Maria Callas Live-Opern bei Warner

 

Am 16. September 2017 jährt sich der Todestag von Maria Callas zum 40. Mal. Alles ist über sie gesagt, und nur wenige von uns Lebenden haben sie noch auf der Bühne gesehen (außer bei ihrer schlecht beratenen Abschiedstournee, wenngleich ich mich  – die Gnade der frühen Geburt – noch ganz, ganz dunkel an ihre Tosca 1964 in London als Student erinnere; zu sehr ist diese Erinnerung von Videos überlagert). Ihre eigentliche Stärke, Ausdruckskraft, Vehemenz wie Sensibilität erschließen sich am ehesten und besten für die Nachgeborenen in ihren Live-Aufnahmen, von denen viele erhalten sind und von denen die Sammler alle haben. In unterschiedlichen Pressungen und akustischen Bedingungen.

Es ist ja nach wie vor ein unergründliches Geheimnis, warum diese Live-Aufnahmen nur als originale Unikate existieren (bis auf Bellinis Pirata aus New York, den es sogar als Alternativ-Hauswire in Stereo gibt).  Hat denn in ganz Italien der Fünfziger nur ein einziger Fan am Radio mitgeschnitten? Gibt es jeweils nur diese einzige Aufnahme? Die originalen Bänder der RAI sind es nicht, die hat die ihren vernichtet – unbegreiflich, aber eben leider wahr. Von anderen Vorstellungen, wie etwa der Don Carlo oder die Fedora, gibt es nichts (wenn auch hier gemunkelt wird, Frau Corelli hätte „nur“ die Auftritte ihres Mannes festgehalten, aber die sind verschwunden, wenn sie denn je existiert haben. Ebenso auch ein Gesamt-Piraten-Mitschnitt der Fedora. Wie auch der Tristan oder die Walküre aus ihren Anfängen in Italien. Der Ursprung dieser erhaltenen Live-Bänder bleibt mysteriös. Im Macbeth hörte man zudem auf den ersten LP-Ausgaben noch den ab- und ausfallenden Ton, überlagert von den Nachrichten der RAI. Das wurde später repariert und das fehlende Ende von Akt 1 mit einem Ausschnitt aus der Palermo-Aufnahme der Oper mit Leyla Gencer repariert, so zu hören auch in der EMI-Übernahme. Der Hersteller des Flickwerks verklagte damals erfolgreich die EMI wegen der Übernahme „seines“ Macbeth auf einen Vergleich. Aber eben: Woher stammen die Live-Aufnahmen ursprünglich? Dass die RAI-Bänder nicht mehr existieren, weiß ich von Ina Delcampo, die beste Beziehungen zur RAI und viele ihrer Melodram-Titel von dieser bezogen hatte…

Callas Warner „Armida“ 0190295844530-001

Meine Reaktion auf die Restaurierungen der Callas Dokumente bei Warner (ehemals EMI) war eine etwas gemischte, ich hatte namentlich an den Höhen und dem elektronischen Equalizer-Gesamtbild zu mäkeln. Man wird also sehen, wie die nun im September erscheinenden Live-Aufnahmen, namentlich die acht zugekauften (Verdi/Nabucco, Wagner/ Parsifal, Rossini/ Armida, Gluck/ Alceste, Bellini/ Norma London 1952, Verdi/ Aida Mexico 1951, Verdi/ Rigoletto Mexico 1952) ausfallen. Das Maß des Vergleichs wird die von Stephan Felderer für Melodram so sensationell restaurierte Armida Rossinis sein, denn er hatte die Aufnahme Ton für Ton kontrolliert und gereinigt. Vediamo also.

Aber die Live-Offensive der Warner in Sachen Callas (und nicht nur da, wenn es sich um die EMI-Aufnahmen handelt) ist bedeutend und spricht für die hohe Verantwortung, die die Firma für ihre Archive an den Tag legt.Dafür kann sie nicht genug gelobt werden: Schwarzkopf, Cluytens, Busch und viele andere mehr werden der Nachwelt bewahrt und in Hochglanz neu präsentiert. Bravo. G. H.

