Vorbildliches Bekanntes

 

Es gibt einige Aufnahmen von Monteverdis Orfeo und Purcells The Indian Queen. Dennoch sind zwei Neuerscheinungen bemerkenswert. Jordi Savall dirigierte den im Januar 2002 im Gran Teatre del Liceu von Barcelona aufgezeichneten Live-Mitschnitt von Monteverdis Orfeo, der früher als DVD bei Opus Arte vertrieben wurde und nun auch auf zwei SACDs (Hybrid) erschienen ist. Es handelt sich um eine der besten Aufnahmen dieses Werks, die neben den Einspielungen bspw. von Harnoncourt, Haïm, Jacobs und Malgoire in vielerlei Hinsicht bestehen kann. Savall bringt mit den knapp 40 Musikern des Le Concert des Nations und den 20 Chorsängern der Capella Real de Catalunya ein groß besetztes Klangspektrum zu Gehör, seine Ansammlung von Intrumentalexperten für historische Aufführungspraxis produziert eine ideale und stilbildende Klangvorstellung, die nichts Karges oder Reduziertes hat, sondern warm und üppig tönt. Von der Fanfare zu Beginn bis zur Moresca am Schluss handelt es sich um eine lebendige, einfühlsame und spannende Aufnahme, die unmittelbar begeistert. Dass diese Aufnahme etwas Besonderes ist, verdankt sie aber auch der Luxusbesetzung. Die zu früh verstorbene Montserrat Figueras ist als Allegorie der Musik zu hören, die wunderbare Sara Mingardo als Messagiera, Furio Zanasi ist ein tapferer Orfeo, der seine Rolle nie in Larmoyanz abrutschen lässt und Arianna Savall, die Tochter von Montserrat Figueras und Jordi Savall, rundet als Eurydice die familiäre Sternstunde ab. Auch die Nebenrollen sind vorbildlich besetzt. Hochwertig ist auch die Ausstattung: ein dickes Booklet mit Libretto in sechs verschiedenen Sprachen sowie Texten, Anmerkungen und Fotos. (Label: AliaVox, 2 CDs, Bestellnummer: 728426. Mit: Antonio Abete, Fulvio Bettini, Daniele Carnovich, Cécile van De Sant, Adriana Fernandez, Montserrat Figueras, Iván García, Francesco Garrigosa, Mercedes Hernández, Carlos Mena, Sara Mingardo, Ariannna Savall, Gerd Türk, Marília Vargas, Furio Zanasi; Le Concert des Nations, Chor und Orchester La Capella Reial de Cataluny, Jordi Savall).

 

John-Eliot Gardiners und Christopher Hogwoods Einspielungen von Henry Purcells  unvollendeter Semi-Oper The Indian Queen liegen bereits Jahrzehnte zurück – eine Lücke, die nun das 1979 von Dirigent Harry Christophers gegründete britische Ensemble The Sixteen füllt, von dem inzwischen mehr als 100 Aufnahmen und Einspielungen beim eigenen Label Coro vorliegen. The Sixteen bestehen bei dieser Aufnahme aus 17 Musikern und acht Sängern aus dem eigenen Ensemble, die Purcells abwechslungsreiches Werk ausdrucksreich und mit schlankem Klang ertönen lassen. Es fehlen die ganz großen Stimmen, doch vermisst man sie kaum. Christophers setzt auf Nuancen, Oboe, Flöte, Fagott und Trompete kommen zur Geltung, die Sänger artikulieren detailgetreu, es gibt einige sehr schön gelungene Momente, z.B. ‚Ah, how happy are we‘, gesungen von den beiden Tenören Jeremy Budd und Mark Dobell, Chor und die beiden Soprane Kirsty Hopkins und Julie Cooper mit ‚We the spirits of the air‚ oder ‚While thus we bow before your shrine‘ von Chor und Bassisten Stuart Young innig gesungen. In der Summe eine lebendige und fließende Darbietung in -im Vergleich zu Savalls Orfeo – kleiner Besetzung. Ergänzt wird die Aufnahme durch The Masque of Hymen, einem kurzem Werk von Henry Purcells Bruder Daniel, das die CD mit etwas selten zu hörendem interessant abschließt. (The Sixteen, Julie Cooper, Kirsty Hopkins, Jeremy Budd, Mark Dobell, Matthew Long, Ben Davies, Eamonn Dougan, Stuart Young; Leitung: Harry Christophers, 1 CD, Label: Coro, COR16129). Marcus Budwitius