Musikszene / Festivals

Wasserspiele

  Psycho-Thriller, Dreiecksgeschichte, Eifersuchtsdrama all das ist Claude Debussys Vertonung von Pelléas und Mélisande. Regisseur Marco Arturo Marelli hat mit seiner ansehnlichen Bühne – ein Schloss im Wassergraben – beste Voraussetzungen geschaffen. Die werden jedoch nicht genützt. Die Geschichte ist einfach und wird dennoch für rätselhaft gehalten: Ein Prinz findet eine Fremde im Wald, nimmt […]

Brummkreisel-Albtraum

  Den Ur-Boris von 1869 wählte die Deutsche Oper Berlin für ihre Neuinszenierung von Mussorgskis Boris Godunow, die in Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden entstand, wo sie bereits im März 2016 gezeigt wurde. Das Einheitsbühnenbild von Miriam Buether hat zwei Ebenen – oben eine Empore in Form einer Lunette in zumeist gleißendem […]

Nur schöne Bilder

  Mit Spannung war das Debüt des international renommierten Filmemachers Wim Wenders als Opernregisseur erwartet worden. Nach einem abgebrochenen ersten Versuch in diesem Metier in Bayreuth war es Daniel Barenboim gelungen, ihn zu einer Arbeit an der Berliner Staatsoper zu überreden. Wenders Stückwahl fiel auf Bizets in unseren Breiten nicht häufig anzutreffende Oper Les Pecheurs […]

Erde Feuer Wasser Luft

  Wie stets warteten die Festspiele auch in diesem Jahr mit einer interessanten und  originellen Programmkonzeption auf. Die vier Elemente, welche als Marmorstatuen die Große Fontäne vor den Terrassen des Schlosses Sanssouci umkreisen, standen im Mittelpunkt der vielen Veranstaltungen mit Konzerten, Opern, Oratorien, Kammermusik und diversen Open-air-Events (Musikfestspiele Potsdam Sanssouci/ Feuerwerk/ Stefan Gloede) Sogleich das […]

BERLIN: REPERTOIRE, CONCERTS & FRINGE

  Große Wirkung mit wenig Aufwand: Mit dem Tropfen eines Wasserhahns oder dem Ticken eines Uhrwerks hat es die penetrante Regelmäßigkeit gemeinsam, das Geräusch, das den Abend mit Aribert Reimanns Oper Die Gespenstersonate beginnen und auch enden lässt, und auch optisch begegnen sich Anfang und Ende, indem alle Mitwirkenden außer dem Studenten mit der Gabe, Tote zu […]

Bewundernswerte Helene Schneiderman

  Leidenschaftlich und laut ging es zu bei der Pique Dame-Neuinszenierung in der Stuttgarter Oper. Sylvain Cambreling setzte mit dem Staatsorchester auf einen kraftvoll dynamisch aufgefächerten, manchmal aber doch etwas  zu plakativen Pathétique-Tschaikowski. Da ging dann wirklich die musikalische Post ab, wenn auch noch der von Johannes Knecht präzis einstudierte und mächtig auftrumpfende Staatsopernchor (inklusive […]

„Rêves heureux…“

  Nun endlich, nach so vielen Jahren des Wartens, bescherte der Opernhimmel fast uneingeschränktes Glück: Halévys Grand opéra La Reine de Chypre im Pariser Théâtre des Champs-Elysées am 9. Juni 2017 im Rahmen des 5. Palazetto-Opernfestivals, über die in operalounge.de so viel berichtet wurde (auch über die andere, szenisch aufgeführte Oper: Kollege Rolf Fath hat eine […]

Aus der Rumpelkammer

  Der Karlsruher 4-Regisseure-Ring geht in die dritte Runde. Nach einem aus folgenlosen Illustrationen durchaus einfallsreich zusammengesetztem Rheingold ohne Interpretation (Regie: David Hermann) und einer gänzlich visuell gedachten Walküre, bei der Design statt Deutung im Mittelpunkt stand und der dramatische Bezug in der Erstellung von Bühnenbildern und Effekten oft verloren ging (Regie: Yuval Sharon), löste […]

Deutscher Bilderbogen

  100 Jahre deutscher Geschichte blättert Terry Gilliam in seiner Inszenierung von Berlioz’ La damnation de Faust im Schiller Theater auf (nachdem das nicht eigentlich für die Bühne bestimmte Werk zuletzt an der Deutschen Oper 2014 und davor 1983 in der Götz-Friedrich-Produktion ebendort gegeben wurde). Zu Beginn der Handlung, die mit einer Ohren betäubenden Explosion […]

Kann denn Leere Sünde sein?

  Das allseits beliebte Internetportal Wikipedia definiert den Begriff „Oper“ wie folgt: „Als Oper (vom italienischen opera in musica, musikalisches Werk) bezeichnet man seit 1607 eine musikalische Gattung des Theaters, in der eine szenisch-dramatische Handlung durch Musik dargestellt wird.“ Das ist im Kern korrekt und praktisch jeden Abend in Häusern irgendwo auf der Welt mehr oder […]

Politische Kopplung

  Am Theater Heidelberg wurden zwei Einakter von Komponisten zu einem Abend zusammengefügt (Premiere am 28.5. 2017), die auf den ersten Blick nicht sonderlich viel gemeinsam haben. Erich Wolfgang Korngold und Mieczyslaw Weinberg mussten beide aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ihre von Hitlerdeutschland annektierte Heimat verlassen, beide verdienten ihren Lebensunterhalt lange Zeit mit Filmmusik, beide wurden […]

Blasser Saale-Jahrgang

  Der in der Musiktheaterszene umstrittenen Regisseurin Tatjana Gübaca war die Eröffnungsproduktion der diesjährigen Festspiele anvertraut worden – die Inszenierung von Händels spätem Oratorium Jephta (1752) im Opernhaus (26. Mai 2017). Erwartungsgemäß verlegte sie die biblische Geschichte um Jephta, Heerführer der Israeliten in der Schlacht gegen die Ammoniter, und seinen Konflikt zwischen Gelübde und Kindesliebe […]

Liebe in Zeiten des Faschismus

  Giulietta e Romèo des in Wagners Todesjahr 1883 geborenen Komponisten Riccardo Zandonai ist eine sehr freie Bearbeitung des alten tragischen Stoffes von  Liebesleid und Liebesglück. Frei „nach Shakespeare“ steht denn auch auf dem Titelblatt der Partitur. Der Librettist Arturo Rossato hat in drei Akten Figuren und Szenen Shakespeares grosszügig weggelassen und hinzuerfunden. Gleich geblieben […]

Gnadenlos

  Als Berliner Erstaufführung präsentiert die Komische Oper Aribert Reimanns 2010 in Wien uraufgeführte Oper Medea in einer musikalisch glanzvollen Interpretation. Benedict Andrews’ Inszenierung auf der bis auf die schwarzen Brandmauern leere Bühne (Johannes Schütz) arbeitet mit den Mitteln des epischen Theaters, so dass die Aufführung zunächst kühl und unsinnlich wirkt. Die Sängerdarsteller aber stürzen […]