Mehr als nur Appetithappen

Amuse Bouche, also in etwa Appetithappen, nennt sich die erste CD von Katharina Göres, die gegenwärtig am Nationaltheater Mannheim engagiert ist, woher auch das Orchester stammt, das sie beim Vortrag der von ihr gewählten Arien begleitet. Nicht nur kleine Häppchen sind sicherlich die anspruchsvollen Musikstücke, eher die Highlights der entsprechenden Opernaufführung, Appetit gemacht werden soll wohl eher auf Weiteres von der hier vorgestellten Stimme.

In Rosinas Arie, heutzutage meistens einem Mezzosopran anvertraut, zeigt sich der Sopran obertonreich und von silbriger Farbe. Das lässt die Figur eher noch kapriziöser erscheinen, das berühmte „ma“ aber weniger gewichtig. Die Rosenarie aus Mozarts Figaro  beweist, dass die Interpretin um die Bedeutung der Rezitative des Komponisten weiß, sie singt deliziös und ohne als solchen bemerkbaren Registerwechsel. Es gefallen zudem das fein ziselierte Piano und die hübsche kleine Kadenz. Wie Champagnerprickeln hört sich die erste Arie der Adele aus der Fledermaus an, in der eine gute Balance zwischen Lachen und Gesang erreicht wird und das Beschwipstsein in jeder Phrase hörbar wird. Eher soubrettenhaft als empfindsam klingt Gildas „Caro nome“, man wünschte sich eine stärkere lyrische Komponente als Gefühlsausdruck und in der Höhe weichere Töne. Der Schluss verklingt sehr schön und bleibt trotz des Pianissimo gut gestützt.

Geschmeidigkeit der Stimme zeichnet den Vortrag der Juwelenarie aus Faust aus.  Noch nicht die Partie von Katharina Göres ist die Pamina, die einfach mehr Wärme und Rundung der Stimme braucht. Die Gestaltung des Schlusses insbesondere ist sehr gut gedacht, aber es fehlt noch das Material dafür. Beim Klettern in die Höhe klingt der Sopran leicht gequetscht. Frau Fluth ist hier eher ein Fräulein Fluth mit zarter, mädchenhafter Stimme. Versöhnen können aber der Schalk und die Lebensfreude, die der Sopran auszudrücken versteht. Angemessen gläsern und zerbrechlich in ihrer Wahnsinnsszene wirkt die Zarenbraut, die feine vokale Fäden zu spinnen weiß. Anne Truelove zeigt sich virtuos besonders im zweiten Teil ihrer Arie, manche Höhe erscheint als nicht ganz mühe- und makellos. Den Abschluss bildet ein Richard-Strauss-Lied, dessen Darbietung die Sängerin für Partien wie die Rosenkavalier-Sophie empfiehlt. Unter Dan Ettinger erweist sich das Orchester als mehr als respektabel (COV 91 402)

Ingrid Wanja