Auch Göttinnen straucheln …

 

In ihrer Autobiographie hatte man es lesen können, das karge Booklet zur DVD wiederholt es, und auch Konstantin Wecker versäumt es in seiner Moderation zum gemeinsamen Konzert nicht zu erwähnen, dass einer seiner Mitarbeiter das erste Treffen mit Angelika Kirchschlager mit den Worten: „Ihr werdet jetzt einer Göttin begegnen“, vorbereitete.  Die gegenseitige Sympathie der beiden Künstler ist während des „Konzertfilm und Dokumentation“ von Christian Kugler, der die Proben und das erste Konzert einer Tournee im Herbst des Jahres 2013 in Frankenthal wiedergibt, stets spürbar und auch die zumindest in Ansätzen gegenseitige Bereitschaft, sich auf die Kunstform des Anderen im Programm Liedestoll einzulassen. Als Begleiter fungieren das Spring String  Quartet, Sebastian Trimold als Schlagzeuger und Jo Barnikel als Pianist am zweiten Flügel.

Zu Beginn hört man ein gezirptes „Hänschen klein“ und „Heideröslein“, richtig los geht es mit „An den Mond“ von Goethe in der Vertonung nicht eines der berühmten Komponisten der Romantik, sondern von Konstantin Wecker, abwechselnd von beiden Gesangssolisten vorgetragen und so ziemlich an der Stimmung des Textes vorbeischrammend. Während Wecker unverkennbar sein bayerisches Selbst eines Politbarden bleibt, bemüht sich Kirchschlager um eine Art Mischstil, der die Vorzüge ihres interessanten Mezzos nicht zur Geltung bringen kann. Das Bestreben, die Grenzen zwischen E- und U-Musik aufzubrechen, endet mit der Opferung des Liedgesangs, andererseits klingt das von Kirchschlager gesungene „Empört euch“ recht matt, nicht aggressiv genug. Schuberts „Leiermann“ begleitet sie am Klavier, während er singt, was bei diesem, wohl aber nur diesem Lied des Zyklus‘ erträglich ist. Später in „Weltenbrand“ ist sie am Schlagzeug tätig. Sympathisch ist die Moderation, so wenn Wecker humorvoll über den Versuch verschiedener K-Gruppen berichtet, ihn sich einzuverleiben und an seinen Werken ideologiekonforme Veränderungen vorzunehmen. In Weckers „Oh sag mir, liebe Erde“ gibt es eine sehr schöne Begleitung zum Song, in seinem „Weil du mich magst“ ergänzen die beiden Sänger sich aufs Angenehmste, was bei den „klassischen“ Stücken wie „Erlkönig“ und „Der Tod und das Mädchen“ mehr wie eine bemühte Schülervorführung wirkt. Zu den gelungensten Nummern gehört Weckers „Für meinen Vater“, das in das bruchstückhaft von Kirchschlager gesungene „Nessun dorma“ übergeht. Insgesamt hat man aber den Eindruck, dass sich das Konzert eher mit der reommierten Sängerin schmückt, als dass es ihren Möglichkeiten gerecht werden würde (Blu-ray Arthaus 109250). Ingrid Wanja