Barocke Freuden im Duett

 

Sacred Duets heißt eine neue CD von SONY, welche die Alte-Musik-Spezialisten Nuria Rial und Valer Sabadus in barocken Arien und Zwiegesängen vereint (88985323612). Viele davon stammen aus unbekannten Oratorien, so Sant’ Agnese von Bernardo Pasquini, uraufgeführt 1685 in Modena. Die spanische Sopranistin singt die Aria der Titelheldin „Vaga rosa“ mit klarer, leuchtender Stimme von makelloser Reinheit. Sie wird instrumental geführt und mutet doch in keinem Moment steif und unsinnlich an.

Aus dem gleichfalls selten zu hörenden Oratorium Salomone amante von Giovanni Paolo Colonna (1679, Bologna) erklingen zwei Ausschnitte – das schmerzlich-getragene Duetto „Partite dolori“ und die Aria „Su l’arco d’amore“, in der die Sopranistin mit feinen Farben aufwartet. Der Countertenor betört mit schmeichelndem Ton und reizvollen Echo-Wirkungen in „Aure voi de’ miei sospiri“ aus Domenico Gabriellis San Sigismondo. Auch Antonio Lottis L’umiltà della castita (1711, Rom) dürfte nur wenigen Musikfreunden bekannt sein. Im Duetto „Sempre fido“  singen Esther und Assuero von ewiger Treue. Für diesen wie für alle Titel gilt, dass sich die beiden Stimmen mit Wirkung umschlingen und zu harmonischem Wohllaut verschmelzen.

Geläufiger sind Musikfreunden die Namen der Komponisten Alessandro Scarlatti, Giovanni Bononcini, Antonio Caldara und Nicola Antonio Porpora. Ersterer ist mit seinem Oratorium San Casimiro, re di Polonia vertreten, aus dem zum Auftakt des Programms das Duetto zwischen dem Regio fasto und Amor profano „Al serto le rose“ ertönt. Aus Bononcinis La conversione di Maddalena (1701, Wien) singt Nuria Rial die Aria „Cor imbelle a due nemici“ mit jubilierendem Klang. Sabadus glänzt mit der furiosen Arie des Meraspe „Si pensi alla vendetta“ aus Caldaras La frode della castità, in der er seine hohe Virtuosität zeugen kann, und gemeinsam mit der Sopranistin im Duetto „È ristoro a un cor che pena“ aus dessen Santa Francesca romana.

Der Schluss der CD ist Porpora gewidmet, von dem Ausschnitte aus nicht weniger als drei Oratorien zu hören sind. Aus Il Verbo in carne (1747/48, Neapel) und Il martirio di San Giovanni Nepomuceno (1730, Venedig) erklingt jeweils ein Duett, aus Gedeone (1737, Wien) die stürmisch bewegte Arie des Oreb „Quasi locuste che intorno“. Die Interpreten überzeugen auch hier mit stilistischer Kompetenz und stupender Bravour.

Das inspirierend begleitende Kammerorchester Basel mit Julia Schröder am ersten Pult erfreut auch mit einem instrumentalen Beitrag – Giuseppe Torellis Concerto grosso VIII in einer sehr lebendigen Wiedergabe. Bernd Hoppe