Keine Jahrhundertaufnahme

 

Nato sotto maligna stella? Natürlich ist man froh, wenn es überhaupt neue Gesamtaufnahmen von Opern, die immerhin konzertant entstanden sind, in Corona-und damit opernfreien Zeiten gibt, und wenn gar ein Star wie Jonas Kaufmann nach seinem Bühnendebüt in der Partie des Otello in London und München mit einem so renommierten Orchester und Chor wie dem der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom am Werk war, sind die Erwartungen hoch. Leider werden sie nur teilweise erfüllt, was nicht nur an dem Star selbst, sondern auch an einigen weiteren Faktoren liegt.

Das Werk beginnt stürmisch, und das Orchester und der Chor sollten mit dem gebotenen Aplomb bei der Sache sein,  aber wenn man auch den schneidenden, aufbrausenden Anfang goutieren kann, ist man im Verlauf der Aufnahme doch zunehmend irritiert von einer sehr veristischen Auffassung von Verdis letztem tragischem Werk, von manchmal überzogenen Tempi, vor allem, weil man vor dem Liebesduett im ersten  und zu Beginn des vierten Akts jeweils unter Antonio Pappano ein Orchestervorspiel hören kann, das besser nicht auf das Kommende vorbereiten könnte.

Natürlich gibt es kaum ein heikleres Entree für einen Tenor  als das von Otello mit seinem „Esultate“, und wenn eine alte Weisheit meint, ein Sänger sollte immer nur so viel auf der Bühne (auch der Konzertbühne oder bei der Aufnahme) geben, dass er noch eine Reserve für eine Steigerung hätte, dann wurde sie von Jonas Kaufmann in den Wind geschlagen, denn man hört dem Tenor an, dass er alle Kräfte aufbieten muss, um einigermaßen eindrucksvoll zu wirken. Auch das „Abassa le spade“ wirkt erzwungen, teilweise klingt die Stimme gaumig, nie wie aus einem Guss und für eine Oper, in der die meisten Szenen sich zwischen Tenor und Bariton abspielen, zu baritonal. Die eindrucksvolle Höhe dann wirkt wie eine zweite Stimme, die mit der Mittellage wenig zu tun hat. Die größte Enttäuschung bereitet also der erste Akt, das „Ora e per sempre“ liegt dem Tenor gut in der Stimme, und diese klingt hier auch wie die eines Tenors, der Kraftakt am Schluss des zweiten Akts gelingt, auch wenn er um die Stimme bangen lässt. Schön herausgearbeitet ist der Kontrast innerhalb des „Datemi ancor“. In „Dio! Mi potevi scagliar“ wird auf Kosten des Gesangs für manchen Geschmack dem Sprechgesang zu viel Raum gegeben, während ganz am Schluss das „Gloria“ strahlend und schön klingt, nicht deutlich wird, dass es ein eher sarkastischer Abgesang auf dieselbe ist. Alles in allem muss man feststellen, dass die Stimme sich zur Zeit der Aufnahme nicht im allerbesten Zustand befand, will man nicht noch weitergehen und die Partie generell als eine für den Tenor nicht geeignete erachten.

„Onesto“ Jago ist Carlos Alvarez mit einem schwerer  gewordenen Bariton, der nicht nur einsam in seinem Credo, sondern auch im Umgang mit Otello seiner Stimme einen bärbeißigen, bösartigen Charakter verleiht, die Kontraste, besonders in der Lautstärke sucht und in dieser veristischen, den Charakter im Sound offenbarenden Darstellung eigentlich weder das Vertrauen Otellos noch Cassios gewinnen dürfte. Sein Credo hat eher Vorder- als Abgründiges zu offerieren. Im Parlando, wenn die Stimme nicht unter Druck gesetzt wird, klingt sie angenehm, schön tückisch klingt „Temete signor la gelosia“, der Sogno di Cassio ist gut dem lauernden Klang des Orchesters angepasst.

Desdemona ist eine starke Frau, die es, obwohl aus vornehmem venezianischem Hause stammend,  wagte, einen Underdog zu heiraten. Dafür klingt die Stimme von Federica Lombardi etwas zu unbedarft, allerdings schön, ja lieblich, empfindsam, Verletzbarkeit verratend. Im zweiten Akt hat sie als Antwort auf die Huldigungen des Chors einen angenehmen Glockenton. Leichte Schärfen fallen kaum ins Gewicht, die „prime lacrime“ könnten melancholischer ausfallen, das „a terra“ klingt sehr verhalten, im vierten, ihrem Akt ist der Wechsel zwischen Beherrschung und Ausbruch der Angst sehr intensiv gestaltet. Einen angenehmen lyrischen, rollengerecht etwas läppisch klingenden Tenor hat Liparit Avetisyan für den Cassio. Virginie Verrez als Emilia sowie Riccardo Fasi, Fabrizio Beggi und Gian Carlo Fiocchi bleiben in weiteren Partien solide. Alles in allem hält diese CD nicht, was die großen Namen auf dem Cover versprechen ( 2 CD, Sony 19439707932). Ingrid Wanja

  1. Franco Bastiano

    Noch immer ist Ramon Vinay das Non-plus-Ultra. Er hat alles, was man für den Otello braucht. Hier werden Shakespeare und Verdi vollumfänglich wahr.Kaufman ist ein Möchte-gern-Otello, wie so viele andere.

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  2. Jan de Turovski

    Jonas Kaufmann ist kein Otello. Er wird es auch nie werden. Es genügt nicht etwas zu wollen, man muss auch die Stimme dafür haben. Kaufmann fehlt alles zum Otello. Er ist die ideale Fehlbesetzung. Aber Sony sammelt mit ihm weiter Trophäen die keiner braucht. Vielleicht auch noch eine neue Tristan-Einspielung? Was für ein Schmarrn.

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  3. Robert Forst

    Wie der Stimmenpapst Hanjo Kesting in der FAZ mit Verweis auf Peter Ustinovs Ausspruch sehr richtig schrieb: Es gibt so etrwas wie die ideale Fehlbesetzung. Das ist Kaufmann, der nichts hat, was Otello ausmacht, Squillo, Durchschlagskraft, leuchtende, silbrige Höhen, echte Verzweiflung, Liebesleid. Er dunkelt ein, säuselt im Piano, ist stets überanstrengt etc.
    Kaufen Sie Carlo Cossuta als Otello oder vor allen anderen RAMON VINAY. Del Monaco und Domibngo sind nur bedingt gute Otellos, Cura ist völlig daneben, er singt was er will und nicht was Verdi notiert hat. Übrigens der Amerikaner Gregory Kunde singt Kaufmann mit 65 bei weitem an die Wand in dieser Rolle.

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  4. Helmuth Schulz

    Die Aussagen sind für mich nicht nachvollziehbar. Welche Sänger waren denn besser? Ich habe alle besseren Otello Aufnahmen, und beschäftige mich mit dieser Oper seit 1964.Vinay? Gobbi ja und dann…

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    1. Marcos von der Fecht

      Uff da gibt es einige,abgesehen von Vinay der wohl der beste Otello aller Zeiten ist sind Mario del Monaco ,Jon Vickers und Jose Cura alle das was man von einem Otello erwartet,Kaufmann kann da bei keinem mitthalten

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