Mähren lag um die Ecke

 

Kann man die Fotos im reichhaltigen Booklet zur CD Jenufa als stellvertretend für die gesamte Inszenierung von Peter Konwitschny von 2014 in Graz ansehen, dann muss es die Regie, was die ansonsten verfemte Werktreue an geht, außergewöhnlich gut mit Janảčeks Oper gemeint haben. Das mag es auch den Sängern erleichtert haben, fast durchweg beachtliche vokale Leistungen abzuliefern und beeindruckende akustisch gu identifizierbare Charaktere abzuliefern und das Hören zu einer wahren Freude zu machen.

Vor allem Iris Vermillion als Küsterin hört sich zwar nicht wie viele ihres Fachs wie eine Sängerin kurz vor dem Bühnenabschied an, sondern hat einen Mezzosopran von durchaus noch jugendlicher Schönheit, verbunden mit der notwendigen Durchschlagskraft und manchmal mehr Wärme als der Charakter ansonsten offenbart. In ihrem Ringen mit dem heiratsunwilligen Stewa weiß sie viele Facetten der Verzweiflung und der Verführung hörbar zu machen, und ihr Aufschrei am Schluss des zweiten Akts geht dem Hörer durch Mark und Bein. Sehr mädchenhaft lyrisch klingt der Sopran von Gal James in ihrer Eingangsarie, von Anfang an mit einem bewegenden Wehmutsklang und vielen zärtlichen Variationen für den unwürdigen „Stewuschka“. Sehr schön aufblühen kann die Stimme, die für die Mutter Jenufa noch an Wärme gewonnen hat, und der Wandel an Gefühlsregungen wird auch rein auf das Akustische beschränkt hörbar. Die Solovioline im zweiten Akt, ein Foto zeigt die Geigerin Fuyu Iwaki direkt neben Jenufa, korrespondiert wunderbar mit der Sopranstimme. Besonders innig gelingt das Gebet mit zarten, gut gestützten Piani. Eher unauffällig bleibt zumindest akustisch die Alte Buryja von Dunja Vejzović, eine spritzig-soubrettig klingende Karolka ist Tatjana Miyus, ein Jano mit etwas zu schwachem Jubelton Nazanin Ezazi.

Keinen Zweifel daran, wem akustisch die eindeutige Überlegenheit auch an Verführungskraft zuzuschreiben ist, ließen die beiden Tenöre aufkommen. Recht schmal und von wenig ansprechendem Timbre zeigte sich der von  Taylan Reinhard (Stewa), ausdrucks- und charaktervoller der von Aleš Briscein (Laca), der zudem wunderschöne Töne für „ich liebte dich als Kind“ und den Schluss hatte. Markant autoritär klang David Mcshane als Altgesell.

Dirk Kaftan betonte mit dem Grazer Philharmonischen Orchester wirkungsvoll die Herbheit der Brünner Fassung von 1908 ohne die spätromantisch wirkende Instrumentierung des Prager Opernleiters Karel Kovarovic (2 CD Oehms OC 9629). Ingrid Wanja