen den langsamen Satz in einem wirklich schreitenden Tempo, das vor dem geistigen Auge den als mürrisch verschrienen, sinnierenden Beethoven auftauchen lässt. Tatsächlich gelingt Jordan hier einer der Höhepunkte des gesamten Zyklus. Nach dem kontrastierenden Scherzo der furiose Schlusssatz, in dem Wagner eine „Apotheose des Tanzes“ erkennen wollte und der Weber dazu veranlasste, Beethoven als „reif fürs Irrenhaus“ zu erklären. Dem modernen Hörer, der weit Radikaleres gewohnt ist, mag dies befremdlich erscheinen, doch hat diese bis zur Ekstase getriebene rauschhafte Steigerung auch nach zweihundert Jahren nichts von ihrer einstigen Faszination verloren. Die furiose Zuspitzung in der Coda mit heulenden Trompeten und wummernden Bässen hat man andernorts zwar schon gespenstischer vernommen (so in Stokowskis Letztdeutung von 1975, Decca), gleichwohl gilt auch bei Jordan: Hier ist der Beifall im wahrsten Sinne des Wortes mitkomponiert.

Als einzige der Beethoven-Sinfonien hat die Sechste, die Pastorale, ein Programm, ist gleichsam der Auftakt zur Programmmusik. Die Schilderung der Natur traf im frühen neunzehnten Jahrhundert den Nerv der Zeit. Das bukolische Element durchzieht, ausgenommen den vierten Satz, das gesamte Werk. Jordans gewohnt flotte Tempi lassen den geneigten Hörer im Kopfsatz im wahrsten Sinne des Wortes erwachen. Im Gegensatz zu vielen anderen, vor allem früheren Interpreten, die den Satz sehr gemächlich angehen, ist er den Tempovorstellungen Beethovens nahe. Wohl keine der neun Sinfonien läuft so leicht Gefahr, als nette Hintergrundmusik missbraucht zu werden. Die lyrische Stimmung insbesondere der beiden ersten Sätze verführt nicht selten dazu, weswegen man die wirklich gelungenen Aufnahmen der Pastorale sozusagen an einer Hand abzählen kann. Das eine Extrem stellt (einmal mehr) die hochgradig subjektive, von ekstatischen Ausbrüchen begleitete Lesart Furtwänglers dar (insbesondere in der ganz späten Live-Aufnahme aus Berlin von 1954, Audite). Unbedingt zu erwähnen ist auch die Einspielung Giulinis mit dem Orchester der Scala (Sony), eines der Highlights seines Beinahe-Zyklus. Romantischer und dunkler timbrierter wurde das Werk wohl selten gespielt. Auch Gewitter und Sturm fügen sich hier organisch ins Gesamtwerk ein und stechen nicht wie ein Fremdkörper heraus. Jordan sucht wiederum die Mitte. Bei ihm ist es kein Jahrhundertsturm, aber auch kein laues Lüftchen. Insgesamt hat man das andernorts aber schon packender gehört. Der Ausklang mit den Hirtengesängen gelingt Jordan wiederum sehr für sich einnehmend.

Für den Musikdirektor der Opéra National de Paris, Philippe Jordan, ist Beethoven „das A und O der Symphonik“./ Screenshot Arthaus

Genau im Jahre 1800 erfuhr die erste Sinfonie ihre Uraufführung, fünf Jahre nach der letzten, der einhundertundvierten von Joseph Haydn. Bereits der Auftakt mit einer Dissonanz verkündet den Anbruch einer neuen Zeit. Den typischen Beethoven-Tonfall kann man bereits bei diesem Erstling heraushören; da ist nichts mehr vom zu Ende gehenden Rokokozeitalter mit Perücken und Puder spürbar. Auch wenn es sich nominell um die einzige Sinfonie Beethovens handelt, die noch im achtzehnten Jahrhundert entstand, weist sie unweigerlich bereits ins neunzehnte. Jordan und die Seinigen können das Revolutionäre dieses Werkes schön herausarbeiten. Hatte die Erste noch den Bonus, ganz am Anfang zu stehen, wurde die Zweite in der Vergangenheit von einigen bedeutenden Dirigenten und Musikkritikern, darunter Furtwängler und André Tubeuf, als kein wirklicher Fortschritt ihr gegenüber abgetan. Dass dies mitnichten der Fall ist, verdeutlicht die hier dargebotene Interpretation, die sie vielmehr zu einer „kleinen Eroica“ aufwertet. Bereits der Kopfsatz ist doch um einiges gewichtiger. Farbenprächtig bringen die Pariser das Schwelgerische zu Gehör, ohne ins Pompöse abzugleiten. Eine unerwartete moderne Referenz lieferte hier übrigens wiederum Marriner mit dem unscheinbaren Poznań Philharmonic Orchestra (Dux). Warum das Larghetto einer der großartigsten langsamen Sätze von Beethoven ist: hier kann man es (in gar nicht so getragenem Tempo) erfahren. Den dritten Satz nannte Beethoven erstmals explizit Scherzo, nicht mehr Menuett; aufgrund des hohen Tempos wäre es auch kaum tanzbar. Die zweite Sinfonie besitzt eines der mitreißendsten Finali im gesamten Schaffen Beethovens. Die Streicher haben einige atemberaubende Passagen, besonders in der Coda. Jordan und das Pariser Opernorchester wissen dies kongenial umzusetzen.

