Musikszene / Festivals

Gnadenlos

  Als Berliner Erstaufführung präsentiert die Komische Oper Aribert Reimanns 2010 in Wien uraufgeführte Oper Medea in einer musikalisch glanzvollen Interpretation. Benedict Andrews’ Inszenierung auf der bis auf die schwarzen Brandmauern leere Bühne (Johannes Schütz) arbeitet mit den Mitteln des epischen Theaters, so dass die Aufführung zunächst kühl und unsinnlich wirkt. Die Sängerdarsteller aber stürzen […]

Intrigen im Museum

  Charles Gounod komponierte seine Oper Cinq-Mars nach dem Roman von Alfred de Vigny nach einer schöpferischen Pause von zehn Jahren; 1877 erfolgte die gefeierte Uraufführung an der Pariser Opéra-Comique. Einige Monate später erlebte das Werk noch eine Wiederaufnahme in einer vom Komponisten veränderten Fassung, in der die vorher gesprochenen Dialoge in Rezitative mit Orchesterbegleitung […]

BERLIN: REPERTOIRE, CONCERTS & FRINGE

  Michael Volle singt Franz Schubert. Allein diese Ankündigung versprach einen erlesenen und genussvollen Liederabend. Dazu ein Begleiter wie Helmut Deutsch am Klavier, der schon mit Irmgard Seefried und Hermann Prey zusammengearbeitet hat. So eine Vorstellung ist gelaufen, noch bevor eine einzige Note zum Vortag gelangt. Der neue Pierre Boulez Saal in einem Nebengebäude der […]

Drei unbekannte Franzosen

  Auf nach Paris! Vom 7. Bis 19. Juni findet dort ein Geschmacksfäden ziehendes Festival dreier absolut unbekannter Opern der (späten) französischer Romantik statt: Halévys Reine de Chypre und Lemoynes (wer?) Phèdre buhlen konzertant um die Gunst des szenischen Timbre d´Argent von Saint-Saens. Nun kann man natürlich wieder maulen, weil Lemoynes Oper in einer abenteuerlichen […]

Meisterhaft

  Der feurige Engel, Titelfigur von Prokofjevs erst 1955, zwei Jahre nach seinem Tod, szenisch uraufgeführter Oper, ist der unsichtbare Kindheitsfreund von Renata, der sie verlassen hat, als sie als Teenager mehr als keusche Freundschaft von ihm wollte – so erzählt sie es zumindest. Kurze Zeit glaubte sie im Grafen Heinrich ihren Engel wiedergefunden zu […]

Bezaubernde Sabine Devieilhe

  Au temps où l’on voyageait peu, l’opéra pourvoyait au dépaysement. Il multipliait les rencontres incongrues, et les malentendus qui s’ensuivent. Un lieutenant de vaisseau américain découvre le Japon sans bien en comprendre les mœurs, ça vous donnera Madame Butterfly. L’officier est anglais dans Lakmé et ça se passe aux Indes : entre la fille des parias et le […]

Stimmenfest mit Inszenierungsschwächen

  Die lothringische Oper in Nancy hat bei Rossinis Semiramide ein Experiment gewagt, man besetzte die Hosenrolle des Arsace nicht mit einer Mezzosopranistin, sondern mit einem Countertenor. Franco Fagioli, der sich dieses Rossini-Repertoire mit seiner letzten Solo-CD bei DG bereits erschlossen hat, stand neben der georgischen Sopranistin Salome Jicia in der Titelrolle im Mittelpunkt einer […]

Feuchter Traum im Nebel

  Eine Oper als Traum oder Erinnerung einer der handelnden Personen zu erzählen, ist seit einiger Zeit eine gängige Methode auf unseren Bühnen. Im Falle der Neuinszenierung von Wagners Der fliegender Holländer an der Deutschen Oper Berlin ist es Erik, der schon zum Beginn der Ouvertüre auf dem Bühnenboden hockt, träumt, nachsinnt, dann aggressiv auffährt […]

Stalin als stummer Zeuge

  Mit einigem Recht gilt Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk (Libretto: Arkadi Preis) als eine der bedeutendsten Opern des 20. Jahrhunderts. Die abgründige und hocherotische Thematik machte den Sowjets bereits die literarische Vorlage von Nikolai Leskow (1865) verdächtig. Der Typus einer selbstbewussten Frau, die sich nicht mehr abfinden will mit ihrem langweiligen Dasein als […]

Nachkriegs-Künstlerdrama

  Die Weltpremiere von Paul HIndemiths letzter großer Oper (auf sie folgte nur noch der Einakter Das lange Weihnachtsmahl) Die Harmonie der Welt war 1957 in Mûnchen ein riesiges Ereignis. Alles, was in der musikalischen und in der politischen Welt Rang und Namen hatte, war anwesend, und die beiden Dirigenten Herbert von Karajan und Georg Solti […]