Musikszene / Festivals

Enttäuschend

  Das Alleinstellungsmerkmal der Bregenzer Festspiele ist „naturgemäß“ (um es mit einem Lieblingswort Thomas Bernhardts, des aufmüpfigsten österreichischen Literaten zu sagen) die 7000 Zuschauer fassende Seebühne mit einzigartiger Naturkulisse und Atmosphäre. Freilich schreit sie nach optisch adäquaten Inszenierungen, die den gewaltigen Dimensionen der Bühne und den Erwartungen des Publikums gerecht werden. Spektakuläre Bühnenshows, groß dimensioniertes Ausstattungstheater, […]

Staatsmacht in schwarzer Limolusine

  Die Opéra de Lyon beschloss ihre Saison mit Barbe-Bleue, einem ersten Beitrag zum Offenbachjahr (im Dezember folgt dann die Reprise des hochgelobten Roi Carotte), und vereinte dafür einen ausgewiesenen Spezialisten fürs komische Fach, eine offenbacherprobte Besetzung und einen jungen italienischen Dirigenten – und die Rechnung ging zweifellos auf. Laurent Pelly holte das Stück ins […]

Ohne Happy-End

  Das Märchen vom Zaren Saltan gehört, wie der Titel schon sagt, zu Rimskij-Korsakovs Märchenopern. 1900 vollendet, steht es in mehrfacher Hinsicht zwischen den Naturmythen in Sadko und Sneguročka, dem verspielt-gutmütigen gogolschen Humor von Mainacht und Nacht vor Weihnachten und der verrätselten Satire im Unsterblichen Kaščej und demGoldenen Hahn“. Wie bei Letzterem ist die Vorlage eins der leicht ironischen Kunstmärchen von […]

Rauschhafte Musik auf karger Bühne

  Natürlich, man muss nicht minutiös und nicht nur das und alles das, was in einem Libretto steht, inszenieren – schon gar nicht in einem Fall wie dem von Szymanowskis barock ausführlichen Bühnenanweisungen zu seinem Król Roger. Dass Johannes Leiacker der rauschhaften Musik eine nüchterne Bühne aus symmetrischen schwarzen und weißen Flächen entgegensetzt – warum nicht? Dass die […]

Armer amputierter Meyerbeer

  Seit seiner Skandal auslösenden Csárdásfürstin von 1999 hat Peter Konwitschny nicht mehr in der Elbmetropole gearbeitet. Nun kehrte er für eine Neuproduktion von Meyerbeers Grand opéra Les Huguenots an die Semperoper zurück. Diese war eigentlich 2017 für die Pariser Opéra Bastille geplant, doch konnte sich der deutsche Regisseur damals nicht über die von ihm beabsichtigten […]

Nostalgie und Langeweile

  Es war vor über dreißig Jahren, an einem schwülheißen Abend im Juli, kurz vor Ausbruch der Theaterferien, im Düsseldorfer Haus der Deutschen Oper am Rhein. Es gab Alceste von Christoph Willibald Ritter von, der Abend bedeutete für den späteren Kulturschock tatsächlich einen solchen, ein echtes Trauma, ausgelöst durch drei Stunden konzertante – also mit ohne was zu […]

Deutschlandpremiere

  Man stelle sich vor: Eine Oper, 1900 vollendet, von der zu Lebzeiten des Komponisten nur die beiden Außenakte (konzertant) aufgeführt wurden, die 1931, 17 Jahre nach dem Tod ihres Schöpfers, zu ihrer szenischer Uraufführung kam (nachdem ein Komponistenkollege die Orchestrierung der Außenakte hatte rekonstruieren müssen) und 2019 erst ihre zweite Bühnenproduktion erhält. Und das […]

Double Bill

  Für Madame Flora, die Titelfigur in Menottis Medium, hat Kaspar Glarner für die Oper Frankfurt einen düsteren Salon wie für eine Wahrsagerin bei „Graf Yoster“ geschaffen, samt kaschiertem Spiegel für die vorgetäuschten Erscheinungen und Wendeltreppe zum Eingang – ob die eine bewusste Vanessa-Referenz ist? immerhin wird die Treppe aus der jahrzehntelang durch die Opernhäuser der […]

Potsdamer Musen

  Die neue Intendantin der Musikfestspiele, Dorothee Oberlinger, betitelte ihre erste Festivalsaison Musen und dirigierte die Opernproduktion, Giovanni Battista Bononcinis Polifemo, auch selbst. Gerade hatte es bei den Salzburger Pfingstfestspielen Nicola Porporas Opera seria gleichen Titels von 1735 gegeben, daher ermöglichte die Aufführung von Bononcinis Pastorale am 20. 6. 2019 in der Orangerie einen interessanten […]

Berlin: Repertoire, Concerts & Fringe

  Im Rausch der Grand opéra: Hamlet von 1868 (in der Pariser Salle Le Pelletier) als (konzertante) Erstaufführung an der Deutschen Oper Berlin und meines Wissens erstmalig in Berlin nach dem Krieg überhaupt war die überwältigende Wiedergabe dieses hinreißenden Hollywood-„Schinkens“, ein Rausch! Großes Kino als Oper, „alle tot“ möchte man sagen, was ich an großer Oper […]

Religion in Holzschnitt

  Der gläubige Katholik Bohuslav Martinů schuf seine „Marienspiele“ 1934. Sie bestehen aus den vier Kurzopern „Prolog. Die klugen und törichten Jungfrauen“, „Mariechen von Nimwegen“, „Die Geburt des Herrn“ und „Schwester Pascalina“, von denen das Stadttheater Bremerhaven die beiden ersten Teile in einer eindrucksvollen Produktion zum Abschluss der laufenden Spielzeit in deutscher Sprache herausbrachte. Der […]

Kaltes loderndes Feuer

  Die letzte Première der Ära Richter am Grand Théâtre de Genève galt Verdis Un ballo in maschera (besuchte Vorstellung die zweite am 7.6.2019). Für einen krönenden Abschluss fehlt es der Produktion für mein Empfinden an szenischer Stringenz. Giancarlo del Monaco hat einige effektvolle Ideen (wenn etwa Amelia Ma dall’arido stelo mit dem Rücken zum Publikum beginnt), aber sie scheinen mir dünn gesät, während […]

Voci celesti – Himmlische Stimmen

  Dem Andenken an legendäre Kastraten widmete Cecilia Bartoli die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele . Die Sängerin hatte sich bereits in ihren CD-Einspielungen Sacrificium und Musica proibita mit dieser Thematik beschäftigt. Als Künstlerische Leiterin des Festivals hatte sie nun Gelegenheit, ein ganzes Programm von der Oper bis zum Oratorium zu konzipieren, das die Kunst dieser Sänger ins […]

Berliner Premieren-Marathon

  Des Ritters Traumwelten:Dieser Don ist nicht von trauriger Gestalt, auch kein müder Greis, sondern ein vitaler, agiler Mann im besten Alter. Alex Exposito singt die Titelrolle in Massenets Comédie héroique Don Quichotte an der Deutschen Oper Berlin, die am 30. 5. 2019 erfolgreiche Premiere hatte. Der optischen Erscheinung entspricht die Stimme – ein jugendlicher […]