Musikszene / Festivals

Verdi im Boxring

  Verdis 1855 uraufgeführte Vêpres siciliennes waren eine schwierige Geburt. Der Komponist, der sich nach Jérusalem (1847) große Hoffnung auf seine zweite Oper für Paris gemacht hatte, war mit dem Libretto unzufrieden, fühlte sich von Eugène Scribe (bzw. seinen nègres) schlecht behandelt und schimpfte nicht wenig über die Arbeitsbedingungen, zumal er schnell schreiben musste. Dann […]

Berlin: Repertoire, Concerts & Fringe

  Geliebte Pappe: Wer wissen möchte, wie schön einst Oper war und wie schön sie immer noch sein könnte, der sollte in Amilcare Ponchiellis La Gioconda in der Deutschen Oper gehen, wo alle paar Spielzeiten die Produktion aus dem Jahre 1974 aufgeführt wird und damals schon etwas Besonderes war, weil sie zeigte, wie man zur Zeit […]

Galantes Europa

  Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci mit ihrer einzigartigen Verbindung von Musik, Kunst, Architektur und Landschaft wurden seit 28 Jahren von der Künstlerischen Leiterin Andrea Palent geprägt, die mit ihren originellen Konzepten, ihrem hohen Anspruch, ihrer Leidenschaft und Energie das Festival weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt und zu einem bedeutenden Ereignis im internationalen Festspielreigen […]

Grandiose Umsetzung

  Verdi und Shakespeare – das ist eine Geschichte, die wohl schon Ende der 1830er-Jahre begann, als die erste vollständige  Übersetzung dessen theatralischer Werke in Padua erschien, und die den Komponisten nie losließ. Denn neben den beiden sein Œuvre  abschließenden Alterswerken Otello und Falstaff beschäftigte er sich auch einige Jahre lang mit  King Lear. Dass […]

Tolle Lady, müder König

  In der genialen, unvergesslichen Peter-Mussbach-Inszenierung von Verdis Macbeth aus dem Jahre 2000 hatte Plácido Domingo 2015 im Schiller Theater bereits die Titelrolle gesungen und sich danach kritisch über diese Produktion geäußert. Nun ließ die Staatsoper im Hause Unter den Linden das Werk von Regie-Altmeister Harry Kupfer für die Sängerlegende neu inszenieren. Die Premiere am 17. […]

Und wieder mal Krankenbetten

  Mittlerweile ist es keine sonderlich originelle Idee mehr, die Handlung eines Stückes in ein Krankenhaus, eine psychiatrische Anstalt, ein Pflegeheim oder gar ein Sterbehospiz zu verlegen. Derlei Beispiel gab es in Berlins Opernhäusern in den letzten Jahren zur Genüge – man denke nur an Falstaff, Cendrillon, Tristan und Isolde, Die Frau ohne Schatten oder […]

Die weiße Frau aus Böhmen

  2018 jährt sich der Geburtstag von Charles Gounod zum 200. Mal – Grund für den Palazetto, im Juni  drei  seiner Opern aufführen und zwei mitschneiden zu lassen: Le tribut de Zamora (aus München im Januar 2018 für die Eddiciones Singulares), Faust in der Erstversion als Opéra-comique/mit Dialogen  und La Nonne Sanglante (die es ja bereits 2008 in Osnabrück gegeben hat und bei cpo  777 388-2 in guter […]

Im Zickzack

  Der vielbekrittelten Verzetteltheit von Zeit und Ort der Handlung in La forza del destino ist das Team der neuen Zürcher Produktion beherzt zu Leibe gerückt. Die Bühne von Hartmut Meyer bietet nicht lediglich ein Einheitsbühnenbild, sondern auch einen einheitlichen, abstrakten Spielort. Bilder und Akte können so nahtlos ineinander übergehen, was der inszenierende Intendant Andreas […]

Stimmungsvoll

  Simon Boccanegra am Théâtre Municipal de Lausanne fängt gut an. Ich sehe im Hintergrund das Meer, den Himmel, davor Schienen und auf den Seiten je einen von vorn nach hinten verlaufenden Steg vor Mauern mit Durchgängen. Von diesen Mauern können andere Stege parallel zum Bühnenrand wie Zugbrücken auf den Schienenboden heruntergelassen werden.  Zur Hafenstadt Genova passt das doch, sieht […]

Starke Gesichtserker

  Im Berliner Premieren-Marathon setzte die Komische Oper mit Barrie Koskys Inszenierung von Schostakowitschs Oper Die Nase den von ihr bekannt knalligen Akzent. Nach der Premiere in London und einer Aufführungsserie in Sydney wird die Produktion im Berliner Haus in der deutschen Textfassung von Ulrich W. Lenz gezeigt, der einige Modernismen (HNO-Arzt, Fake News u.a.) in […]

Verdi-Rarität

  Wie oft kommt es vor, dass ein eingefleischter Operngänger mit einem gewissen Dienstalter eine Verdioper zum ersten Mal live zu sehen kriegt? Ich war also sehr gespannt auf La battaglia di Legnano an der Opera di Firenze  (31.5. 2018) und wurde nicht enttäuscht. Ich weiß nicht, wie es unseren Leserinnen und Lesern geht, aber ich lerne […]

Mafioso in Seenot

  Nach La Sonnambula 2010 und der prachtvollen Norma 2016 hat sich das Stadttheater St. Gallen erfreulicherweise erneut einer Bellini-Oper angenommen. Diesmal (am 10. Juni 2018) das Werk, das dem jungen Komponisten zum Durchbruch verhalf: Il Pirata. Eine Oper, die heute äußerst selten auf den Spielplänen steht. Die letzte und einzige Produktion, die ich je […]

Von Preußens Glanz und Gloria

  Oper Erfurt mit Gaspare Spontinis musikalischen Schlachtgemälde Agnes von Hohenstaufen. Im Sauseschritt geht es durch die preußisch-deutsche Geschichte. Vor und zurück. Von den Gräben des Ersten Weltkriegs im komplizierten Dreischritt ins frühe 19. Jahrhundert und von dort weiter ins 12. Jahrhundert. Dann wieder vom Mittelalter in umständlichen Windungen ins Kriegsgetümmel des frühen 20. Jahrhunderts. Wie […]

Romantisch düster

  Königin zu sein war in früheren Jahrhunderten kein rosa-roter Prinzessinnen-Job. Geheiratet wurde nicht aus Liebe, sondern zu einem bestimmtem Zweck: männliche Nachkommen zu zeugen, die später als militärisch-politische Oberbefehlshaber das Erbe schützen sollten. Idealerweise kamen die zukünftigen Königinnen aus anderen bedeutenden dynastischen Familien, deren Unterstützung man sich dadurch sicherte. Anna Boleyn sollte einfach nur […]