Mattes Feuer

 

Ein interessantes Programm mit Arien und Ouvertüren (Sinfonie) aus Opern von Geminiano Giacomelli, maestro di capella am Hof von Parma in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, offeriert der italienische Countertenor Flavio Ferri-Benedetti auf seiner neuen CD bei PAN CLASSICS (PC10370). Fiamma vorace ist sie betitelt – nach einer Arie des Anassandro aus der 1734 in Venedig uraufgeführten Merope. Ferri-Benedetti überzeugt vor allem in den virtuosen Koloraturläufen und brillanten staccati, während in der Höhe ein heulender Klang zu vernehmen ist. Aus dieser Oper stammt auch der zweite Titel der Anthologie, und es ist der vielleicht bekannteste seines Schaffens: die Arie des Epitide „Sposa, non mi conosci“ (die bei der Uraufführung Farinelli sang und Vivaldi ein Jahr später in seinem Bajazet als „Sposa son disprezzata“ verwendete). In dem ernsten, klagenden Stück wird der larmoyante Klang der Stimme besonders deutlich. Sogar eine dritte Arie aus diesem Werk findet sich in der Sammlung: die des Licisco „Torbido nembo freme”, in welcher der Interpret mit geradezu jammernder Tongebung nicht überzeugen kann.

Jeweils mehrere Beispiele stellt der Sänger aus Lucio Papirio Dittatore, Adriano in Siria und Cesare in Egitto vor. Die insgesamt elf Arien sind von ganz unterschiedlichem Charakter – heroisch oder empfindsam. Eine der schönsten ist die des Farnaspe, „Mancare, oh Dio“, aus Adriano in Siria, geschrieben für Farinelli, der in diesem siciliano seine berühmten legato-Linien demonstrieren konnte. Ferri-Benedetti wartet nach der sanft-getragenen Einleitung mit träumerischen Tönen auf und hinterlässt in dieser Nummer den insgesamt überzeugendsten Eindruck. Für Aquilios „Saggio guerriero antico“ aus dieser Oper wünschte man sich dagegen einen forscheren, auftrumpfenderen Ansatz. Wie Porpora war Giacomelli auch Gesangslehrer, was man besonders in den kantablen Arien spürt, welche die Schönheit der menschlichen Stimme ausstellen. Eine solche ist die des Marco Fabio, „Spera, sì“  aus Lucio Papirio Dittatore, in der vor allem die Beherrschung des fiato und des messa di voce gefordert sind. Der Interpret vermag diese Ansprüche zu erfüllen, aber das weinerliche Timbre bleibt Geschmackssache. Nicht weniger als drei Arien des Achilla aus Cesare in Egitto finden sich in der Auswahl. Sie zeigen unterschiedliche Affekte – so in „Alla fastosa, superba Roma“ hochmütigen Stolz, in  „Nel sen mi giubila“ heiteren Optimismus, in „Al vibrar della mia spada“ heroischen Furor. Jeder Hörer mag für sich entscheiden, in welcher der drei ihm die Stimme am meisten zusagt. Ich kann mich für keine einzige erwärmen.

Begleitet wird Ferri-Benedetti von Musica Fiorita unter Daniela Dolci. In mehreren sinfonie kommt das Ensemble auch instrumental zum Einsatz. Vor allem in der dreisätzigen zu Gianguir vermag es mit lebhafter Attacke und Bläserglanz zu brillieren, im zarten Larghetto des Mittelteils aber auch mit feinnervigem Spiel zu gefallen. Darüber hinaus erweist es sich als zuverlässiger Begleiter des Solisten. Bernd Hoppe