Oper

Mehr als „Ombra mai fu“

  Serse ist Georg Friedrich Händels drittletzte Oper und ein vielfältiges Werk, geprägt vom Wechsel zwischen Arien, Arietten und Ariosen, dazu gibt es drei kurze Duette und einen eigenständigen Chor. Von den über 30 Arien sind mehr als 20 einteilig und folgen nicht der Dacapo-Form. Die aus dieser Struktur folgenden schnellen und kontrastierenden Wechsel mit […]

Qual tenero diletto

  Stopp. Da stimmt doch etwas nicht. „Die kritische Ausgabe seiner Werke durch die Fondazione Rossini in Pesaro“, schreibt der im Vorjahr verstorbene Rossini-Kenner und Liebhaber Philip Gossett im Vorwort der 50 CDs umfassenden Rossini-Edition von Warner (weitgehend aus den Beständen der EMI und Erato), „hat mittlerweile mehr als die Hälfte seiner Opern, besonders die […]

Flott, doch nicht hektisch

  Simon Rattle und Richard Wagner – eine nicht unbedingt geläufige Kombination. Während seiner 16-jährigen Amtszeit als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hat Rattle den Säulenheiligen von Bayreuth elegant umschifft. Offizielle Tondokumente haben Seltenheitswert. Eine Walküre von 2007 aus Aix-en-Provence ist auf DVD/Blu-ray erschienen (BelAir) und beim Europakonzert im selben Jahr spielte Rattle immerhin das Vorspiel […]

Una voce molto fa`

  Es hatte sich bei Opernfreunden in Ost- wie West-Berlin wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass beim heißumlagerten Gastsspiel der Römischen Oper mit ihrer muffigen Pappe-Produktion des Barbiere di Siviglia 1987 eine junge, unbekannte Sängerin auftreten würde, die Anlass zu größten Hoffnungen geben sollte. Und wer eine Karte legal oder eher noch auf dem illegalen Markt […]

Warum nun noch eine …

  Man muss sich schon sehr anstrengen, will man erreichen, dass der Zuschauer wenig Anteil am Schicksal Mimis und Rodolfos in der Bohème aus Covent Garden bei der Hausfirma  Opus Arte nimmt, und Richard Jones ist das über weite Strecken gelungen, wobei ihm Stewart Lainig als Designer ein williger Helfershelfer war. Der erste und letzte Akt verdammt die […]

Erfüllter Herzenswunsch

  Anton Rubinstein gehört zu den interessanten, aber im ganzen wenig bekannten Komponisten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, im Schatten von Chopin und Liszt stehend, von der politischen Wirklichkeit seiner Zeit des russischen Riesenreichs und der Zerstückelung Polens  betroffen, zwischen beiden Ländern als Nationalkomponist reklamiert (wobei sein Grab in St. Petersburg liegt), im westlichen Einfluss Deutschlands […]

Der junge Wagner kompakt

  Jubiläen haben gelegentlich auch eine Nachwirkung. Zumal dann, wenn die damit verbundenen Ereignisse und Veranstaltungen nicht nur dem Moment huldigen, sondern für später bewahrt bleiben – zum Beispiel auf Tonträgern. Um den 200. Geburtstag von Richard Wagner 2013 herum hatte sich die Oper Frankfurt das Frühwerk des Komponisten vorgenommen. In konzertanten Aufführungen wurden Die […]

ungekürzt, aber enttäuschend

  Belcanto-Liebhaber und vor allem Sammler von Raritäten warten mit Spannung auf jede Neuveröffentlichung der rührigen britischen Firma Opera Rara. Selbst wenn man auch über die Auswahl der Sänger maulen mag, die man in diesem Fall entweder als „alte Schuhe“ oder „ungeeignet“ nennen möchte. denn die jüngste Initiative betrifft Rossinis Melodramma tragico Semiramide, welches freilich nicht […]

Veristisches nach Maeterlinck

  Ein Gang durch Oberitaliens kleine Städte wie Lucca oder Savona bringt in Architektur und Kunst vor allem die Jahrhundertwende um 1900 zu Bewusstsein. Die eleganten Promenaden, die herrlichen Cafés im Jugendstil, die lichtdurchfluteten Passagen voller großbürgerlicher Geschäfte mit ihren farbenfrohen Auslagen, die schmiedeeisernen Dekorationen an den Häusern, der Bögen und Portale der frivolen Karyatiden […]

TRAJANS GLÜCK

  Die französische Barockopern hat es in Deutschland immer noch schwer: Lully oder Jean-Philippe Rameau schaffen es hierzulande kaum einmal auf die Bühne, dabei sind die oft allegorischen Figuren und metaphorischen Bilder ihrer Opern eine dankbare Aufgabe für Regisseure und erlauben Spektakel und Phantasie. Auf Tonträgern sieht die Auswahl schon anders aus, Einspielungen kommen inzwischen nicht […]

Ein deutscher Belcantist

  Der Bariton Jörn W. Wilsing (* 25.Oktober 1940  Hamm/Westf. – † 19. September 2010 Stuttgart) gehört für mich zu den schönsten, timbrereichsten deutschen Baritonen meines Opern-Lebens. Neben dem lyrischeren Barry MacDaniel (Amerikaner, gewiss, aber mit einen lange und zum Schluss exklusiv deutschen/Berliner Karriere) war Wilsing für mich der vollkommene Bariton von Belcanto-Prägung, stets in […]

Engel aus Nisida

02 Uraufführung nach fast 180 Jahren – Nach seinem ersten Auftreten in Paris, als sein Marino Faliero 1835 im Schatten von Bellinis kurz vorher mit überwältigendem Erfolg erstaufgeführten I Puritani praktisch unterging, kehrte Donizetti wieder nach Italien zurück, wo in anscheinend unerschöpflichem Schaffensdrang innerhalb dreier Jahre Meisterwerke wie Lucia di Lammermoor, Belisario, Pia de Tolomei, […]

Jeder Mensch ist ein Abgrund

  „Was ein Mann! Wie ein Baum!“, lüstern beschaut sich Maries Nachbarin Margaret die aufziehende Militärmusik mit dem Tambourmajor an der Spitze. „Er steht auf seinen Füßen wie ein Löw“ fügt Claudia Mahnke mit deftigem Mezzosopran als Marie hinzu, deren reife Mütterlichkeit in dem mit praller Mittellage gesungenen „Eia popeia“-Wiegenlied und der warmherzigen Bibelszene zum […]