Aida als Juliette

 

Nicht immer ist Aida drin, wo „Aida“ drauf steht, zumindest nicht die Verdische Prinzessin aus Äthiopien begegnet dem Hörer der CD mit dem Titel Aida – ganz groß – und Garifullina  ganz klein -, dabei muss sich zumindest nach ihrem Sieg im Operalia-Wettbewerb in Verona und speziellem Domingo-Lob die junge tatarische Sopranistin auch mit ihrem Familiennamen nicht verstecken, und seit 2014 ist sie immerhin Mitglied der Wiener Staatsoper. Ob ihre Eltern bei der Namensgebung bereits an eine Sängerkarriere dachten, ist nicht bekannt, aber möglich, denn die Mutter ist eine bekannte Chorleiterin. Die Rolle der Aida allerdings liegt im Moment noch nicht im vokalen Bereich des Soprans, sondern eher die rein lyrischen, daneben auch die mit Koloraturen gespickten Partien.

Letztere sind auf der CD vor allem mit zwei Arien aus dem französischen Repertoire vertreten, der Juliette von Gounod und der Lakmé von Delibes. „Ah! Je veux vivre“ beginnt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister wie einen Wiener Walzer, ehe die weiche, farbige und geschmeidige Stimme einsetzt, zwar mit einer verwaschenen Diktion, aber ansonsten sehr ansprechend und angemessen jugendlich. Die berühmte Glöckchenarie wurde um einen halben Ton nach unten transponiert und kann so mühelos, mit schwebendem Klang und leichter Wehmut gesungen werden.

Der weitaus umfangreichere Teil der CD ist dem russischen Repertoire gewidmet, sowohl Oper als auch dem Lied und am Schluss sogar einem bekannten Schlager.

Die eigentlich für einen Tenor bestimmte Arie des Inders aus Rimsky-Korsakovs Sadko lässt auch eine Sopranstimme im Arrangement von Paul Bateman angenehm mit den Orchesterfarben korrespondieren. In des Komponisten Arie aus Das Schneemädchen gefallen der feine Übermut, der Glockenton, aber auch die schwärmerischen Bögen in der Interpretation der Garifullina. Aus des Komponisten Oper Der goldene Hahn wird in der Hymne an die Sonne höchst Unbequemes gut bewältigt, gefällt der flirrende Klang des Soprans,, dem aber die zweite Arie in ihrer verführerischen Verhaltenheit der ersten Strophen noch besser liegt und die Qualitäten der Stimme besser zur Geltung bringt. Von Rimsky-Korsakov stammt auch die Orientalische Romanze, in der die Sängerin kristallklare Koloraturen hören lässt.

Von Tschaikowsky singt Aida Garifullina die Serenade, die eigentlich ein Wiegenlied ist, aber dafür sehr dramatisch klingt, und aus Mazeppa das Wiegenlied der Maria, in dem sie den Wahnsinn ganz zart andeutet und ein schönes Crescendo anbietet.

Auch Rachmaninov ist mit einigen Titeln vertreten, so mit dem Lied Flieder, das sehr deliziös mit der mezza voce gestaltet wird, mit Wie schön, in dem endlich einmal die sehr schöne Mittellage zur Geltung kommen darf, und schließlich mit der berühmten Vocalise, wo ebenfalls das sanfte Schwelgen in Tönen der Stimme gut tut.

Den Schluss bilden die Moskauer Nächte mit dem für Schlager dieser Art unvermeidlichen Kitsch-Chor im Hintergrund, aber wer weiß, welch angenehme Erinnerungen die junge Sängerin mit dem Schmarren verbindet (DECCA 478 8305). Ingrid Wanja