Vermischtes

 

Bei NAXOS sind wahre Kostbarkeiten aus dem Bereich der Kammermusik von Robert Schumann erschienen, die sich durch ihre aparten Zusammensetzungen auszeichnen. Diese hat Schumann selbst als „höchst romantisch…von ganz eigentümlicher Wirkung“ bezeichnet. In den „Märchenbildern“ op. 113 kostet der finnische Pianist Aapo Häkkinen gemeinsam mit dem russischen Bratschisten Dmitry Sinkovsky die lyrischen Phasen ebenso gekonnt aus wie die nicht wenigen virtuosen Stellen. In den später entstandenen „Märchenbildern“ op. 132 tritt der finnische Klarinettist Asko Heiskanen hinzu. Alle präsentieren die Miniaturen mit dem romantischen Flair in schön austarierter Manier; keiner der Musiker drängt sich unangemessen in den Vordergrund. Das gilt in gleichem Maße für die versiert interpretierten „Fantasiestücke“ op. 73 für Klavier und Klarinette (Häkkinen und Heiskanen) sowie für op. 88 – eigentlich als Schumanns erstes Klaviertrio anzusehen (Häkkinen mit der finnisch-ungarischen Geigerin Réka Szilvay und dem russischen Cellisten Alexander Rudin). Die drei kompositorisch wertvollen „Fantasiestücke“ op. 111 bleiben dem Klavier allein vorbehalte. Komplettiert wird die 2017 aufgenommene Kammermusik-Sammlung durch „Adagio und Allegro“ op. 70 für Klavier und Violoncello, das der Cellist tonschön und auch virtuos zu spielen weiß (Naxos 8.573589).

 

Wer weiß wirklich etwas über den Brahms-Freund Ignaz Brüll? 1846 im mährischen Prossnitz geboren und bereits in der Kinderzeit nach Wien umgezogen, lebte und wirkte er bis zu seinem Tod 1907 u.a. als Klavier-Pädagoge und schließlich als künstlerischer Direktor der Horakschen Klavierschulen. Im Oeuvre des eng mit Johannes Brahms befreundeten Komponisten überwiegen Opern, von denen „Das goldene Herz“, seine 1875 in Berlin uraufgeführte, erfolgreichste Oper, vielleicht manchen bekannt ist. Demgegenüber treten seine zahlreichen Kompositionen für Klavier solo sowie Weniges im Bereich der  Kammermusik und Sinfonik in den Hintergrund. Daher ist es durchaus verdienstvoll und lohnend, die deutlich romantische Züge aufweisende  Musik dieses Komponisten der Vergessenheit zu entreißen. So sind bei CAMEO CLASSICS die e-Moll-Sinfonie op. 29, zwei freundlich-reizvolle Serenaden, die „Macbeth“-Ouvertüre und das Violinkonzert op. 41 erschienen. Der britische Dirigent Marius Stravinsky, in Berlin als Ballett-Dirigent nicht unbekannt, und Michael Laus, viele Jahre Chefdirigent in Malta, haben sich mit dem Belarusian State Symphony Orchestra und dem Malta Philharmonic Orchestra der genannten Werke mit ihren herkömmlichen Satzfolgen angenommen. Dabei fällt die beachtliche Qualität aller Instrumentengruppen in beiden Orchestern auf, mit der die unterschiedlichen, teilweise auch aparten Klänge in Lyrik und Dramatik erreicht werden. Das Violinkonzert präsentiert der Solist Ilya Hoffmann mit technisch gut beherrschter Virtuosität; im eher sanften „Molto moderato“ kostet er die schön ausgespielten Melodiebögen genussvoll aus (CC9103/4, 2 CD).

 

Einen Überblick über die unterschiedlichen Kompositionsstile, die Camille Saint-Saens über einen langen Zeitraum gepflegt hat, gibt die neue, bei Erato herausgekommene CD mit den beiden Klavierkonzerten Nr. 2 und 5 sowie mit seltener gespielten Stücken für Piano solo: Der längst  im internationalen Konzertgeschehen angekommene französische Pianist Bertrand Chamayou ist der Solist dieser gelungenen Aufnahmen. Im klugen, sehr instruktiven Artikel im Beiheft erläutert Chamayou  die unterschiedlichen Herangehensweisen Saint-Saens‘.

Das Konzert Nr. 2 entstand 1868 auf Wunsch seines Freundes Anton Rubinstein in nur zwei Wochen und gibt Auskunft über das hohe instrumentale Vermögen des Komponisten, der vor allem im ersten Satz wie für eine Orgel „eine Kathedrale von Kadenzen für das Klavier“ (Chamayou) aufgebaut hat. Dass der Solist der Aufnahme ebenfalls ein herausragender Klaviervirtuose ist, das beweist die CD in überzeugender Weise. Bei beiden Konzerten ist das ausgezeichnete Orchestre National de Paris unter Emmanuel Krivine ein zuverlässiger Partner. Das 5. Klavierkonzert ist fast 30 Jahre später entstanden. Es wird auch „Ägyptisches Konzert“ genannt und spiegelt damit die Orient-Begeisterung des ausgehenden 19. Jahrhunderts wider. Besonders im 2. Satz wird das maurische Kolorit deutlich, zu dem sich Saint-Saens in seinem Alterswohnsitz Algier hat anregen lassen, obwohl der „Sirenengesang“ (Chamayou) auf eine nubische Melodie zurückgehen soll, die der Komponist am Ufer des Nils gehört hat. Die CD wird ergänzt durch sieben Miniaturen für Klavier solo, die wie die Etüde „Les Cloches de Las Palmas“ auf geographische Anregungen zurückgehen, aber auch die Eleganz wiedergeben, die damals die Pariser Salons beherrschte. Mit der nötigen Leichtigkeit und Transparenz serviert Bertrand Chamayou diese freundlichen Kostbarkeiten (ERATO 0190295634261). Gerhard Eckels