 

Nun also der Ankündigungstext der Warner Classics für die Live-Offensive in Sachen Callas: Am 16. September 2017 jährt sich der Todestag von Maria Callas zum 40. Mal.  Aus diesem Anlass erscheint Maria Callas Live, eine 45 CDs umfassende Anthologie, die die Sopranistin in Aktion auf den Bühnen der großen Opernhäuser und Konzertsäle der Welt präsentiert. Das beste erhältliche Quellenmaterial wurde ausgewählt und neu gemastert, daher lässt sich das großartige Genie der »singenden Schauspielerin« klangtreuer und unmittelbarer erleben als je zuvor. Die Sammlung enthält 20 komplette Opern, darunter 12 Werke, die die Callas nie im Studio aufnahm, sowie Filmmitschnitte von fünf Opernaufführungen (mit zwei verschiedenen Bühnenfassungen des zweiten Aktes von Tosca) auf Blu-ray.

Callas Warner „Norma“ 0190295844639-001

Die schon mit großer Spannung erwartete Veröffentlichung Maria Callas Live folgt auf die maßstabsetzende Anthologie von 2014 mit Studioaufnahmen, Maria Callas -The Studio Reeordings Remastered. Der New York Observer nannte diese begeistert ein „Leuchtfeuer, das die geheimnisumwitterte, doch unverzichtbare Kunst der Maria Callas erhellt… Man kann sich nichts Besseres wünschen als das, was Warner Classics mit Maria Callas – The Studio Recordings Remastered vorgelegt hat.“ „Die Aufnahme klingt nun lupenrein … hier können wir die Stimme nun so hören, wie man sie im Studio gehört hätte“, hieß es in Gramophone.

 

Acht weitere Opern in der Box sind in Aufführungen zu erleben, die entscheidend zur Entstehung der Legende Maria Callas beitrugen, so auch die denkwürdige Darbietung von Verdis Aida in Mexiko-Stadt 1951, als Callas ein hohes Es am Ende der Triumphszene einfügte und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Ein weiteres Glanzlicht ist die Aufführung von La traviata am Teatro Nacional de Säo Carlos 1958 in Lissabon, bei der Callas mit Alfredo Kraus auf der Bühne stand, einem ebenso eleganten wie einfühlsamen Tenor. Der angesehene Kritiker John Steane pries Callas‘ Leistung als „den Höhepunkt in der großen Kunst der singenden Schauspielerin“. Callas sang die Gilda in Rigoletto nur zweimal überhaupt auf der Opernbühne – die Box enthält einen Mitschnitt von einem dieser Auftritte 1952 in Mexiko-Stadt. Sie ist in einem Londoner Auftritt aus ihrer Glanzzeit als Bellinis Norma zu erleben (1952), als Donizettis Lucia di Lammermoor in einer legendären Aufführung unter Leitung von Herbert von Karajan an der Städtischen Oper Berlin 1955; als Cherubinis Medea und Bellinis Amina in La sonnambula unter Leonard Bernstein an der Mailänder Scala 1953 sowie als anrührende Titelheldin in Puccinis Tosca in Covent Garden 1964.

 

Callas Warner „Parsifal“ 0190295844455-001

Nach dem sensationellen Ergebnis des Originalband-Remasterings der Studioaufnah­men war es nur eine Frage der Zeit, bis Warner Classics auch die aufregenden Live-Dokumente der Callas in lange erwarteter, bestmöglicher Klangqualität vorlegen würde: Mitschnitte von Sternstunden der Callas aus den Opernhäusern der Welt von 1949 bis 1964. So etwa die Berliner Lucia von 1955, als Callas und Karajan dem verzückten Publikum die dramatische Kraft des lange geschmähten Donizetti-Belcanto offenbarten. Zum 40. Todestag der Callas am 16. September legt Warner Classics nun eine bisher nie dagewesene Deluxe-Edition ihrer wichtigsten Live-Dokumente in neuestem Remastering vor – begleitet von einem umfangreichen Beibuch mit spannenden Texten von Zeitzeugen und seltenen Rollenfotos. Niemals zuvor war das Faszinosum Maria Callas nach ihrem Tod so unmittelbar, so hautnah, so aufregend zu erleben!