„Im Schatten der anderen“ — neben den ersten beiden trifft dies wohl auf keine Sinfonie so sehr zu wie auf die Achte, die Beethoven selbst trotzig als „viel besser“ als die populäre Siebte bezeichnete. Nie war er Haydn so nahe wie in dieser seiner kürzesten Sinfonie (mit altmodischem Menuett), die man beim ersten Hören eher ins ausgehende achtzehnte denn ins zweite Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts verorten würde. Gewohnt beschwingt geht Jordan die Sache an, nahe, aber nicht sklavisch bei den Metronomangaben. Leichtigkeit charakterisiert seine Interpretation, die insofern den Gegenentwurf zum majestätisch zelebrierten Dirigat Knappertsbuschs (mit dem Bayerischen Staatsorchester, Orfeo) darstellt, der mit gefühlt halbem Tempo und mächtig hervortretendem Paukendonner versuchte, dieses Werk zur großen Sinfonik aufzuwerten. Dabei hat es die Achte eigentlich gar nicht nötig. Bei der lebensfrohen Aufnahme aus Paris wirkt es wie eine Rückschau des gealterten Komponisten auf eine unbeschwerte Jugendzeit vor den großen Umwälzungen ab 1789 – und noch ohne Anzeichen der Taubheit.

Den krönenden Abschluss einer jeden Gesamtaufnahme der Beethoven-Sinfonien stellt naturgemäß schon aufgrund ihrer Dimensionen die Neunte dar. Mit etwa 68 Minuten Spielzeit reiht sich Jordan wiederum unauffällig ins Mittelfeld ein. Den gewaltigen Kopfsatz, der für das innere Ringen eines Menschen im Allgemeinen stehen kann, nimmt er unprätentiös. Man hat schon noch tiefschürfendere Deutungen vernommen (insbesondere natürlich in Furtwänglers berühmter Kriegsaufnahme von 1942, diverse Labels). Bei den trauermarschartigen letzten Takten der Coda kommt Jordan gar nicht erst in Versuchung, sie á la Thielemann (Sony) brucknerisch anzuhauchen. Das Scherzo, in dem sich die Blechbläser sehr gekonnt in Szene zu setzen wissen, vermeidet gleichwohl den Hauch des Infernalen. Wie bereits bei den vorherigen Sinfonien verzichtet Jordan im darauffolgenden langsamen Satz auf eine Überromantisierung. Ohne Mätzchen wird dieses Kleinod gleichwohl überzeugend interpretiert. Im schwierigen Schlusssatz stellt sich die wahre Güte einer jeden Aufführung der neunten Sinfonie heraus. Insbesondere das Solistenquartett will gut ausgesucht sein, um einen rundum zufriedenstellenden Eindruck zu hinterlassen.

Als Gesangsolisten wirkten Ricarda Merbeth (Sopran), Daniela Sindram (Mezzo), Robert Dean Smith (Tenor) und Günther Groissböck (Bass) mit./ Screenshot Arthaus

Der instrumentale Auftakt gelingt Jordan ganz außerordentlich und glücklicherweise setzt sich dieser positive Eindruck auch bei den Solisten fort. Günther Groissböcks sonorer und beweglicher Bass wird dem eröffnenden Solopart vollauf gerecht. Die beiden Damen, die Sopranistin Ricarda Merbeth und die Mezzosopranistin Daniela Sindram, sind bereits bei ihren ersten Einsätzen gut hörbar, ohne sich in den Vordergrund zu singen. Den türkischen Marsch nimmt Jordan sehr beschwingt, was dem bewährten Tenor Robert Dean Smith entgegenkommt. Mit Eindringlichkeit gestaltet dieser sein Solo. Fein säuberlich wird die Überleitung zum „Freude, schöner Götterfunken“ ausmusiziert, bei welchem die von José Luis Basso einstudierten Chœurs de l’Opéra National de Paris ihr volles Potential mit angenehmer Betonung und ohne störenden Akzent ausspielen können. In der abschließenden Coda hätte man sich den Paukisten noch etwas mehr hervortretend gewünscht; gleichwohl hinterlässt diese Aufführung einen insgesamt sehr positiven Eindruck.

Die Einspielungen entstanden zwischen September 2014 und Juli 2015, abwechselnd im neobarocken Palais Garnier (Nr. 2 und 7) und in der modernen Opéra Bastille in Paris. Alt und Neu also selbst in den Aufnahmeorten miteinander vereint. Der Klang ist da wie dort vorzüglich und fängt zu einem hohen Grade die Konzertatmosphäre ein. Philippe Jordan ist mit Anfang vierzig noch immer von beinahe jugendlichem Erscheinungsbild. Dass er dem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist, weiß er auch in seinem Auftreten mit der Tradition zu verbinden. Nur mehr wenige Dirigenten seiner Generation tragen den adäquaten Frack mit dazu gehöriger, nicht zu langer Weste und korrektem Stehkragen beim Hemd. Seinem Anspruch, „einen zeitgemäßen Beethoven-Zyklus anzubieten“, wird Philippe Jordan auch in traditionellem Outfit durchweg gerecht. Daniel Hauser

Alle Fotos aus der Aufführung sind Screenshots der hier besprochenen DVD-Produktion von Arthaus. Das große Foto oben zeigt Philippe Jordan, der seit 2009 Musikdirektor der Opéra National de Paris ist/ Screenshot Arthaus.