Polnische Nationaloper

Ist Manru die erste große polnische Oper des frühen 20. Jahrhunderts, so bleibt Moniuszkos Halka der eigentliche Dreh- und Angelpunkt der polnischen Operngeschichte. Gesehen habe ich Halka auf der Bühne erstmals vor zwei Jahren, als Marc Minkowski eine Produktion am Teatr Wielki in Warschau einstudiert hatte, und war ein bisschen enttäuscht. Das Gespensterschloss hatte ich von frühen polnischen Gastspielen in Deutschland in besserer Erinnerung. Nun liegt eine Halka aus Wroclaw vor, wo Ewa Michnik, die unermüdliche Chefin der Oper, 2005 eine Einspielung dirigierte. Wie auch bei Manru in einer Ausgabe von Dux, d.h. im Jewelcase mit zwei CDs aufeinanderliegend, ohne Libretto, mit Inhaltsangabe und im Fall der Halka fünf Seiten (inkl. englischer Übersetzung) für die Chefin Michnik.

Auch Halka ist ein Dorfmädchen, das sich in den Falschen verliebt hat. Der übliche Standeskonflikt: Halka ist von dem Gutsherrn Janusz schwanger, den sie ausgerechnet am Tag seiner Verlobung aufsucht. Er komplimentiert sie hinaus. Wieder wäre Ersatz zur Stelle, doch Halka liebt nicht den treuen Jontek und stürzt sich, wie später auch Ulana, angesichts des herbeiziehenden Hochzeitszugs in den Fluss. Moniuszko hat das in vier Akte verpackt mit klar erkennbaren Nummern und italienisch-französischen Vorbildern und lokalen Farben, wie der Mazurka am Ende des ersten Aktes und der Dumka des Jontek im 4. Akt. Die Aufnahme aus Wroclaw ist klanglich gut, musikalisch in Ordnung, ohne, dass man deshalb die Warschauer Aufnahme von 1986 mit Ochman als unglücklichem Jontek vergessen muss. Tatiana Borodina ist eine mädchenhafte anrührende Halka mit einigen scharfen Kanten, die anfangs apart wirken, aber auch  etwas anstrengenden werden können, und ein bisschen langweilig, was wohl auch zur Rolle gehört. Radoslaw Zukowski ist ein arg hölzerner Stolnik, Oleh Lykhack kein attraktiver Jontek, Mariusz Godlewski ein sehr gesetzter Janusz.

Rolf Fath

 

Stanislaw Moniuszko: Halka mit Tatiana Borodina (Halka), Oleh Lykhach (Jontek), Aleksandra Buczek (Zofia), Mariusz Godlewski (Janusz), Radoslaw Zukowski (Stolnik) u.a.; Chor und Orchester der Oper Wroclaw; Leitung: Ewa Michnik; 2 CD Dux 0538/ 0539