CD

Leichte Kost vom Verlagschef

  Eher wohl die Verkleinerungsform Operchen als die Gattungsbezeichnung Operette ist im italienischen Booklet zur „operetta“ La Secchia Rapita (Der gestohlene Eimer) vom Verlagschef mit eigenen künstlerischen Ambitionen,  Giulio Ricordi (19. Dezember 1840 in Mailand; † 6. Juni 1912) alias Jules  Bucket gemeint, denn sie hat viel von einer opera buffa mit den vielen komischen Situationen rund um die Rivalität zwischen den beiden Städten […]

Angriffslustiger Beethoven

  Vor fünfzig Jahren brach im Münchner Nationaltheater der damalige Bayerische Generalmusikdirektor Joseph Keilberth während einer Aufführung von Wagners Tristan und Isolde auf dem Dirigentenpult tot zusammen (wie bereits 1911 Felix von Mottl). Angeblich genau dann, als Tristan sein „Lass mich sterben“ sang. Keilberth war zu diesem Zeitpunkt gerade sechzig Jahre alt und stand auf […]

Frühe Lockungen

  Wahrscheinlich können nur wenige Opernliebhaber aus dem Gedächtnis fünf Opern von Komponistinnen aufzählen oder haben tatsächlich mehrere erlebt. Wer kennt schon bspw. Céphale et Procris (1694) von Elisabeth-Claude Jacquet de la Guerre, Talestri, regina delle Amazzoni (1760) von Maria Antonia Walpurgis, La Esmeralda (1836) von Louise Bertin, The Wreckers (1906) von Ethel Smyth oder […]

Nicht nur Wagner und Strauss

  Auf einem Berliner Flohmarkt fielen mir dieser Tage zwei Plattenkassetten in die Hände. Salome und Elektra von Strauss. Wie neu. Auf dem Deckel der Elektra prangten noch die Auszeichnungen wie Orden auf der Brust eines Feldherrn: Deutscher Schallplattenpreis und Grand Prix de Disque. Die kreisrunden Sticker waren aufgeklebt, ihre Erhabenheit mit der Fingerspitze zu […]

Toll dirigiert

  Luisa Miller aus München: Völlig zu Unrecht eine der weniger bekannten Opern Giuseppe Verdis ist Luisa Miller nach Schillers Kabale und Liebe, dank der österreichischen Zensur aus einem deutschen Fürstentum in die Tiroler Berge verlegt und aus dem Musikus Miller einen alten Soldaten und aus der Fürstenmaitresse Lady Milford die respektable Witwe Federica machend. […]

Archetypen in Gesang

  Die griechische Mezzosopranistin Mary-Ellen Nesi ist eine renommierte Interpretin in der Alte-Musik-Szene und hat in vielen Einspielungen von Barockopern (vor allem bei Virgin und MDG) mitgewirkt. Verdienstvoll, dass die Firma Dabringhaus und Grimm nun ein Recital mit der Sängerin veröffentlicht, das unter dem Titel Archetypon 13 Arien tragischer Frauengestalten vorstellt (MDG 909 2064-6). Acht […]

Gezwitscher im Wettstreit

  Gerade hatte Nuria Rial bei dhm/Sony eine CD unter dem Titel Vocalise mit Kompositionen von Heitor Villa-Lobos und Bernat Vivancos veröffentlicht, da legt die Firma eine Platte ganz anderer Art nach: Baroque Twitter (88985497582). Im Dialog und Wettstreit mit dem Flötisten Maurice Steiger interpretiert die katalanische Sopranistin Arien, welche verschiedene Barockkomponisten nach Inspiration  durch […]

Der Stunde der Anna Girò

  Freunde der Barockmusik werden das Wiederaufleben der Vivaldi-Edition bei naïve begrüßen, denn nach fast dreijähriger Pause ist jetzt als Vol. 55 Dorilla in Tempe erschienen (OP 3060, 2 CD). Ungewöhnlich ist die Gattungsbezeichnung des Werkes, das nicht als dramma per musica oder opera seria untertitelt ist, sondern mit dem blumigen Begriff melodramma eroico-pastorale. Die […]

Letzte Rose

  Mit einer Verspätung von acht Jahren erschien eine zwischen 7. und 9. Juni 2009 aufgezeichnete Produktion des Opernhauses Chemnitz bei cpo (777 500-2): Hans Pfitzners selten gespielte Oper in zwei Akten Die Rose vom Liebesgarten. Tatsächlich gehört dieses 1901 in Elberfeld uraufgeführte Werk zu einer der fünf Opern des nicht unumstrittenen Komponisten, von denen […]

„Let´s misbehave“

  Viele große Opernsänger packt im Laufe ihrer Karriere die Lust, Seitenpfade zu betreten und mal was anderes zu singen. Zum Beispiel Jazz oder Musical. Nicht immer sind diese Ausflüge von Erfolg gekrönt. Jetzt hat sich Mezzosopranistin Magdalena Kožená an ein Cole Porter-Album gewagt. Ein Heimspiel. Dieses Album ist in Tschechien entstanden, wo Magdalena Kožená viel von […]

Psalmen, Kantaten und ein Claviorganum

  Louis-Nicolas Clérambault (1676-1749) kam aus einer Pariser Musikerfamilie, sein Leben spielte sich am linken Seine-Ufer ab. Er war Organist in Saint-Sulpice und Saint-Cyr und zu Lebzeiten für seine Motetten bekannt. Zwischen 1710 und 1725 komponierte er 25 französische Kantaten, die ein- oder zweistimmig oft mythologische Themen aufgreifen. Für heutige Hörer klingen sie wie exemplarische […]