Die 20 Operngesamtaufnahmen zeigen die atem­beraubende Kunst der Callas als Sing-Schau- spielerin noch berührender und packender als jede Studio-Aufnahme: Ihre träumerisch-entrück­te Sonnambula-Amina (1955) und ihre vor Eifer­sucht rasende Medea (1953) – beides mit dem jungen Leonard Bernstein am Pult aus der Scala. Oder ihre sensationelle Aida aus Mexico City von 1951, als sie das Publikum in der Triumphszene mit einem hohen Es ins Delirium stürzte. Ihre (italienisch gesungene!) Parsifal-Kundry (Rom, 1950) ist die einzige Wagner-Gesamtaufnahme der Callas und eine Sternstunde des Wagner-Gesangs. Der Mythos Callas als Primadonna assoluta ist hier hautnah mitzuerleben – von ihrer einzigen, „wie eine Wildkatze“ singenden Abigaille (Nabucco, 1949) bis zum Abgesang ihrer letz­ten Tosca (1964). Zwölf Opern ihres Bühnen- Repertoires von Rossini bis Wagner, die die Cal­las nie im Studio eingespielt hat, fehlten bisher in der EMI/Warner-Diskografie.

 

Die Blu-rays Callas at Covent Garden (London 1962 & 1964), Callas in Concert (Hamburg 1959 & 1962) und Callas Toujours (Paris 1958) dokumentieren umjubelte Konzertabende und Tosca-Aufführungen (2. Akt). Sie war die Göttliche, La Divina, die Primadonna Assoiuta: Maria Callas, die Opern-Ikone des 20. Jahrhunderts. Auch in Deutschland hat Maria Callas unauslöschliche Spuren hinterlassen (…)   Überblickt man das Vermächtnis der großen Maria Callas, dann sind es besonders ihre Live-Aufnahmen aus den größten Opern- und Konzerthäu­sern der Welt, in der sich ihre bühnen­sprengende Präsenz, ihr faszinieren­der Ausdrucksreichtum noch heute am unmittelbarsten erleben lassen. Nun erfuhr dieses rare Material eine klang­liche Optimierung in modernstem 24- bit/96-kHz-Remastering.

 

Callas Warner „Nabucco“ 0190295844462-001

Das Doppel­album Live & Alive  (Warner 2 CD 0190295844684) präsentiert Momen­te aus Sternstunden der Bühnenkar­riere der Callas, die einen entschei­denden Anteil an der Legende La Divina hatten und ihre atemberauben­de Kunst unsterblich machten. Es sind die Jahre 1949 bis 1964, in der die Live-Mitschnitte entstanden und so die Callas-Karriere dokumentieren. Die einzelnen Opern sind Meilensteine ihres Weltruhms – Momente, von denen Zeit­zeugen noch immer schwärmen. So zum Beispiel Lucia di Lammermoor von 1955 aus Berlin, als Maria Callas und Herbert von Karajan dem bis dahin lange ge­schmähten Belcanto ä la Donizetti zu einem grandiosen Comeback verhalfen. Ähnlich legendär ist ihre im selben Jahr aufgenommene, träumerisch entrückte Amina in Bellinis La Sonnambula aus der Mailänder Scala unter Leonard Bernstein. Natürlich fehlt auch die berühmteste Partie der Sängerin nicht: Bellinis Norma, hier anlässlich ihres London-Debüts am Royal Opera House 1952. (Quelle Warner)

 

Veröffentlichung am 17. September 2017; weitere Details siehe die Warner-website www.maria-callas.co und www.warnerclassics.com