Musikszene / Festivals

Meisterhaft

  Der feurige Engel, Titelfigur von Prokofjevs erst 1955, zwei Jahre nach seinem Tod, szenisch uraufgeführter Oper, ist der unsichtbare Kindheitsfreund von Renata, der sie verlassen hat, als sie als Teenager mehr als keusche Freundschaft von ihm wollte – so erzählt sie es zumindest. Kurze Zeit glaubte sie im Grafen Heinrich ihren Engel wiedergefunden zu […]

Bezaubernde Sabine Devieilhe

  Au temps où l’on voyageait peu, l’opéra pourvoyait au dépaysement. Il multipliait les rencontres incongrues, et les malentendus qui s’ensuivent. Un lieutenant de vaisseau américain découvre le Japon sans bien en comprendre les mœurs, ça vous donnera Madame Butterfly. L’officier est anglais dans Lakmé et ça se passe aux Indes : entre la fille des parias et le […]

Stimmenfest mit Inszenierungsschwächen

  Die lothringische Oper in Nancy hat bei Rossinis Semiramide ein Experiment gewagt, man besetzte die Hosenrolle des Arsace nicht mit einer Mezzosopranistin, sondern mit einem Countertenor. Franco Fagioli, der sich dieses Rossini-Repertoire mit seiner letzten Solo-CD bei DG bereits erschlossen hat, stand neben der georgischen Sopranistin Salome Jicia in der Titelrolle im Mittelpunkt einer […]

Feuchter Traum im Nebel

  Eine Oper als Traum oder Erinnerung einer der handelnden Personen zu erzählen, ist seit einiger Zeit eine gängige Methode auf unseren Bühnen. Im Falle der Neuinszenierung von Wagners Der fliegender Holländer an der Deutschen Oper Berlin ist es Erik, der schon zum Beginn der Ouvertüre auf dem Bühnenboden hockt, träumt, nachsinnt, dann aggressiv auffährt […]

Stalin als stummer Zeuge

  Mit einigem Recht gilt Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk (Libretto: Arkadi Preis) als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Die abgründige und hocherotische Thematik machte den Sowjets bereits die literarische Vorlage von Nikolai Leskow (1865) verdächtig. Der Typus einer selbstbewussten Frau, die sich nicht mehr abfinden will mit ihrem langweiligen Dasein als […]

Nachkriegs-Künstlerdrama

  Die Weltpremiere von Paul HIndemiths letzter großer Oper (auf sie folgte nur noch der Einakter Das lange Weihnachtsmahl) Die Harmonie der Welt war 1957 in Mûnchen ein riesiges Ereignis. Alles, was in der musikalischen und in der politischen Welt Rang und Namen hatte, war anwesend, und die beiden Dirigenten Herbert von Karajan und Georg Solti […]

Gestörte Jahreszeiten

  Im Shakespeareschen Sommernachtstraum sind die Jahreszeiten durcheinandergeraten, weil Titania und Oberon streiten; in Rimskij-Korsakovs Oper nach Alexander Ostrovskijs Stück Snegurotschka (im Pariser Programmheft mit Fille de neige, in den Übertiteln mit Fleur de neige übersetzt, deutsch auch Schneeflöckchen genannt) ist der Zyklus hingegen gestört, weil Frühling und Winter einander zu nahe gekommen sind und ein Kind […]

Weltuntergangsvision

  Nun hat sich die Linzer Ring-Produktion des Jahres 2013 auch in ihrer bearbeiteten Version am Hessischen Staatstheater mit der Götterdämmerung gerundet. Ohne Frage ein außergewöhnlicher Kraftakt: Inner­halb von nur einer Spielzeit ließ Intendant Uwe Eric Laufenberg alle vier Premieren von Richard Wagners  Nibelungen-Tetralogie über die Bühne gehen. Und doch lässt der Schlussstein in Uwe-Eric Laufenbergs […]

Atmosphärisch dicht

  Mit der selten gespielten Busoni-Oper Doktor Faust verabschiedet sich GMD Werner Seitzer, der jahrzehntelang Garant war für hohes musikalisches Niveau am kleinen Stadttheater Hildesheim, seit geraumer Zeit „Theater für Niedersachsen“ (TfN). Zugleich ist die Produktion wegen des vertonten Streits der Theologie-Studenten über Luthers Lehre in Wittenberg ein Beitrag des Theaters zum 500-jährigen Reformationsjubiläum. Der […]