Noch ein Belcanto-Nicolai

 

Noch eine Nicolai-Oper aus Chemnitz: Der Name Otto Nicolai wurde bis vor kurzem in der musikalischen Öffentlichkeit ausschließlich mit seiner komischen Oper Die lustigen Weiber von Windsor in Verbindung gebracht. Erst die Aufführung seiner Oper Il Templario veränderte den Blick auf das Schaffen dieses Komponisten. Der 1840 in Turin uraufgeführte Templario fand sowohl mit seiner Aufführung in Chemnitz als auch mit der gleichzeitig in Chemnitz entstandenen CD-Einspielung große überregionale Beachtung und Anerkennung (cpo 777 434-2; jpc 3865245) – und nun kürzlich natürlich bei der konzertanten Aufführung bei den Salzburger Festspielen. Auch dieser Erfolg hat die Entscheidung beflügelt, nun der Musikwelt eine weitere von Nicolais italienischen Opern, Die Heimkehr des Verbannten, in Chemnitz zugänglich zu machen. Diese wurde 1841 in Mailand als Il Proscritto uraufgeführt. Drei Jahre später kam sie in einer von Nicolai umgearbeiteten Fassung unter dem Titel Die Heimkehr des Verbannten als deutsche Oper in Wien heraus und ging innerhalb von drei Jahren an die vierzig Mal erfolgreich über die Bühne des Hofoperntheaters. Schon für diese Aufführung hatte Nicolai die Hälfte der Musik neu komponiert. Auch in den Folgejahren ließ ihn das Werk nicht los, und er schuf noch eine dritte Fassung, die 1849 wenige Monate nach seinem Tod in Berlin erstmalig zu erleben war. In Chemnitz hat man sich für die Wiener Fassung von 1844 entschieden. Während die Ouvertüre und die Ensembles sehr der deutschen Oper à la Freischütz verhaftet sind, lässt sich bei den Arien der Solisten durchaus noch der Einfluss des italienischen Belcanto heraushören. Ein großes Werk, das offenbart, dass es bei Otto Nicolai auch anderes als Die lustigen Weiber von Windsor zu entdecken gibt. Die Handlung spielt zur Zeit der Rosenkriege im 15. Jahrhundert. Lord Artur Norton war vor vielen Jahren gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Da seine Frau Leonore annehmen musste, dass er gestorben sei, hat sie sich mit dem Grafen Edmund von Pembroke verlobt. Doch am Tag vor der Hochzeit taucht der verschollene Gatte wieder auf. Beide Männer machen zunächst ihren Anspruch auf Leonore geltend, doch Edmund sieht großmütig ein, dass Leonore zu Artur gehört, und ist bereit, auf seine geliebte Braut zu verzichten. Er setzt sogar beim König die Begnadigung seines Rivalen durch. Doch gerade diese Güte macht es Leonore unmöglich, sich für einen dieser beiden Männer zu entscheiden, und sie wählt den Freitod. (Quelle cpo/ eine Rezension folgt)

Otto Nicolai (1810-1849)Die Heimkehr des Verbannten mit Hans Christoph BegemannBernhard BerchtoldJulia BauerKouta RäsänenChor der Oper ChemnitzRobert-Schumann-PhilharmonieFrank Beermann CPO, DDD, 2011, 4963367, Erscheinungstermin: 19.9.2016