Strauss und andere

Nach einer Nur-Strauss-CD gibt es nun eine Auch-Strauss-CD von Christiane Karg, eine Live-Aufnahme aus der Wigmore Hall, wieder mit dem Pianisten Malcolm Martineau im Juli 2012 aufgenommen. Es beginnt mit sechs der „Blumenlieder“ des Geburtstagskinds, und auch die meisten Lieder der anderen auf der CD vertretenen Komponisten befassen sich mit den zarten, duftenden Gebilden, zu denen die ebenfalls zarte, duftige Stimme der Sängerin besonders gut passt. Auf den „Duft“ der „Erwachten Rose“ legt der Sopran durch ein schönes Verhalten des Tons dann auch besonderen Wert, „geflüstert“ wird ebenso zu Gehör gebracht, die wörtliche Rede am Schluss wirkt fein charakterisierend. In „Rote Rosen“ bringt sie viel Anschein von Atemlosigkeit hinein, zum Zentrum von „Kornblumen“ wird „klare Seelen“, das schöne Aufblühen der Stimme in der Höhe prädestiniert den Sopran auch für die zarteren Mädchengestalten der Strauss-Opern. Purer, spritziger Übermut dringt bei „Mohnblumen“ an das Ohr des Hörers, während viel Zärtlichkeit in den Stimmfarben für den seelenvollen „Efeu“, silberner Schimmer auf den „Wasserrosen“ liegt. Immer wieder wird hörbar, wie ernsthaft die Sägerin Text und kompositorische Angebote nimmt und ihnen zum Ausdruck verhilft.

Wie fein hingetupft hört sich Faurés „Nell“ an, nur am Schluss die Stimme aufblühen lassend, viel Charme, in einen wahren Hymnus mündend, drückt sich in dessen „La rose“ aus. Bei Debussys „Green“  kann auch der Pianist seine Fähigkeiten mit viel Delikatesse ins rechte Licht rücken, in „Spleen“ ist der Wechsel von einem schwebenden Klang zum Aufbrausen interessant. Mit nur einem Titel ist Poulenc vertreten, mit „Fleurs“, die zu einem sich behutsamen Tasten durch den geheimnisvollen Text auffordern.

Die CD kehrt zurück zum deutschen Komponisten mit bekannteren Titeln wie „Die Nacht“, „Traum durch die Dämmerung“ und „Weißer Jasmin“. Gleichermaßen die unheimliche Stimmung des ersten wie die sehr getragene, ruhevolle Stimmung des zweiten Lieds weiß Christiane Karg auf wundervolle Weise zu vermitteln mit einem wahrlich leuchtenden „Licht“ am Schluss. Hugo Wolf ist mit vier Liedern vertreten, mit einer sehr intimen „Verschwiegenen Liebe“, mit  delikaten Farben und einem hörbaren „linden Wellenschlagen“ für „Die Nacht“.  Eine lächelnde Stimme weiß die Sängerin für „Unfall“ einzusetzen, einen etwas dunkleren Stimmklang wünscht man sich für „Nachtzauber“Die Sieben frühen Lieder von Alban Berg beschließen das offizielle Programm, das durchweg eine ganz leichte Emission der Stimme bewundern ließ. Gleichzeitig Fülle und Fahlheit vermittelt der Sopran in „Nacht“ bei „trinke Seele, trinke Einsamkeit, weiß aufzurauschen im „Schilflied“, und die Stimme folgt hörbar biegsam jeder Intention. Deliziös singt „Die Nachtigall“ und lässt nicht nur die Rosen, sondern auch die Stimme „aufspringen“.  In der „Liebesode“ wird vom Sopran das Kunststück einer zarten Üppigkeit, die die Stimme nicht überfordert, zustande gebracht, und in der Zugabe, Wolfs „Bedeckt mich mit Blumen“, sind Lust wie Vergehen oder die eine am anderen hörbar (Wigmore Hall WH Live 0062).

Ingrid Wanja