Geistliches / Chormusik

Wiederentdeckungen

  In den frühen 1990ern nahm sich Christophe Rousset als Cembalist bereits die kompletten „Livres des pièces de clavecin“ von François Couperin (1668-1733) vor und veröffentlichte mehrere CDs – eine tiefe Zuneigung, die er sich bis heute bewahrt hat und die er mit französischer Gravität zum Ausdruck bringt: „Couperin ist der Freund geblieben, der er […]

Vermächtnisse

  Der Dirigent Alan Curtis starb im Sommer 2015, eine seiner letzten Aufnahmen wurde nun veröffentlicht und im Beiheft durch einen Nachruf der mit Curtis befreundeten Krimiautorin und Händel-Enthusiastin Donna Leon auf einen der Pioniere historischer Aufführungspraxis ergänzt. Die CD Mitologia entstand allerdings bereits im Mai 2012 – ein Nachlass, mit dem man es zu […]

Auf der Suche nach Bach

  Philipp Jaroussky ist immer auf der Suche nach neuen Betätigungsfeldern. Seine Vielseitigkeit scheint auch auf Neugierde zu beruhen. Obwohl er sehr oft in Deutschland aufgetreten ist und gut Deutsch spricht, hat er als Sänger um diese Sprache bei seinen Aufnahmen bisher einen Bogen gemacht. Aus gutem Grund. Wir Deutschen lieben bekanntlich den französischen Akzent, […]

Hochbarocke Überwältigung

  Das von Kirchenmusiker Johannes Strobl im aargauischen Muri 2002 gegründete Vokalensemble Cappella Murensis konzentriert sich auf Werke, die den architektonischen Besonderheiten der benediktinischen Klosterkirche in Muri entgegenkommen: der oktogonale Grundriß mit fünf Orgeln und vier Musikemporen ist prädestiniert für polychorale Großwerke. Die Missa in labore requies, eine 24-stimmige und fünfchörige Messe von Georg Muffat […]

Hausmannskost im Paradies

  Es gibt Aufnahmen, die wandern mit den Jahren von einem Label zum anderen. Das 1981 in Leipzig eingespielte Oratorium Das Paradies und die Peri von Robert Schumann, das in der DDR zunächst auf Langspielplatten erschien, gelangte nach der deutschen Wiedervereinigung zu Berlin Classics und wurde nun bei Brilliant neu aufgelegt (95306). Das ist verdienstvoll, […]

Il premio felice

Die Archive bieten immer noch mehr barocke Schätze und auch der scheinbar bekannte Alessandro Stradella (1642-1682) bekommt wieder mehr Aufmerksamkeit. Stradella hat nur acht Opern und acht Oratorien vertont, aber über 200 weltliche und geistliche Kantaten sowie viele instrumentale Werke prädestinieren ihn für die nächste Wiederentdeckungsrunde. Das Oratorium Santa Edita, Vergine e Monaca, Regina d’Inghliterra […]

Barocker Prunk

  Von einem Oratorium erwartet man nicht gerade ein Fest für die Augen durch eine Orgie von Ausstattung und den Einsatz einer raffinierten Bühnentechnik. Barrie Kosky allerdings „enttäuschte“ in dieser Hinsicht mit seiner Inszenierung von Händels Saul aufs angenehmste und bietet visuell so Raffinertes wie Ivor Bolton mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment […]

Venezianische Köstlichkeiten

    Zwei etablierte Barock-Ensembles haben ihre Diskographie durch Werke des venezianischen Barock erweitert. Bald 30 Jahre ist es her, seitdem Hervé Niquet sein Orchester Le Concert Spirituel gegründet hat. Liturgische Musik von Antonio Vivaldi steht im Mittelpunkt der aktuellen CD, und zwar Werke, deren Gesang komplett von Frauenstimmen dargeboten wird. Frauen war das Musizieren […]

Probe für „Parsifal“ beim „Liebesmahl“

  Das Liebesmahl der Apostel von Richard Wagner hat seine Exotik längst verloren. Es wird zwar nicht eben häufig aufgeführt. Wer sich für dieses Chorwerk Richard Wagners interessiert, kann indessen zwischen mehreren Einspielungen wählen. Michel Plasson hat das Werk für die EMI eingespielt, Pierre Boulez für Sony. Eine Produktion unter Wyn Morris ist bei IMP […]

Schikaneders vergessener Zögling

  Das junge Talent des Ignaz Ritter von Seyfried (1776-1841) wurde in Wien schnell erkannt. Mozart gab ihm Klavierunterricht, Peter von Winter (der Schikaneders Fortsetzung der Zauberflöte vertonte) band den gerade Einundzwanzigjährigen vertraglich langfristig als Dirigent für Schikanders Theater, das damals noch im Freihaus logierte und das 1801 seinen neuen Standort im Theater an der […]

„Das Ding muß am Ende krachen…“

Eine der spannendsten Perioden der deutschen Musik- und vor allem Opernentwicklung ist die Übergangszeit von der Vor-Klassik zur Romantik, also von J. Chr. Bach/ Mozart zum frühen Wagner, stilistisch ebenso wie politisch – und Oper ist ja immer auch ein Spiegel der sozial-politischen Entwicklungen. Beethoven gilt als der Titan unter den Komponisten der Zeit, aber […]

Byron-Übernahme

  „Die Nacht kam wiederum, doch dauert so lang’ sie schwerlich, als ich wache“ beginnt Robert Schumanns Dramatisches Gedicht in drei Abteilungen, das 1852 in Weimar unter Liszt erstmals aufgeführt wurde. 1848 war der seit Studentenzeiten vom Byron-Fieber ergriffene Schuhmann auf die zehn Jahre zuvor entstandene Nachdichtung des Theologen Karl Adolf Suckow von Byrons „Dramatic […]

Der Schrei der Eule

  Bernius dirigiert Schuberts Lazarus, das Linos Ensemble bringt die Kammerfassung vom Lied von der Erde, Anspruchsvolles mit Marie-Nicole Lemieux und Christianne Stotijn! Ein Oratorium von Schubert? Erst 1863 wurde Franz Schuberts einziges Oratorium Lazarus in Wien im Zug eines Schubert-Fiebers, das Stadt erfasst hatte, die sich plötzlich der Modernität des Komponisten bewusst wurde, erstmals […]