Musikszene / Festivals

Donizetti quasi a l´Italiana

  Während der Sanierung des Stammhauses vom Münchner Gärtnerplatztheater hatte Michael Sturminger 2015 bereits Bellinis Oper La Sonnambula mit Jennifer O’Loughlin in der Titelrolle im Prinzregententheater inszeniert: konventionell, aber mit Liebe zum Detail. Für Donizettis Maria Stuarda (auch wieder in der Originalsprache) dachte sich die Theaterleitung nun wohl: Never change a winning team. Doch nachdem Sturminger […]

Zombie-Fasching aus der Mülltüte

  Ja, auch die größten Künstler haben ihre laufenden Rechnungen zu begleichen; und bei Giuseppe Verdi kam Ende 1853 der lukrative Auftrag der „Grande Boutique“, wie der Maestro die Pariser Opéra gerne süffisant betitelt hat, für eine neue abendfüllende Oper zur Aufbesserung der Haushaltskasse gerade recht. Ein Zweckbündnis, der Schornstein musste rauchen und der Lappen hochgehen. Als Libretto […]

Bewegte Cartoons

  Die Produktion von Berlioz‘ Benvenuto Cellini von Terry Gilliam, 2014 an der ENO aus der Taufe gehoben, ist nach einer überaus passenden Zwischenstation letzte Saison in Rom nun an der Opéra Bastille angekommen. Neben gelegentlichen Auftritten im Flying Circus und den Kinofilmen hat Gilliam das Werk von Monty Python vor allem mit seinen bewegten Collagen-Cartoons […]

Mutter immer dabei

  Verdis Simon Boccanegra hat Philipp Himmelmann an der Opéra de Dijon fein inszeniert, in modernen Kostümen, aber sonst sehr eng am Libretto mit ein paar klugen Zusätzen: So ist Amelia/Marias Mutter, Fiescos Tochter, nicht einfach gestorben, sondern hat sich aufgehängt – zu Beginn und zum Schlussbild sieht man sie im Hintergrund, dazwischen immer wieder […]

Ein Dorf spielt Theater

  Werkstatt Parsifal oder Ein Dorf spielt Theater. Das Bühnenweihfestspiel ohne Geheimnisse. Die rohen, neu geschreinerten, mit feinen Landschaftsbildern bekritzelten Bretter und Schrägen müssen ausreichen. In einer entzauberten Welt nehmen die Bühnenarbeiter, Dörfler und Gralsritter nochmals alle Kraft zusammen, um die Kunst und Illusion aufrechtzuerhalten. Dieter Dorn, dessen große Zeit als Intendant der Münchner Kammerspiele […]

Esprit und Witz

  Zweimal Daniel François Esprit Aubers Le Domino noir:  an der Pariser Opéra-Comique und an der Opéra Royal de la Wallonie in Liége (nachstehend der Bericht dazu). Zuerst also Paris: Da freut sich das Spanferkel, steigen die Statuen tanzend von ihren Sockeln, kichern die dämonischen Wasserspeier der romanischen Kirche, schaukeln sich die Nonnen im Wiegeschritt und wippen und […]

Symphonischer Mozart.

  Mythischen Stoffen wie der Geschichte der Medea oder der Erzählung von Trojas Fall wohnt die Kraft nicht nur des Ahistorischen und Exemplarischen, sondern auch des Vertrauten inne. Die paradoxe Mischung aus fernem Urbild und gefühlter Nähe macht sie zu beliebten Objekten für effektvolle Aktualisierungen, zumal in konfusen Zeiten wie unseren. Dafür muss allerdings ihr […]

Huren, Müll und feine Leute

  Die diesjährige Neuproduktion der Staatsoper Unter den Linden im Rahmen ihrer Oster-Festtage war dem renommierten italienischen Regisseur Mario Martone anvertraut worden, der zuletzt mit seiner Inszenierung des Andrea Chénier zur Scala-Eröffnung hervorgetreten war. In Berlin widmete er sich Verdis Alterswerk Falstaff und erzielte mit seiner munteren Lesart beim Premierenpublikum am 25. 3. 2018 einen […]

Missglückte Felsenstein-Hommage

  Um Liebe und Tod geht es in fast allen Werken der Opernliteratur – auch Offenbachs Opéra bouffe Barbe-bleue handelt davon. Warum aber mussten Regisseur Stefan Herheim und sein Dramaturg Alexander Meier-Dörzenbach sowie der (ursprünglich vorgesehene) Dirigent Clemens Flick bei ihrer Neuinszenierung an der Komischen Oper Berlin mit dem Titel Blaubart deshalb eine Rahmenhandlung um Eros […]

Musikalischer Rausch

  « C’est un opéra joué à peu près tous les vingt ans » nous assurait un mélomane à l’issue, vendredi 23 mars, de la première représentation de Hérodiade. L´Opéra de Marseille Marseille n’avait d’ailleurs pas monté cette œuvre de Jules Massenet inspirée du dernier des « Trois Contes » de Gustave Flaubert Hérodias depuis…1966. En coproduction avec l’Opéra de Saint-Étienne, cette nouvelle production […]

Voilà un vrai festival!

  Ich muss – gewiss zur Entrüstung der meisten Verdi- oder gar Opernliebhaber/-innen – zugeben, dass ich immer schon meine Schwierigkeiten mit Macbeth hatte. Wäre ich ein polemischer Mensch, könnte ich mich zur Behauptung versteigen, die erste Fassung werde Shakespeare, die zweite Verdi nicht gerecht. Die heute meist gespielte zweite fällt für mein Empfinden stilistisch […]

LUFT VON ANDEREN PLANETEN

  Fast fünf Stunden Aufführungsdauer (inkl. zweier Pausen) – eine geglückte Grand Opéra in fünf Akten ist immer auch Überwältigung durch schiere Masse und effektgeladene Theatralik: Epische Längen und dramatische Zuspitzungen, Spektakuläres neben Intimen, große Tableaus neben Seelenbildern. Meyerbeers Musik galt einst bei seinen Gegnern als „Schaubudenlärm„, seine Opern als „Jahrmarktsfarce„, „wie ein Varietéprogramm zusammengesetzt […]

Recht auf Glück

  1992 erschien Erich Wolfgang Korngolds Oper Das Wunder der Heliane bei Decca in deren Reihe „Entartete Musik“, denn das Werk des jüdischen Komponisten wurde 1938 von den Nationalsozialisten als „entartet“ deklariert und verboten. Nur wenige szenische Produktionen der 1927 in Hamburg uraufgeführten Oper sind bekannt (2010 gab es eine in Kaiserslautern, vor allem aber […]

Katzgold

  Die Spuren haben sich verlaufen. Am 23. Juni 1976 wurde als Auftragswerk der Deutschen Oper Berlin Toshiro Mayuzumis Der Tempelbrand uraufgeführt, der jetzt 2018 an der Straßburger Opéra National du Rhin als Le pavillon d’ or seine französische Erstaufführung erlebte, in deutscher Sprache, so wie Claus H. Hennebergs Libretto seinerzeit in Berlin gegeben wurde. […]