Musikszene / Festivals

Von Clowns und Schwanenrittern

  Tannhäuser: Gerade noch mal die Kurve gekriegt und die Biegung bei der mangels Nachfrage geschlossenen Biogas-Anlage genommen. Das schräge Völkchen im mausgrauen Kastenwagen unternimmt eine fröhliche Landpartie, die als Werbebotschaft für Thüringen herhalten könnte. Das Mädchen im schwarzen Glitzereinteiler sitzt am Steuer, hinten der schrille, sich selbst spielende, in Klamotten wühlende Transvestit Le Gateau […]

Jubiläum mit Tumulten

  Das 40. Jahr seines Bestehens feierte das ROF in der Geburtsstadt des Komponisten mit einer Neuproduktion seines Belcanto-Hauptwerkes Semiramide. Erst zweimal wurde das Melodramma tragico an der Adria gezeigt – 1992 in einer Inszenierung von Hugo de Ahna und 2003 von Dieter Kaegi. Nun war der britische Regisseur Graham Vick, seit 1994 in Pesaro […]

Die weiße Frau aus Böhmen

  2018 jährte sich der Geburtstag von Charles Gounod zum 200. Mal – Grund für den Palazetto, im Juni  2018 drei  seiner Opern aufführen zwei mitschneiden zu lassen: Le tribut de Zamora (aus München im Januar 2018 für die Eddiciones Singulares), Faust in der Erstversion als Opéra-comique/mit Dialogen (soeben beim Palazetto Labrel Ediciones Singulares erschienen)  und La Nonne Sanglante (die es ja bereits 2008 in Osnabrück […]

Machtvoll

  Die letzte Zürcher Première dieser Saison war zugleich auch die alljährliche Zusammenarbeit der beiden Hausherren und galt Verdis Nabucco. Ich gebe gern zu, die Produktion hatte bei mir schon im Voraus den Bonus, dass sie die durch zahlreiche Wiederaufnahmen nicht besser gewordene Vorgängerinszenierung von 1998 ersetzt, deren Statik in der Personen“führung“ zwar immer wieder von […]

Antike Mythen an der Salzach

  Ganz im Heute verortet Simon Stone Luigi Cherubinis Opéra  Médée im Großen Festspielhaus. Der Regisseur ist auch der Kameramann eines Schwarz/Weiß-Filmes, der das Geschehen durchgängig begleitet und schon zur Ouverture beginnt. Dieser führt das Stück in die Nähe eines TV-Psycho-Thrillers mit einem Beziehungsdrama, das tödlich ausgeht. Zunächst sieht man Médée und ihren Mann Jason […]

Totentanz im Schwimmbecken

  Wenn man an Salome denkt, fällt einem der Schleiertanz ein, ganz klar. Und gleich danach die Schüssel. Die Silberschüssel, in der die irrwitzige Prinzessin nach vollführter Aufgeilungs-Choreo den Kopf des renitenten Propheten Jochanaan überreicht bekommen mag; eines der namhaftesten Requisiten der Operngeschichte. Unvergesslich der Moment, als die große Brigitte Fassbaender – herzlichen Glückwunsch nachträglich zum 80.! […]

Fundstücke und Bekanntes

  Unvergessen die Meyerbeer-Trouvaille von 2005: Richard Bonynge dirigierte bei Rossini in Wildbad Giacomo Meyerbeers zweite italienische Oper Semiramide. Als Ehrengast reiste Joan Sutherland mit in den Nordschwarzwald. Deborah Riedel sang die Titelrolle, Olga Peretyatko war damals noch eine Unbekannte (Naxos 2 CDs 8.660205-06). Das Wunder wiederholte sich 2019 bei der kurzfristig anstelle der Emma […]

Enttäuschend

  Das Alleinstellungsmerkmal der Bregenzer Festspiele ist „naturgemäß“ (um es mit einem Lieblingswort Thomas Bernhardts, des aufmüpfigsten österreichischen Literaten, zu sagen) die 7000 Zuschauer fassende Seebühne mit einzigartiger Naturkulisse und Atmosphäre. Freilich schreit sie nach optisch adäquaten Inszenierungen, die den gewaltigen Dimensionen der Bühne und den Erwartungen des Publikums gerecht werden. Spektakuläre Bühnenshows, groß dimensioniertes Ausstattungstheater, […]

Staatsmacht in schwarzer Limolusine

  Die Opéra de Lyon beschloss ihre Saison mit Barbe-Bleue, einem ersten Beitrag zum Offenbachjahr (im Dezember folgt dann die Reprise des hochgelobten Roi Carotte), und vereinte dafür einen ausgewiesenen Spezialisten fürs komische Fach, eine offenbacherprobte Besetzung und einen jungen italienischen Dirigenten – und die Rechnung ging zweifellos auf. Laurent Pelly holte das Stück ins […]

Ohne Happy-End

  Das Märchen vom Zaren Saltan gehört, wie der Titel schon sagt, zu Rimskij-Korsakovs Märchenopern. 1900 vollendet, steht es in mehrfacher Hinsicht zwischen den Naturmythen in Sadko und Sneguročka, dem verspielt-gutmütigen gogolschen Humor von Mainacht und Nacht vor Weihnachten und der verrätselten Satire im Unsterblichen Kaščej und demGoldenen Hahn“. Wie bei Letzterem ist die Vorlage eins der leicht ironischen Kunstmärchen von […]

Rauschhafte Musik auf karger Bühne

  Natürlich, man muss nicht minutiös und nicht nur das und alles das, was in einem Libretto steht, inszenieren – schon gar nicht in einem Fall wie dem von Szymanowskis barock ausführlichen Bühnenanweisungen zu seinem Król Roger. Dass Johannes Leiacker der rauschhaften Musik eine nüchterne Bühne aus symmetrischen schwarzen und weißen Flächen entgegensetzt – warum nicht? Dass die […]

Armer amputierter Meyerbeer

  Seit seiner Skandal auslösenden Csárdásfürstin von 1999 hat Peter Konwitschny nicht mehr in der Elbmetropole gearbeitet. Nun kehrte er für eine Neuproduktion von Meyerbeers Grand opéra Les Huguenots an die Semperoper zurück. Diese war eigentlich 2017 für die Pariser Opéra Bastille geplant, doch konnte sich der deutsche Regisseur damals nicht über die von ihm beabsichtigten […]

Nostalgie und Langeweile

  Es war vor über dreißig Jahren, an einem schwülheißen Abend im Juli, kurz vor Ausbruch der Theaterferien, im Düsseldorfer Haus der Deutschen Oper am Rhein. Es gab Alceste von Christoph Willibald Ritter von, der Abend bedeutete für den späteren Kulturschock tatsächlich einen solchen, ein echtes Trauma, ausgelöst durch drei Stunden konzertante – also mit ohne was zu […]