Musikszene / Festivals

Tenorparade an der Adria

  Seit Jahren versucht auch das ROF in Rossinis Geburtsort an der italienischen Adria, sich dem zeitgenössischen Regietheater zu nähern. Es gab umstrittene Versuche von Damiano Michieletto mit der Gazza ladra 2007 oder dem Sigismondo 2010 – nun war die katalanische Künstlergruppe La Fura dels Baus nach Pesaro eingeladen worden, um die Eröffnungsproduktion dieses Sommers, […]

Bayreuther Festspiele 2017

  Musikalisch faszinierend – mit einer guten Sängerbesetzung und einem sensiblen Dirigenten (Chor und Orchester sind ohnehin immer erstrangig) ist der Parsifal im Bayreuther Festspielhaus immer ein Erlebnis der besonderen Art, das niemanden unberührt lässt. Da ist es fast zweitrangig, wer für die Inszenierung verantwortlich ist. Das waren seit 1951 Wieland Wagner, dessen Maßstäbe setzende Regiearbeit […]

„Rache! Gib die schwarze Hand!“

  Am Theater Zwickau-Plauen gab es Anfang Mai 2004 eine nicht geringe Sensation: eine Nibelungen-Oper aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, noch vor Wagners Ring, dessen Libretto vom Komponisten nur ein Jahr zuvor im Druck erschienen war. Für jeden Freund der deutschen romantischen Oper ein Muss, war diese Ausgrabung wieder einmal dem rührigen Intendanten lngolf […]

Fabelhaft

  Musikalische Veranstaltungen gibt es wie in jedem Jahr auch in diesem Sommer überreich, klassische dazu ebenfalls. Jede  Bodenmulde scheint dafür geeignet, jede Scheune umfunktioniert. Mücken und Gelsen haben ein Fest.  Aber eine Veranstaltung wie die NDR-Produktion des Rigoletto im Hannoverschen Maschpark war denn doch etwas Besonderes (am 22. Juli 2017), als bei lauem und […]

Kurz vor dem 30jährigen…

  Im nächsten Jahr steht das 30jährige Jubiläum von Rossini in Wildbad an. Wer hätte je geglaubt, dass sich die Festspiele in der 10.000-Seelen-Gemeinde im Nordschwarzwald derart mausern würden. Wohl nur Jochen Schönleber, der dem Festival seit 1991 als künstlerischer Leiter vorsteht. Keine Atempause 2017. Gleichwohl Revitalisierung bekannter Vorhaben. L’ occasione fa il ladro wurde […]

Im Rollstuhl

  Heiße Juli-Abende laden auch in Franken zu entspannenden Vergnügungen ein. Man mag dicke Wälzer liegen lassen und zu einem Comic greifen. So es nach übertriebenem Klamauk gelüstet, kann man sich eine deutsche Komödie im Fernsehen oder auf DVD zu Gemüte führen. Oder doch Lust auf beides? Dann empfiehlt sich aktuell ein Besuch im Staatstheater […]

Flucht aus der Realität

  „Konsequent“ lautet das letzte Wort von Jakob Lenz in Wolfgang Rihms gleichnamiger Oper, die in einer Inszenierung von Andrea Breth nach siebenjähriger Spielzeit den Abschied der Staatsoper vom Schiller Theater markiert. Die Aufführung steht im Mittelpunkt des diesjährigen Festivals INFEKTION! und entstand 2014 in Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart und dem Théatre de la […]

Wenn sich Nachbarn streiten…

  Der Ehrgeiz der Komischen Oper Berlin, ihren Spielplan von der Operette und dem Musical über Klassiker des Repertoires bis zur zeitgenössischen Musik auszudehnen, ist anerkennenswert und verdienstvoll. In diesem Rahmen sich auch eine große französische Barockoper zu wagen, scheint allerdings vermessen angesichts des deprimierenden Ergebnisses. Opfer ist Rameaus tragédie lyrique Zoroastre, die den Kampf […]

Wie war das in Marienbad?

  Zufall oder kluge Münchner Festspieldramaturgie. Zwei zentrale, wenige Monate vor Ende bzw. nach Ende des Ersten Weltkriegs uraufgeführte Opern an aufeinanderfolgenden Tagen. Beide in Inszenierungen Krzysztof Warlikowskis. Die Frau ohne Schatten von Strauss, die bereits 2013 anlässlich des 50. Geburtstag des wiedereröffneten Nationaltheaters herausgekommen war (5. Juli 2017), und Die Gezeichneten (4. Juli 2017) […]

Wunden der Vergangenheit

  Es ist eine Großtat, die die Sächsische Staatsoper Dresden zum Ende der Spielzeit stemmte: In Kooperation mit der Oper Frankfurt übernahm sie deren 2015 herausgekommene Inszenierung von Mieczyslaw Weinbergs Die Passagierin mit dem Libretto von Alexander Medwedew, welches nach dem gleichnamigen Roman von Zofia Posmysz entstand. Die polnische Autorin hat die Hölle von Auschwitz […]

Sensationeller Titelheld

  Die kurze Ouvertüre zu Rimskij-Korsakovs Sadko, basierend auf der 29 Jahre älteren gleichnamigen symphonischen Dichtung, beschreibt das Meer, in den meisten Interpretationen die endlose Weite und eine leise Wellenbewegung. Bei Dmitri Jurowskis Leitung der Vlaamse Operan in Gent hörte ich im Ostinato der drei absteigenden Noten und den aus ihnen entwickelten Figurationen fasziniert vielmehr drängende Bewegung […]