Musikszene / Festivals

Die drangsalierte Kunst

  Der Oper Halle laufen die Besucher davon. Dafür wurde der Intendant der Oper abgestraft. Kurz vor der letzten Premiere wurde Florian Lutz die Nichtverlängerung seines bis 2021 laufenden Vertrags mitgeteilt. Ob sich die Verantwortlichen des Termins bewusst waren oder ihn tückisch und gemein ausgerechnet auf den Tag der Ariadne auf Naxos-Premiere legten, die davon […]

Müdes Empire

  Für die Neuinszenierung von Händels Opera seria  Poros kehrte Harry Kupfer an die Komische Oper Berlin zurück, wo er von 1981 bis 2002 die Position des Chefregisseurs innehatte. Die Stückwahl ist nicht zufällig, denn zu Beginn seiner Laufbahn hatte er bei den Händelfestspielen Halle 1956 dieses Stück als Regieassistent betreut. Entsprechend der damaligen Tradition […]

Hans Günther Nöcker

  Mit Bedauern hörten wir vom Tode des Bass-Baritons Hans Günter Nöcker, der am 20. März 2019 verstarb. Als Berliner erinnere ich mich gerne an seine Pizarros und Telramunds an der Deutschen Oper Berlin, wo seine kernige, gut gestützte und sehr persönlich gefärbte Bass-Stimme ein Garant für eine nachdrückliche Interpretation war. Auch sein Mandryka oder […]

Kleopatra in Jütland

  Natürlich gibt es viele  dänische Komponisten, und natürlich werden nun Kenner die Hände heben und aufschreien. Aber wirklich bekannt sind dänische Tonsetzer im Ausland nicht wirklich, wenngleich viele in Berlin oder Leipzig ausgebildet wurden. Ja, es gibt natürlich Niels Wilhelm Gade (1817–1890), Paul von Klenau (1883–1946), Carl Nielsen (1865–1931), Johann Adolf Scheibe (1708–1776), August Winding (1835–1899), Friedrich Kuhlau (1786–1832), Rued […]

Im Reich des Inka

  So geht es natürlich auch: Bevor in aller Umständlichkeit die absehbare Geschichte der zur Keuschheit verpflichtete Priesterin Idalide, die sich in den spanischen Eroberer Enrico verliebte, aufgedröselt wird, greife man zu einem publikumswirksamen Fernseh-Format. „Schuld oder Schicksal“ heißt die Show, hinter der das Theater Rudolstadt seine Cherubini-Wiederentdeckung versteckt und im schmucken Saalfeld präsentiert, wo […]

Opernhaftes Ballern

  Nun ist sie endlich auf einer Bühne zu sehen, César Francks fast nur der Sage nach bekannte große Oper Hulda, genauer Légende scandinave, die nach dem Tod des Komponisten (1822-90) 1894 in Monte-Carlo uraufgeführt und bereits im folgenden Jahr von den Spielplänen verschwand: Im 20. Jahrhundert erinnerte sich immerhin die RAI des Werkes, wovon […]

Entertainment „chez Kezal“

  Für einen viel versprechenden Auftakt zur Neuinszenierung von Smetanas Komischer Oper Die verkaufte Braut sorgte die Sächsische Staatskapelle Dresden (Fassung von Kurt Honolka, unter Verwendung einiger Passagen von Carl Riha und Winfried Höntsch) unter dem tschechischen Dirigenten Tomás Netopil, der seine Vertrautheit mit dem musikalischen Idiom nicht besser hätte zeigen können als mit dieser hinreißend […]

Musikalisch überragend

  Nie wieder sollte Richard Strauss eine Partitur schreiben von geradezu kompromissloser Radikalität, die bis an die Grenzen der Tonalität geht und mit schrillsten Dissonanzen erfüllt ist wie in der 1919 uraufgeführten Elektra. Mit dieser Oper begann die kongeniale Zusammenarbeit mit Hugo von Hofmannsthal, der ein düsteres Drama um die Atridentochter Elektra nach Sophokles geschrieben […]

Luxuriöse Umtriebe

  Zu Beginn schreitet eine junge Frau mit zwei kleinen Jungen an der Hand hoheitsvoll über die Bühne – die Zarin Sofia und ihre Halbbrüder Ivan und Pjotr (nachmals Peter der Große), von denen in Chovanschtschina viel die Rede ist, die aber im Hintergrund des Historiendramas agieren. Mario Martone lässt sie in seiner Scala-Inszenierung (gesehen […]

Ferngesteuert

    Das war eine Premiere der besonderen Art, der schon allein durch die Tatsache, dass der Regisseur Kirill Serebrennikov seit August 2017 in Moskau unter Hausarrest steht und seine Inszenierung von Verdis Nabucco an der Hamburgischen Staatsoper nur mittels Videobotschaften realisieren konnte, mediale Aufmerksamkeit gesichert war. Die Regieanweisungen von Serebrennikov, der auch das Bühnenbild […]

Flotte Revue

  Die Prinzessin von Trapezunt“  von Jacques Offenbachs galt  zu seinen Lebzeiten  eines seiner populärsten Werke. Die Uraufführung fand im Sommer 1869 in Baden-Baden durch sein eigenes Pariser Ensemble des am Champs d’Élisée gelegenen Théatre des Bouffes-Parisiens statt. Nach Aufführungen einer überarbeiteten und auf drei Akte erweiterten Fassung an den Bouffes-Parisiens und  Wiederaufnahmen in den 1870er-Jahren […]

Ungewöhnlicher Doppelabend

  Ein in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlicher Doppelabend hatte am 1.3. 2019  im Teatro di Pisa Premiere: Mit Leoncavallos Edipo Re und Poulencs La voix humaine standen sich ein eher unbekanntes und ein sehr selten gespieltes Werk zweier selten kombinierter Komponisten gegenüber, zudem eines halbszenisch, eines regulär inszeniert. Den Anfang machte Leoncavallo, dessen Todestag sich heuer zum […]

Viel Situationskomik

  Le Grand macabre, Ligetis kalauernde Beinahe-Apokalypse, gibt es in Zürich in einer kongenialen Umsetzung zu erleben (gesehen am 24.2.2019). Tatjana Gürbaca verbindet in ihrer Inszenierung die Pointendichte und das Timing eines Boulevardstücks mit dem eigentlich todernsten Thema angemessenem intelligentem Witz. Henrik Ahr hat einen anthrazitenen Raum mit drei höhenverstellbaren breiten Stufen und drei Notausgängen in der Rückwand entworfen, der […]

Musikfesttage an der Oder

  Ein Höhepunkt im Kulturleben der Grenzstadt an der Oder sind die alljährlichen Musikfesttage, die sich natürlich auch dem musikalischen Schaffen des großen Sohnes der Stadt, Carl Philipp Emanuel Bach, widmen. So galt ihm das Eröffnungskonzert am 3. 3. 2019 in der Konzerthalle „Carl Philipp Emanuel Bach“ mit seiner 1769 komponierten Matthäus-Passion. Deren Notenmaterial befand […]