Musikszene / Festivals

Deutschlandpremiere

  Man stelle sich vor: Eine Oper, 1900 vollendet, von der zu Lebzeiten des Komponisten nur die beiden Außenakte (konzertant) aufgeführt wurden, die 1931, 17 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers, zu ihrer szenischer Uraufführung kam (nachdem ein Komponistenkollege die Orchestrierung der Außenakte hatte rekonstruieren müssen) und 2019 erst ihre zweite Bühnenproduktion erhält. Und das […]

Double Bill

  Für Madame Flora, die Titelfigur in Menottis Medium, hat Kaspar Glarner für die Oper Frankfurt einen düsteren Salon wie für eine Wahrsagerin bei „Graf Yoster“ geschaffen, samt kaschiertem Spiegel für die vorgetäuschten Erscheinungen und Wendeltreppe zum Eingang – ob die eine bewusste Vanessa-Referenz ist? immerhin wird die Treppe aus der jahrzehntelang durch die Opernhäuser der […]

Potsdamer Musen

  Die neue Intendantin der Musikfestspiele, Dorothee Oberlinger, betitelte ihre erste Festivalsaison Musen und dirigierte die Opernproduktion, Giovanni Battista Bononcinis Polifemo, auch selbst. Gerade hatte es bei den Salzburger Pfingstfestspielen Nicola Porporas Opera seria gleichen Titels von 1735 gegeben, daher ermöglichte die Aufführung von Bononcinis Pastorale am 20. 6. 2019 in der Orangerie einen interessanten […]

Berlin: Repertoire, Concerts & Fringe

  Im Rausch der Grand opéra: Hamlet von 1868 (in der Pariser Salle Le Pelletier) als (konzertante) Erstaufführung an der Deutschen Oper Berlin und meines Wissens erstmalig in Berlin nach dem Krieg überhaupt war die überwältigende Wiedergabe dieses hinreißenden Hollywood-„Schinkens“, ein Rausch! Großes Kino als Oper, „alle tot“ möchte man sagen, was ich an großer Oper […]

Religion in Holzschnitt

  Der gläubige Katholik Bohuslav Martinů schuf seine „Marienspiele“ 1934. Sie bestehen aus den vier Kurzopern „Prolog. Die klugen und törichten Jungfrauen“, „Mariechen von Nimwegen“, „Die Geburt des Herrn“ und „Schwester Pascalina“, von denen das Stadttheater Bremerhaven die beiden ersten Teile in einer eindrucksvollen Produktion zum Abschluss der laufenden Spielzeit in deutscher Sprache herausbrachte. Der […]

Kaltes loderndes Feuer

  Die letzte Première der Ära Richter am Grand Théâtre de Genève galt Verdis Un ballo in maschera (besuchte Vorstellung die zweite am 7.6.2019). Für einen krönenden Abschluss fehlt es der Produktion für mein Empfinden an szenischer Stringenz. Giancarlo del Monaco hat einige effektvolle Ideen (wenn etwa Amelia Ma dall’arido stelo mit dem Rücken zum Publikum beginnt), aber sie scheinen mir dünn gesät, während […]

Voci celesti – Himmlische Stimmen

  Dem Andenken an legendäre Kastraten widmete Cecilia Bartoli die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele . Die Sängerin hatte sich bereits in ihren CD-Einspielungen Sacrificium und Musica proibita mit dieser Thematik beschäftigt. Als Künstlerische Leiterin des Festivals hatte sie nun Gelegenheit, ein ganzes Programm von der Oper bis zum Oratorium zu konzipieren, das die Kunst dieser Sänger ins […]

Berliner Premieren-Marathon

  Des Ritters Traumwelten:Dieser Don ist nicht von trauriger Gestalt, auch kein müder Greis, sondern ein vitaler, agiler Mann im besten Alter. Alex Exposito singt die Titelrolle in Massenets Comédie héroique Don Quichotte an der Deutschen Oper Berlin, die am 30. 5. 2019 erfolgreiche Premiere hatte. Der optischen Erscheinung entspricht die Stimme – ein jugendlicher […]

Seele an Krücken

  Korngold schrieb sein 1920 uraufgeführtes Meisterwerk Die tote Stadt im Alter von erst 23 Jahren. Stilistisch steht das Werk zwischen dem Verismo und Richard Strauss: Das üppig besetzte Orchester schwelgt in Klangfarben, die Nähe zu Puccini ist unverkennbar. Die Oper ist insgesamt äußerst melodisch; zwei Nummern sind richtige „Schlager“ geworden: Das gefühlvolle Lied des Pierrot […]

Wiener Block

  150 Jahre ist sie nun alt, unsere Wiener Staatsoper am Ring. Hatte man 1969 das Hundertjahr-Jubiläum zwar mit einer glanzvollen Ausstellung in der Hofburg, aber ohne festliche Premiere, sondern mit einem Überblick über das damals aktuelle Repertoire gefeiert, so gibt es heuer am Jubiläumstag selbst die Premiere eines Werkes, das in diesem Jahr selbst […]

Musikalische Glanzleistungen

  Der Golf von Neapel ist mit seinen dort gelegenen Inseln und den zur Metropolregion der kampanischen Hauptstadt gehörenden Nachbarstädten im 19. Jahrhundert Schauplatz einer ganzen Reihe von Opernstoffen. Erinnert sei an Pacinis L’ultimo giorno di Pompei, Aubers La muette de Portici und Félicien Davids Herculanum, in denen ein Ausbruch des Vesuvs jeweils das krönende […]

Poesie und Mystik

  Piazollas Maria de Buenos Aires (Premiere am 27.04.2019 in spanischer Sprache)  – eine eigene Welt voller Poesie und Mystik. Was für ein Abend! Schauspiel, Gesang und vor allem Tanz finden sich in Maria de Buenos Aires von Astor Piazzolla zu einem inspirierenden Kunstwerk zusammen. Hausherr Ulrich Mokrusch und Ballettchef Sergei Vanaev haben gemeinsam inszeniert. Herausgekommen ist eine beglückende Mischung aus Poesie, Melancholie und […]

Heiteres im Osten

  Sollte mir nochmals jemand den Trovatore als kompliziert schildern, so werde ich ihn einfach in eine Vorstellung von Suppés Operette Der Teufel auf Erden schicken. Auf diese Weise wird er schnell lernen, dass der Trovatore bestenfalls ein harmloses Kindermärchen ist… Aber das ist natürlich nicht das eigentliche Problem des Teufels. Die grundsätzliche Schwierigkeit liegt darin, […]

Wo bleibt… Orest?

  Es war ein spezielles Anliegen von Direktor Meyer im Jubiläumsjahr des Hauses am Ring zwei Uraufführungen am Spielplan zu haben. Die ddrei Weiden von Johannes M. Staud fand programmgemäss statt, aber das zweite Werk, eine neue Oper von Krzyzstof Penderecky, wurde nicht rechtzeitig fertig. Da man aber unbedingt ein zweites zeitgenössisches Werk bringen wollte, entschloss man […]